Credo: Mission im Gegenwind

Auf eine Studie, nach der im Jahre 2060 die Christenheit in Deutschland von derzeit 44,8 Millionen auf 22,7 Millionen sinken wird, reagierte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Marx; er sieht in der Studie einen „Aufruf zur Mission“. Freilich kann auch er kein Rezept geben, welcher Art diese Mission sei. Vor fast zwei Jahren legte der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer, die Statistik der katholischen Kirche des Jahres 2016 vor. Der optimistischen Überschrift eines Berichts darüber in „domradio.de“ („Erneut weniger Austritte“) folgt die ernüchternde Analyse von P. Langendörfer: „Wir werden weniger, aber wir verlieren nicht unsere Aufgabe und unsere Anliegen... Ich wünsche mir, dass wir mit den heute vorgelegten Zahlen und Wirklichkeiten entschlossen umgehen, um an einer Kirche zu bauen, die menschendienlich ist und ihren Grundauftrag nicht vergisst. Daran werden wir uns messen lassen.“

So wird nun, besonders auch in diesem Jahr, tüchtig „an der Kirche gebaut“. Umstrukturierung, Reform der Kurie des Vatikan, Diskussion um „Fortschreibung kirchlicher Morallehre“, endlich eine Anpassung an die Realität der Welt von Heute; dies und vieles Andere wird gestartet. Die Kirche soll „menschendienlich“ sein. Und vom „Grundauftrag“ der Kirche wird gesprochen. Aber genau hier muss ein Fragezeichen gesetzt werden.

„Die Kirche ist gleichsam das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott und für die Einheit des ganzen Menschengeschlechts (Lumen gentium 1). Das erste Ziel der Kirche ist, das Sakrament der tiefen Vereinigung der Menschen mit Gott zu sein“ (Katechismus der Katholischen Kirche, 775). Dabei geht die Kirche keinen „Sonderweg“ und passt sich nicht der Welt an, um ihr zu gefallen und Mitglieder zu behalten. Das ist bereits biblische Erfahrung der Missionare. Ablehnung gehört zur Grundstruktur der Mission, nicht Anpassung (Vgl. Lk 9,5).

Mission beginnt mit der Verkündigung des Evangeliums. Und die Botschaft dieses Evangeliums ist: Wenn wir mit Christus gestorben sind, werden wir auch mit ihm leben! (Vgl. Röm 6). Christliche Gemeinden sind „Zeichen der Gegenwart Gottes“ (Ad gentes 15), sie führen über die niemals selbst zu lösenden Probleme dieser Welt in die Freiheit der Kinder Gottes.

Wahlaufrufe sind nicht die Sache der Kirche. Weltgestaltung ist nicht Sache der Kirche; sie wird sich vielmehr darum kümmern, was DANACH kommt. Und dies wird von den Menschen heute ersehnt.

Hier im Nahen Osten ist es klar: Diese Welt kann nicht unter „christlichen Prinzipien“ gestaltet werden. Aber ebenso wissen die Christen: Wenn immer wir missionieren (was uns eigentlich verboten ist!), können wir von der Liebe Gottes Zeugnis geben, die über den Tod hinaus wirkt. Christen des Nahen Ostens schauen voller Sorge auf uns, die wir in Europa um unseren „Bestand“ besorgt sind. Sie sehen voll Unverständnis auf unsere Versuche, alles irgendwie in eins zu setzen. Wenn sie hören, alle Religionen seien von Gott gewollt, kommen sie und fragen mich, was ICH denn glaube. Und: Ob ich denn überhaupt glaube! Hat Christus die Welt erlöst, oder war das eh egal? Ist er der Herr der Welt, der „kommen wird, zu richten die Lebenden und die Toten“, oder ist ohnedies jeder gerettet? Die Christen des Nahen Ostens sind uns Vorbild! Wir Katholiken sollten viel von Ihnen lernen.

Die Kolumne erscheint zur EWTN-Reihe: „Geht in alle Welt! Christen im Nahen Osten und der missionarische Geist der Kirche“