„Das Gute siegt, auch wenn es schwach erscheint“

Ein dichtes Programm des Papstes zum Jahreswechsel. Massenandrang zum Heiligen Jahr blieb aus. Von Guido Horst
Foto: dpa | Papst Franziskus besuchte die Krippe auf dem Petersplatz in Rom.
Foto: dpa | Papst Franziskus besuchte die Krippe auf dem Petersplatz in Rom.

Rom (DT) Kalt und grau hat am vergangenen Freitag in Rom das Neue Jahr begonnen – zudem mit Smog-Alarm und der entsprechenden Einschränkung des innerstädtischen Verkehrs. Erst am Samstag setzte Regen ein und spülte, wie weiter im Norden in der noch stärker belasteten lombardischen Metropole Mailand, einen guten Teil des Feinstaubs aus der Luft hinunter auf den Boden. Doch es war wohl nicht die „dicke Luft“, die viele von einem Rombesuch abgehalten hat. Trotz des soeben erst eröffneten Heiligen Jahrs verzeichneten die Hotels und Pensionen zwischen Weihnachten und Neujahr weniger Gäste als im Vorjahr. Normale Touristen, so mutmaßen die Verantwortlichen der Hotelbranche, würde die Sorge vor Besuchermassen zum Heiligen Jahr von einer Rom-Visite abhalten – wobei die Massen an Heiligjahr-Pilgern allerdings ebenfalls ausgeblieben sind. Terrorangst, vor allem nach den Anschlägen von Paris, mag der hauptsächliche Grund sein – zumindest heißt es so in den Medien. Wie dem auch sei, Rom ist „zwischen den Feiertagen“ weder von Pilgern noch von Touristen überrannt worden. Was dann auch zur Folge hatte, dass die Veranstaltungen mit Papst Franziskus vor immer sehr übersichtlichem Publikum stattgefunden haben.

Davon aber gab es einige: Angefangen von einer Audienz für Jugendchöre – die „Pueri cantoris“ – am Silvestertag, der abendlichen Vesper im Petersdom mit dem Te Deum zum Jahresabschluss, über die zwei Gottesdienste am Neujahrstag mit der Eröffnung der Heilige Pforte am Abend in der Marienbasilika Santa Maria Maggiore bis hin zu den Gebeten des Engels der Herrn am Freitag und Sonntag. Das alte Jahr endete mit dem Allerheiligsten. Es wurde im Anschluss an die abendliche Vesper auf dem Altar ausgesetzt – zum Abschluss ertönte im Petersdom das feierliche „Te Deum“. Zuvor hatte Franziskus in seiner Predigt über Dank und Freude gesprochen, erinnerte aber auch mit Blick auf 2015 „an die vielen von Gewalt, Tod und unsäglichem Leiden gezeichneten Tage zahlreicher Unschuldiger, Flüchtlinge, Männer, Frauen und Kinder ohne festen Wohnsitz, Nahrung und Auskommen“, die man nicht vergessen dürfe. Aber auch große Gesten der Güte, der Liebe und der Solidarität hätten die Tage dieses Jahres erfüllt, auch wenn dies zu keiner Nachricht geworden sei, meinte der Papst mit Blick auf die Tatsache, dass gute Taten in der Regel keine Schlagzeilen wert sind. Diese Zeichen der Liebe „können und dürfen nicht durch die Anmaßung des Bösen verdunkelt werden“. Das Gute „siegt immer, auch wenn es in gewissen Momenten schwach und verborgen erscheinen kann“. Nach dem abschließenden eucharistischen Segen ging Franziskus im weißen Mantel und Schal zu Fuß zur Krippe auf dem Petersplatz. Es waren kalte Tage in Rom, die dort auf ihn wartende Menge war nicht übergroß.

