Das Gebet ist entscheidend

Pfarrer Michael Scharf sieht in Missionsprojekten ein wertvolles Abenteuer in der Nachfolge Christi
Herr Pfarrer Scharf, Sie koordinierten viele Jahre die missionarischen Aktivitäten in der Erzdiözese Wien. Demnächst stehen in vielen Städten in Europa Stadtmissionen an. Gibt es Faktoren, die eine erfolgreiche Stadtmission garantieren oder ist so etwas immer auch eine Art Abenteuer?

Ich denke, Mission ist immer wieder ein Abenteuer in der Nachfolge Jesu Christi. Ein ganz entscheidender Faktor ist für mich aber das Gebet. Mission sollte als geistlicher Prozess gesehen werden, der im Gebet zu begleiten und vorzubereiten ist. Der Weg vor einer Stadtmission ist der entscheidende Weg, wo es entweder gelingt, Menschen mit auf den Weg zu nehmen und für missionarische Erfahrungen zu gewinnen, oder es eben nicht gelingt.

Für die Stadtmission in Wien 2003 betrug dieser Weg drei Jahre. Die Vorbereitungszeit für die kommenden Stadtmissionen ist deutlich kürzer. Ist die Zeit zu kurz, um wirklich nachhaltig zu wirken?

Aus einer Stadtmission kann immer etwas werden. Mission ist etwas Wertvolles und Gutes. Wenn man viel Zeit hat, dann wird vielleicht etwas anderes daraus, als wenn man weniger Zeit hat. Natürlich tun wir uns in Wien nun leichter, weil wir seit über zehn Jahren einen missionarischen Weg gehen und jedes Jahr Missionswochen in verschiedenen Diözesangebieten haben. Ein Schlüssel war für mich aber auch, Menschen einzuladen, die bereits missionarische Erfahrungen gesammelt haben, und die uns dann unterstützt, begleitet und geholfen haben. Oft ist es ja so, dass der Prophet im eigenen Land wenig gilt. Umso mehr waren die kritischen Rückfragen damals aus den Partnerstädten Wiens – unsere Stadtmission war ein internationales Projekt, an dem fünf europäische Hauptstädte beteiligt waren – sehr hilfreich. Stützt man sich nur auf eigene Strukturen, besteht oft die Gefahr, Herausforderungen größer zu sehen als die Chancen. So aber hatten wir jemanden, der uns von außen sagte, worum es wirklich geht – nämlich um Christus.

Ist Mission ein Prozess, der über die Jahre hinweg an Wirkungskraft dazugewinnt oder kann man bereits in sehr kurzer Zeit einen großen Effekt erkennen?

Ich glaube, dass es für einzelne Menschen immer einen unmittelbaren Effekt hat. Man begibt sich ja in die Nachfolge Christi und tritt als Missionar mit Menschen in Kontakt. Was es längerfristig schon gibt, ist aber eine Art Schneeballeffekt: Dass Andere sagen, das könnten wir doch auch tun, weil es uns gut getan hat. Bei vielen Aktivitäten, die wir jährlich machen, haben wir klein angefangen. Wo früher drei Pfarreien begonnen haben, sind mittlerweile zwanzig Pfarreien beteiligt. Es besteht schon eine große Zurückhaltung. Man will erst abwarten, wie es wird.

Verändert die missionarische Tätigkeit die Arbeit in den Pfarreien nachhaltig oder bleibt beispielsweise eine von Ihnen veranstaltete Kontaktwoche im Erzbistum nur punktuell wirksam?

Beides trifft zu. Es ist teilweise punktuell, weil ich einem besonderen Menschen in diesem Moment begegne und danach vermutlich nie wieder sehe. Es verändert sich aber auch das Denken und Arbeiten in den Pfarreien, die regelmäßig mitmachen. Man gewinnt einen Blick für Orte, wo Kirche nicht mehr präsent ist. Man bekommt einen Blick für die Nöte der Menschen, die noch nicht von selbst in die Kirche drängen. Man entdeckt dann, wie man Zeugnis geben kann von der Hoffnung, die mich erfüllt. Man kann wachsen darin, wenn ich von meinen Erfahrungen mit Jesus Christus erzähle. DT/clm

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