Debatte über den Zölibat geht weiter

Hamburger Erzbischof Thissen befürwortet Diskussion über Zulassung von „viri probati“

Berlin/Hamburg (DT/KNA) Die Debatte über den Zölibat in der katholischen Kirche ist auch am Wochenende weitergegangen. Der CDU-Politiker und frühere Ministerpräsident Bernhard Vogel appellierte in der „Bild am Sonntag“ erneut an Papst und Bischöfe, die Zulassung von verheirateten Männern zum Priesteramt zu erwägen. Dagegen warb der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller erneut für die verpflichtende Ehelosigkeit der Priester. Vogel erklärt, der Priestermangel führe in Deutschland zu einer Notsituation: „Vielen Gläubigen wird ihr Recht auf die Sonntagsmesse vorenthalten, viele Gemeinden drohen in Zukunft priesterlos zu bleiben. Eine Gemeindereform kann nicht die einzige Reaktion darauf sein. Für katholische Priester, die heute noch den Zölibat leben, äußerte der frühere Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Thüringen Respekt: „Der Zölibat ist noch zeitgemäß – und Priester sind hoch zu achten, die ihn heute noch aus innerer Überzeugung leben.“ Dennoch sei das Prinzip des Eheverbots überdenkenswert: „Der von der Bischofskonferenz beschlossene Dialogprozess sollte genutzt werden, um darüber zu sprechen. Denn auch wir Laien sind Kirche und haben deshalb die Pflicht, uns an diesem Dialog zu beteiligen“, sagte der Ehrenvorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung. Müller unterstrich dagegen, der Zölibat sei eine „frei gewählte Entscheidung“. Er zeige die Bereitschaft, sich selbst „für das Reich Gottes aufbrauchen zu lassen“. Der Priesterzölibat sei nicht bloßer Verzicht, „sondern ein Zeichen und zugleich ein Antrieb der Hirtenliebe und ein besonderer Quell geistlicher Fruchtbarkeit in der Welt“.

Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen zeigte sich offen für eine Debatte über die Zulassung von „viri probati“ zum Priesteramt. Er finde es wichtig, dass über dieses Thema gesprochen werde, sagte Thissen am Sonntag in einem Interview mit Radio Vatikan, ohne in der Debatte selbst Stellung zu beziehen. Bei der gegenwärtigen Diskussion geht es darum, ob „bewährte Männer“, die verheiratet sind, zu Priestern geweiht werden dürfen, um dem Mangel an Seelsorgern entgegenzuwirken. Im Dialogprozess gehe es darum, deutlich zu machen, dass man sich nicht nur mit sich selbst beschäftige, sondern „mit allen“ reden wolle, sagte Thissen. Die „viri probati“ seien zwar nicht das Thema, das man sich auf Seiten der Bischofskonferenz gewünscht habe, „aber warum soll man nicht auch über den Zölibat reden? Ich finde es wichtig, dass darüber geredet wird“, heißt es in der von Radio Vatikan veröffentlichten Textfassung des Interviews. Der Zölibat sei ein durch Jahrhunderte gewachsenes Merkmal katholischer Identität, „und diese katholische Identität zu begründen und darüber zu sprechen, das ist gut“. Als Voraussetzung für ein Gelingen des Dialogprozesses nannte Thissen ein Eingestehen von Fehlern sowie eine Offenheit für alle Themen. „Ich halte gar nichts davon, zu sagen: Darüber reden wir jetzt nicht mehr, das ist kontraproduktiv. Wir müssen zugeben: Wir haben schwere Fehler gemacht, es gibt schwere Schuld“, sagte Thissen.

Der kulturpolitische Sprecher des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, bekräftigte seine Forderung nach Zulassung „erprobter“ verheirateter Männer zum Priesteramt. „Der Priestermangel nimmt so bedrohliche Formen an, dass neue Wege unumgänglich sind“, sagte der CDU-Politiker dem Hamburger Abendblatt. Sternberg wies die Kritik von Walter Kardinal Brandmüller, der sich gegen den Vorstoß der acht CDU-Politiker gewandt hatte, zurück. „Wenn sich eine Gruppe von Katholiken aus Sorge über die Zukunft der Seelsorge einen Vorschlag in Erinnerung rufen, der nicht neu ist, zeugt das eher von Verantwortungsbewusstsein als von einer Kampagne.“ Zudem habe „kein Geringerer als Papst Benedikt selbst“ 1970 den Vorschlag gemacht, „bewährte Christen, die im Beruf stehen, zu Priestern zu weihen“, so der Politiker.

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