Kairo

Credo: Religionsunterricht, wenn Muslime beten!

Was machen orientalische Christen am Freitag, während die Muslime beten? Sie lernen, vertiefen und festigen ihren Glauben.

Freitagsgebet im Fastenmonat Ramadan
Während die Muslime in Ägypten freitags in die Moschee gehen, nutzen die Christen die freien Stunden, um ihren eigenen Glauben zu vertiefen. Foto: dpa

Auch in Deutschland werden es viele Mitbürger wissen; der Freitag ist der „Feiertag“ der Muslime. Korrekt sollte man sagen: Der Freitag ist im muslimischen Glauben der „Youm al Gumaa“, der „Tag der Versammlung“. An diesem Tag versammeln sich gläubige Muslime zum Hören der Predigt eines Gemeindevorstehers und zum gemeinsamen Mittagsgebet. In vielen Ländern ist er offiziell auch ein Feiertag, das heißt, die staatlichen Einrichtungen, aber auch viele Geschäfte bleiben geschlossen. Nach dem Mittagsgebet ist freilich auch Zeit zur familiären Begegnung, zum Feiern, und eben auch zum Einkaufen, denn in den meisten orientalischen Ländern gibt es keine staatlich kontrollierten Öffnungszeiten.

Doch was machen die Nichtmuslime an diesem Tag? Da der Freitag eine Art Feiertag ist, haben die Christen an diesem Tag ebenso frei. Bleiben sie also zuhause?

Nein! Während Muslime beten, lernen die orientalischen Christen, vertiefen und festigen ihren Glauben!

Ich rate jedem Besucher in Kairo, am Freitagmorgen einmal in das sogenannte „christliche beziehungsweise koptische Viertel“ zu gehen. Schon in der Früh ist dort viel los, und um etwa 10 Uhr finden in fast allen Kirchen Heilige Messen statt. Und ebenso wichtig ist die Zeit nach den Messfeiern. In den Kirchen hängen große Flachbildschirme. Nach der Heiligen Messe bleiben besonders Kinder und Jugendliche noch weitere Stunden in der Kirche, um mehr über ihren Glauben zu erfahren. Mit Hilfe moderner Technik, durch Videos von Filmen über das Leben Jesu oder das Leben der Heiligen, über Fragen des Glaubens und der Moral, helfen die Priester und ehrenamtliche Katecheten, die Glaubensweitergabe lebendig zu gestalten. Oder man nimmt sich Zeit, neue und traditionelle Gesänge einzuüben, um somit besser bei den Messfeiern teilnehmen zu können. Glaubensweitergabe, das Weiterreichen dessen, was man in der Tradition der Kirche als Schatz von Gott geschenkt bekommen hat, ist für die Christen des Nahen Ostens von grundlegender Bedeutung. Auch hier im Orient fragen sich die Christen nach der Zukunft ihrer Kirche und der Bedeutung des Christentums angesichts einer immer größer werdenden Bedrängnis durch Nichtchristen. Ihre Antwort liegt in der Tradition! Oft hören gerade Jugendliche von denen, die um des Glaubens Willen, also letztlich: Christi Willen, ihr Leben hingegeben haben. Aber die Katecheten machen auch immer wieder deutlich, dass auch von innerhalb der Kirche und in der Seele des Menschen die Neigung besteht, es sich „leichter zu machen“. Nach außen, gegenüber den Feinden des Christentums, mag es einfach sein, seinen Glauben nicht zu zeigen oder einfach nichts zu sagen. Dass dies Feigheit ist und dem Verrat Jesu durch Judas gleichkommt; dies zumindest wird deutlich gesagt. Ebenso ist die „Bedrohung von Innen“ immer wieder Thema; die moralischen Vorstellungen könnte man ja anpassen, wir leben doch in einer modernen Zeit?! Die Lehrer der Religion, die Katecheten, die ihre freie Zeit am Freitag opfern, um den Glauben weiterzureichen, würden hier keine Aufweichung des Glaubens und der Moral dulden. Und irgendwie wollen das die Gläubigen auch nicht. Der Glaube ist den Christen des Nahen Ostens Rüstzeug für den Alltag. Märtyrer wie die 21 Männer, die um ihres Glaubens willen in Libyen hingeschlachtet wurden, sind stärker als jede Tendenz zur Lauheit und Gleichgültigkeit. Christen im Orient; für uns Lehrer des Glaubens?

Die Kolumne erscheint zur EWTN-Reihe: „Geht in alle Welt! Christen im Nahen Osten und der missionarische Geist der Kirche“.