Würzburg

Exercitium: "Es werden nicht nur Frauen schwanger"

Die Handreichung "Als Mann und Frau schuf er sie" der Kongregation für das Katholische Bildungswesen atmet den Geist wahrer Menschlichkeit im Gegensatz zu dubiosen Hormonbehandlungen.

Frauen bekommen Kinder: Der Vatikan argumentiert in einer neuen Handreichung rein menschlich. Foto: pixabay

Viele Menschen, und nicht nur die Katholiken, haben in diesen Tagen Grund, dem Vatikan dankbar zu sein. In einer zunehmend stickigen Atmosphäre, in der abweichende Meinungen zu diversen Gender-Lehren etwa für Professoren an amerikanischen Universitäten zu Entlassungen führen können, kommt aus Rom ein klares Wort, das bald für manchen einen unmittelbaren Schutz bedeuten kann. Ich spreche von der Schrift „Als Mann und Frau schuf er sie“, veröffentlicht von der Kongregation für das Katholische Bildungswesen (ich lese sie bisher nur in der englischsprachigen Version „Male and female He created them. Towards a path of dialogue on the question of gender theory in education“). Sie ist eine große Hilfe und im Ton keineswegs eifernd.

Die Unterschiede der katholischen gegenüber der derzeit weithin herrschenden Auffassung werden in ihren philosophischen Grundlagen deutlich. Wer von zwei Geschlechtern spricht, von Mann und Frau, der geht von den Tatsachen des Lebens und der Fortpflanzung aus. Sagen wir: Von einer Anthropologie. Und immer wird es merkwürdig bleiben, wie im Lauf eines halben Jahrhunderts diese Tatsachen in den Bereich des kaum noch Sagbaren geraten konnten. Ein nicht nur kurioser Fall ist jener der Gender-Aktivistin Annika Spahn, die neulich auf Facebook ihre Mit-Feministinnen ermahnte: „Könnt ihr eventuell auch von ,schwangeren Personen‘ statt ,werdenden Müttern‘ sprechen? Es werden nicht nur Frauen schwanger.“

Vatikan kritisiert den Behaviourismus

Das vatikanische Dokument macht die amerikanische Lehre des „Behaviourismus“ als eine der Ursachen der Verirrung namhaft. Diese Lehre ging von der unendlichen Erziehbarkeit (und Umerziehbarkeit) des Menschen aus, insofern war sie die radikalste Aufklärung, die man sich vorstellen konnte. Man verstand, so sagt es nun das katholische Dokument, die Geschlechterdifferenzierung rein soziologisch, man akzentuierte immer wieder die Rolle der „Konditionierung“ durch die gesellschaftliche Umwelt. Am Ende kam man zu dem Resultat, die Geschlechtsidentität sei eher ein „soziales Konstrukt“ als eine Tatsache, die irgendetwas mit Natur oder Biologie zu tun haben könne. Wie die Nation sich einst von der Kolonialmacht unabhängig machte, so kann sich nun jeder amerikanische Bürger seine eigene Unabhängigkeitserklärung geben und fortan als ein anderer, neuer gelten wollen.

An sich würde man es am liebsten mit dem Alten Fritz halten: Soll doch jeder nach seiner Façon selig werden. Aber man wird in den Konflikt hineingezwungen, und man muss Farbe bekennen, wenn man liest, wie schon Minderjährigen Hormonbehandlungen angeboten werden: In Boston gab man einem Fünfzehnjährigen, der sich in seiner biologischen Identität nicht wohlfühlte, Pubertätsblocker und Östrogen, (ich zitiere nach vox.com vom 22. Oktober 2018: „It's okay to let your transgender kid transition — even if they might change their mind in the future“). Das alles sei später auch wieder reversibel, behaupten die Anwälte solcher Horror-Medizin; ich habe da meine Zweifel. Jeder weiß, dass in so jungem Alter die gefühlte Geschlechtsidentität noch gelegentlich schwanken kann; jeder kennt „Tomboy“-Mädchen, die lieber auf Bäume klettern oder Fußball spielen als sich noch mit Puppen zu beschäftigen. Aber gerade solche Menschen werden in einem sensiblen Lebensalter durch die Gender-Ideologie festgelegt und festgebunden, es wird ihnen suggeriert, dass auch sie sich „umwandeln“ können. Die Gender-Umwandlungs-Lehre ist eine Super-Technokratie „mit menschlichem Antlitz“. Das vatikanische Dokument atmet den Geist wahrer Menschlichkeit.