Noch am Morgen des Silvestertags hatte der Papst in der Audienzhalle des Vatikans etwa sechstausend „Pueri cantores“ empfangen – Jungen und Mädchen, die in kirchlichen Chören singen. Deutschland war durch die Jugendkantorei am Eichstätter Dom vertreten, die am Tag zuvor ein ganz besonderes Konzert geben konnten: Die etwa vierzig Jugendlichen sangen unter der Leitung von Kapellmeister Christian Heiß weihnachtliche Werke im Studio von Radio Vatikan in den Vatikanischen Gärten vor dem emeritierten Papst Benedikt und seinem 91-jährigen Bruder Georg. Auf dem Programm stand auch das Lied „O du fröhliche“ nach einem Notensatz von Georg Ratzinger. „Sie haben uns Weihnachten neu ins Herz gesungen“, lobte der sichtlich berührte Benedikt XVI. die jugendlichen Sänger und die beiden Ratzingerbrüder applaudierten nach der musikalischen Darbietung lange. Benedikt trug den jungen Musikern auf: „Grüßen Sie mir Eichstätt.“

Bei der Audienz für die „Pueri cantores“ am nächsten Tag bekannte Papst Franziskus wie schon häufiger, dass das Singen nicht sein Ding sei. „Wenn ich singen würde, erschiene ich wie ein Esel, weil ich nicht singen kann“, sagte er am Donnerstagvormittag den jugendlichen Chorsängern in der „Sala Nervi“. Deshalb könne er auch nicht einwandfrei sprechen. Aber auch er – wie sein Vorgänger – höre jedoch sehr gerne Gesang und Musik.

Eichstätt war übrigens am nächsten Tag in Rom wieder präsent. Bei der Messe zum Hochfest der Gottesmutter Maria am 1. Januar im Petersdom führten drei Sternsinger aus dem Bistum die Prozession an, mit der man die Gaben zum Altar brachte. Mit Krone und Gewand als die Heiligen Drei Könige gekleidet überreichten sie Franziskus Wein und Brot für die Wandlung. Der Papst segnete die Gaben und sprach einige Worte mit den drei kleinen Königen, die viele jugendliche Mitsänger in Deutschland in Rom repräsentieren durften, weil das Bistum Eichstätt Ort der offiziellen Eröffnung der diesjährigen Sternsinger-Aktion ist.

Bei der Messe zum Hochfest der Gottesmutter stellte Franziskus die zentrale Rolle Marias für den Glauben heraus. Als „Mutter aller Glaubenden“ habe sie an die Worte des Engels geglaubt, habe den göttlichen Sohn empfangen und sei Mutter des Herrn geworden. Im gut besetzten Petersdom forderte er eine Welt, „in der jeder Mensch und jedes Geschöpf in Frieden leben kann, in der Harmonie der ursprünglichen Schöpfung Gottes“. Es gelte, „die Gleichgültigkeit zu überwinden, die die Solidarität vereitelt, und aus der falschen Neutralität herauszutreten, die das Miteinander-Teilen behindert“, so Franziskus.

Ebenfalls gut gefüllt war der Petersplatz zum Angelus am Neujahrstag. Die Gemeinschaft Sant'Egidio hatte zum römischen Marsch für den Frieden eingeladen, der auf dem Petersplatz endete. Am 1. Januar begeht die katholische Kirche neben dem Hochfest der Gottesmutter jeweils den Weltfriedenstag.

Am Freitagabend dann ein weiterer Gottesdienst, dem Franziskus vorstand, diesmal in der Marienbasilika Santa Maria Maggiore, wo der Papst die letzte der vier Heiligen Pforten in Rom eröffnete. Die in der Nähe des Hauptbahnhofs gelegene Marienkirche liegt Franziskus besonders am Herzen. Vor und nach jeder Auslandsreise begibt er sich dorthin, um vor der Marienikone „Salus populi Romani“ zu beten. „Wer immer über jene Schwelle schreitet, ist gerufen, voll Vertrauen und ohne irgendwelche Furcht in die barmherzige Liebe des Vaters einzutauchen“, sagte Franziskus in seiner Predigt. Diese Pilger könnten die Kirche mit der Zuversicht verlassen, „dass Maria sie an ihrer Seite begleitet“.

Siehe Dokumentation auf Seiten 5 und 6

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