ABC des katholischen Lebens

Der eine Gott in drei Personen

Die Dreifaltigkeit ist die logische Konsequenz der offenbarten Wahrheit im Evangelium. Auch wenn sie Nicht-Christen als verrückt und als Skandal erscheint. Das Bekenntnis zum lebendigen Gott.
Dreifaltigkeit
Foto: Tyler Orsburn (KNA) | Darstellung der Dreifaltigkeit - Sohn, Heiliger Geist und Vater - in der Basilika National Shrine of the Immaculate Conception in Washington am 13. Juli 2017.

„Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn.“ Mit diesem Bekenntnis des Petrus beginnt alle christliche Theologie, aber sie endet nicht damit. Denn ganz natürlich stellt sich im Anschluss die Frage: Wie ist das möglich?

Wir, die wir in der Tradition dieser Aussage aufgewachsen sind, mag der ungeheure Skandal, der in ihr steckt, nicht mehr verständlich sein. Doch der Islam etwa lehnt den Gedanken einer solchen Gottes-Sohnschaft als unwürdig ab und sieht dadurch den Glauben an den einen Gott gefährdet. „Gott ist doch ein einziger Gott. Gepriesen sei Er und erhaben darüber, dass Er ein Kind habe“, heißt es im Koran, in einer der vielen Stellen, die gegen die christliche Lehre polemisieren.

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Kern des Evangeliums

Wer aber das Evangelium ernst nimmt, landet am Ende beim Glauben an die Dreifaltigkeit. Der Kern des Evangeliums ist die Erlösung durch Jesus Christus. Diese Erlösung ist aber nur möglich, wenn Christus tatsächlich Gott ist. Wäre er nur eines der Geschöpfe, wie hätte sein Opfer die Versöhnung mit Gott bewirken können?

Es war der Kirchenvater Athanasius, der diesen fundamentalen Gedanken im vierten Jahrhundert in die Debatte um die Trinität einbrachte: „Was für eine Hilfe hätten ähnliche Wesen von ihresgleichen erwarten können, wenn doch auch sie derselben Hilfe bedurften?

Wie aber vermochte das Wort, wenn es ein Geschöpf war, das Urteil Gottes aufzuheben und die Sünden nachzulassen, da doch geschrieben steht bei den Propheten, dass dies Sache Gottes ist? […] Der Sohn, der euch frei gemacht hat, hat in Wahrheit gezeigt, dass er kein Geschöpf ist, sondern das eigene Wort und Bild der Substanz des Vaters, der auch im Anfang das Urteil gesprochen hat und allein die Sünden nachlässt.“

 

 

Wesenseinheit von Vater, Sohn und Geist

Diese Position fand schließlich Einzug in unser Glaubensbekenntnis, in dem wir in Bezug auf den Sohn bezeugen: „Aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht von Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater.“

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Der Gedanke der Wesenseinheit gilt auch für den Dritten im Bunde, den Heiligen Geist, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht. Versteht man den Vater als Schöpfer und Gesetzgeber am Anfang der Zeit, den Sohn als Erlöser in der Mitte der Zeit, so leitet der Geist die Kirche nach Christi Himmelfahrt in die Zukunft.

Auch hier ist die Wesenseinheit von entscheidender Wichtigkeit. So wie der Sohn die Menschheit nur erlösen konnte, weil er eines Wesens mit dem Vater war, so kann der Geist die Kirche Christi nur leiten, weil er eines Wesens mit dem Sohn (und dem Vater) ist. „Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ (Johannes 14,26)

Nie im Widerspruch

Der Heilige Geist schenkt somit keine neue Offenbarung, noch kann er jemals etwas lehren, was zur Lehre des Sohns im Widerspruch steht. Er wurde gesandt, um uns, die wir nicht mehr in der unmittelbaren Präsenz Christi leben, beizustehen, indem er uns an seine Lehren erinnert und uns bei ihrer weiteren Entfaltung unterstützt.

Die Wesenseinheit der drei ist aber nicht nur für das Verständnis ihrer jeweiligen Rolle von Bedeutung, sondern auch, um dem Vorwurf der Vielgötterei zu entgehen. Als Christen glauben wir nicht an drei Götter, sondern an den einen Gott, dessen wahres Wesen sich in den drei Personen der Dreifaltigkeit offenbart. Deshalb erklärte der Heilige Thomas von Aquin mit Recht: „Der christliche Glaube besteht vorrangig im Bekenntnis der Heiligen Dreifaltigkeit.“

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