Debatte um Vaterunser-Bitte geht weiter

Kardinal Marx: Neuübersetzung nicht notwendig

München/Wien (DT/KNA) Der Münchner Kardinal Reinhard Marx sieht keine Notwendigkeit für eine deutsche Neuübersetzung des Vaterunsers. Er habe in dieser Woche darüber kurz mit Papst Franziskus in Rom gesprochen, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Freitag in München. Mit seiner Interviewäußerung gegenüber einem italienischen Fernsehsender habe der Papst „keine Handlungsanweisung gegeben“. Marx sagte vor Journalisten, „man sollte den Text so lassen, aber ihn besser interpretieren“. Er gehe davon aus, dass dies auch die meisten anderen deutschen Bischöfe so sähen. Marx fügte hinzu, das Thema sei „nicht völlig aus der Luft gegriffen“. In seinen 20 Jahren als Bischof erhalte er immer wieder Briefe von Leuten, die diese Passage „und führe uns nicht in Versuchung“ nicht verstünden. Gemeint sei damit, dass Gott den Menschen in eine „Bewährungsprobe“ führe, die im Grunde mit dem ganzen Leben verbunden sei. Die Vaterunser-Bitte richte sich darauf, dass Gott „uns diese Bewährungsprobe bestehen lassen“ möge. Bei der Änderung solcher für das Christentum grundlegenden Texte sollte man aber „sehr vorsichtig sein“. Die vielen Leserbriefe und Reaktionen bezeichnete der Kardinal als „wunderbar“. Er wäre „riesenfroh“, wenn sie zu einer Vertiefung der Gebetspraxis führten. Ein Vaterunser täglich sei, so Marx, „das Minimalprogramm für einen Christen“.

Auch der Wiener Kardinal Christoph Schönborn begrüßt die derzeitige Debatte über die Übersetzung des Vaterunser. Papst Franziskus habe „eine Diskussion ausgelöst, die etwas Gutes hat: über das Vaterunser nachzudenken“, schreibt Schönborn in seiner Freitagskolumne in der Wiener Gratiszeitung „Heute“. Es sei das Gebet Jesu, und „es tut gut, es einfach oft zu beten“.

Der Dekan der Theologischen Fakultät an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt zeigt Verständnis für Papst Franziskus' Anregung zu einer Änderung der Vaterunser-Übersetzung, lehnt sie aber ab. Franziskus hatte sich an Übersetzungen gestoßen, nach denen „Gott, der liebende Vater“ selbst in Versuchung führe. „Das Anliegen des Heiligen Vaters ist vollkommen zu verstehen, weil dieser Satz tatsächlich missverständlich ist“, sagte Manfred Gerwing, Inhaber des Lehrstuhls für Dogmatik und Dogmengeschichte am Freitag. Dennoch solle man an der Übersetzung nichts ändern, da sie dem Original sehr nah komme.

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