Debatte um Präambel geht weiter

Vatikan informiert Piusbrüder über Papst-Antwort und schlägt Personalprälatur vor

Vatikanstadt/Paris (DT/KNA) Der Vatikan hat am Mittwochabend mit der Leitung der Piusbrüder über den Fortgang der kirchlichen Einigungsbemühungen beraten. Der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal William Levada, legte dem Oberen der Priesterbruderschaft St. Pius X., Bernard Fellay, bei einem ausführlichen Gespräch am Sitz seiner Kurienbehörde die offizielle Antwort des Papstes vor. Benedikt XVI. hatte Levada und dem Kongregationssekretär Luis Francisco Ladaria am Samstag seine Entscheidung zum bisherigen Verlauf des Dialogs mit den Traditionalisten mitgeteilt.

Im Mittelpunkt steht die sogenannte lehrmäßige Präambel, die der Vatikan den Piusbrüdern zum Abschluss eineinhalbjähriger Expertenberatungen als Grundlage für eine Einigung vorgelegt hatte. Unklar ist bislang, ob und mit welchen Modifizierungen Fellay diese Präambel akzeptieren will; unbekannt ist auch das Votum des Papstes. Der am Donnerstag vom Vatikan veröffentlichten Erklärung zufolge wurde im Verlauf der Begegnung auch der Entwurf eines Dokuments vorgelegt, mit der eine Personalprälatur als geeignetes Instrument für eine eventuelle kirchenrechtliche Anerkennung der Priesterbruderschaft vorgeschlagen wird. Man sei übereingekommen, dass die Situation der übrigen drei Bischöfe der Priesterbruderschaft St. Pius X. getrennt und einzeln behandelt werden solle.

Der Vatikan hatte den Piusbrüdern Mitte September 2011 zum Ende der theologischen Gespräche ein Dokument mit Lehr- und Interpretationsprinzipien der katholischen Glaubenslehre zur Unterzeichnung übergeben. Darin wird die Treue zum Lehramt der katholischen Kirche einschließlich der Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) festgehalten. Die beiden ersten Antworten der Traditionalisten hatte der Vatikan als ungenügend bewertet. Ein drittes Schreiben Fellays von Mitte April wurde von der Kardinalsversammlung der Glaubenskongregation am 16. Mai beraten und dem Papst zur Entscheidung vorgelegt. Zugleich koppelte die Kongregation die Beratungen mit Fellay von Verhandlungen mit den drei übrigen Traditionalistenbischöfen ab, die ebenfalls 1988 illegal von Erzbischof Marcel Lefebvre (1905–1991) geweiht wurden. Diese drei, unter ihnen der Holocaustleugner Richard Williamson, hatten eine Einigung mit Rom für die nähere Zukunft prinzipiell ausgeschlossen.

Für Irritationen sorgen in Rom unterdessen jüngste öffentliche Äußerungen Fellays, der Vatikan verlange von den Piusbrüdern nicht mehr die Akzeptanz des gesamten Zweiten Vatikanums. Im Vatikan hieß es dazu, die Annahme des vollständigen Lehramtes der katholischen Kirche sei und bleibe Grundlage für eine Beendigung des Bruchs zwischen Rom und den Traditionalisten.

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