Das handliche Evangelium

Den Rosenkranz neu entdecken und neu lieben. Von Georg Dietlein
Foto: dpa | Die wichtigsten Glaubensinhalte quasi in einer Hand: Rosenkranzbeten – im Bild eine Aufnahme aus Fátima – begleitet durch die Höhen und Tiefen des Lebens.
Foto: dpa | Die wichtigsten Glaubensinhalte quasi in einer Hand: Rosenkranzbeten – im Bild eine Aufnahme aus Fátima – begleitet durch die Höhen und Tiefen des Lebens.

Wer einen guten Freund hat, will ihn und sein Leben immer näher kennenlernen und zu seinem Seelenverwandten werden. Wer Jesus liebt, möchte sein eigenes Leben letztlich aus dem Leben Jesu Christi heraus gestalten. Der Rosenkranz ist hierbei das herausragende Mittel, nicht nur zur persönlichen Heiligung, sondern auch zur Bekehrung der Welt. Er ist das Evangelium in Taschenbuchformat. Deshalb legt Florian Kolfhaus, Mitarbeiter im päpstlichen Staatssekretariat und assoziiertes Mitglied der Internationalen Päpstlichen Akademie für Mariologie, den Gläubigen den Rosenkranz so sehr ans Herz. Sein neuer Betrachtungsband ist eine Hilfe und Bereicherung sowohl für die, die den Rosenkranz bereits regelmäßig beten, als auch für jene, die ihn neu erlernen oder wiederentdecken möchten.

Unter Theologen ist – oft aus einer falschen ökumenischen Rücksichtnahme – ein „marianischer Minimalismus“ zu beobachten: Christen haben doch Christus und in ihm einen Zugang zu Gott, dem Vater. Wozu brauchen wir da noch Maria? Wieso sollten wir uns bittend an sie wenden? – Die Heiligen bezeugen uns den umgekehrten Blickwinkel: einen marianischen Maximalismus. An der Hand Mariens findet man am besten zu Christus. Sie ist die Mutter, die ihren Kinder die Geheimnisse des Rosenkranzes wie leuchtende Kirchenfenster präsentiert und aus dem Leben ihres Sohnes erzählt. Zudem ist sie eine mächtige Fürsprecherin. Denn seiner Mutter kann Christus nichts abschlagen: „Man bittet Gott um viele Dinge und erhält sie nicht. Man bittet Maria um viel und man erhält es. Warum ist das so? Nicht weil Maria mächtiger ist als Gott, aber Gott will dadurch seine Mutter ehren“ (Alfons Maria von Liguori). Der katholische Glaube ist eben deshalb so marianisch, weil sie, Maria, Christus am nächsten ist. Sie ist die „bittende Allmacht“.

Die Betrachtungen zu den einzelnen Gesätzchen des Rosenkranzes – jeweils über drei Seiten und mit einer bildlichen Darstellung vom Rosenkranzweg in Violau – bergen zahlreiche Kostbarkeiten über das Leben Jesu und das Leben Mariens. Dabei legt Kolfhaus verdeckte Schichten des Evangeliums frei und zeigt auf, wie sich im Leben Jesu das ganze Alte Testament und die Verheißungen der Väter erfüllen. Er malt plastische Bilder, die die Heilsdramatik der Erlösung – unserer Erlösung – zum Ausdruck bringen. Die Rede ist von der blutigen Schlacht, die Jesus gegen den letzten Feind bis ans Holz des Kreuzes schlägt – und letztlich gewinnen wird. Maria spielt bei dieser letzten Schlacht eine zentrale Rolle. Sie ist die neue Eva, an der sich der ursprüngliche Plan Gottes erfüllt: „Wenigstens einmal sollte der Schlange nicht einmal der Fersenbiss erlaubt sein, der ihr selbst bei Christus um unseres Heiles willen gestattet war.“ Darum wird Maria auch mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen. Sie ist der neue Himmel und die neue Erde: „Maria und Jesus sind die letzte Blumen aus dem irdischen Paradies, die uns aus dem verlorenen Reich der Unschuld geblieben sind. Maria und Jesus sind die ersten und herrlichsten Blüten im neuen Garten Gottes, für den wir auf dieser Erde heranwachsen sollen.“

Besonders ansprechend ist, wie Kolfhaus das Verhältnis zwischen der Gottesmutterschaft Mariens und dem Priestertum skizziert: „Maria ist nicht im Abendmahlssaal dabei. Sie empfängt nicht mit den Aposteln die Priesterweihe, denn kraft ihrer Gottesmutterschaft darf sie sagen, was der Priester nur in den heiligsten Momenten seines Dienstes aussprechen kann: Das ist mein Leib.“ Maria ist darum auch die Mutter aller Priester. Durch sie ist Christus in die Welt getreten. Durch sie strömte der Heilige Geist am Pfingsttag auf die Apostel über. Wer bei Maria zur Schule geht und ihr regelmäßig den Kranz der 50 Rosen schenkt, lernt mehr als von allen Päpsten, Bischöfen, Priestern und Theologen zusammen. Der Rosenkranz ist wirklich „eine Schnur zum Himmel“. Wer ihn betet, hat einen guten „Draht nach oben“.

Florian Kolfhaus: Der Rosenkranz – Theologie auf Knien. Dominus Verlag, 2014, 128 Seiten,

ISBN 978-3-940-879356, EUR 9,90

Themen & Autoren

Kirche

Papst in Budapest
Budapest
Umkehr: Die wahre Reform der Kirche Premium Inhalt
In Budapest wurde die Tiefendimension der Kirche sichtbar: Mit Blick auf Christus ist sie jung, dynamisch, fröhlich, ökumenisch, missionarisch und attraktiv. Ein Kommentar.
16.09.2021, 13 Uhr
Stephan Baier