Würzburg

Den Weg des Johannes gehen

Ohne Kreuz gibt es keine Auferstehung. Ohne Karfreitag gibt es kein Ostern.

Coronavirus - Palmsonntag im Eichsfeld
Es führt kein Weg am Kreuz vorbei. Foto: Swen Pförtner (ZB)

Wer ignatianische Exerzitien macht, so ist es vorgesehen, soll auch die Kreuzigung des Herrn betend und meditierend betrachten. Ignatius sagt, man solle bunte Bilder sehen und die biblischen Szenen verkosten. Doch wohl niemandem wird es einleuchten, wie man das erschreckende Geheimnis der Kreuzigung des Herrn verkosten soll. 

In der Betrachtung unter dem Kreuz stehen

Darum rät der Exerzitienmeister, man solle sich unters Kreuz stellen. Es geht nicht ums Tun. Da kann man ohnehin nichts „machen“. Die Apostel sind verschwunden. Allein Johannes, der jüngste unter den Aposteln, steht am Ende,mit Maria und Maria von Magdala unterm Kreuz. Johannes ist der einzige Apostel, der den Weg des Herrn ganz bis ans Ende mitgeht. 
Das ist es, was von uns verlangt wird, nicht nur in Exerzitien. Den Weg mit dem Herrn ganz mitgehen. Ohne Karfreitag kein Ostern. Ohne Kreuz keine Auferstehung. Die Liturgie des Karfreitags ist in diesem Jahr verborgen. Die vertrauten Formen fehlen. So bleibt nur im Geiste den Weg des Johannes selber zu gehen. Ob es ein Kreuzweg allein oder in der Familie ist, ein Rosenkranz, eine Betrachtung des Evangeliums oder eine Andacht der sieben Worte Jesu am Kreuz, das ist nicht entscheidend. Entscheidend ist es, den Weg ganz zu gehen.

Den ganzen Weg gehen

Wer den Weg mitgeht und sich betend und betrachtend neben den Apostel Johannes und die Mutter des Herrn stellt, betrachtet das größte Geheimnis des ganzen Kosmos: Wie der Schöpfer um des Lebens der Geschöpfe willen die ganze Last der Schöpfung, die Sünde der Welt, auf sich nimmt und dafür stirbt. Niemand kann das tiefer erfasst haben als Johannes, der es gesehen und bezeugt hat und dessen Zeugnis wahr ist. Sein ganzes Leben ist das Zeugnis von dieser Wahrheit, vor der er nicht davon gelaufen ist. Doch er behält es nicht für sich. Er teilt es in der ganzen Tiefe. 

Und da er vor dem Geheimnis des Kreuzes die Augen nicht verschlossen hat, gehen ihm Ostern die Augen schneller auf. Es ist Johannes, der Petrus im Boot auf dem See aufklärt, als sie den Auferstandenen sehen: Es ist der Herr! Wer den ganzen Weg geht, sieht klarer.

 

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