Kairo

Credo: Die Sache Jesu braucht Streiter

Christen im Nahen Osten sind keine "Duckmäuser", denn die Sache Jesu braucht nicht nur Begeisterte, sondern auch Streiter.

Christen im Nahen Osten und der missionarische Geist der Kirche
Auch in Ländern, in denen es für Christen nicht ungefährlich ist, ihren Glauben zu bekennen, wie etwa hier in Ägypten, findet Jesus einen Weg, um sich den Menschen als Retter zu offenbaren. Foto: dpa

Oft werde ich gefragt, unter welchen Bedingungen man in Ägypten denn überhaupt Christ sein könne. Gibt es dort Kirchen? Treffen sich die Christen heimlich? Darf man dort ein Kreuz öffentlich zeigen? Meine Antwort ist verblüffend: Die einzige Bedingung, unter der man in Ägypten Christ sein kann ist, missionarisch zu sein! Und dies trifft nicht nur auf Länder zu, in denen Christen Minderheit sind. Das in die Welt zu tragen, von dem man zutiefst überzeugt ist, ist nur logische Konsequenz. Es ist die Frohe Botschaft von der durch Christus in seinem Kreuzesopfer geschehenen Erlösung. Innerster Wunsch eines Christus-liebenden Herzens ist die missionarische Verkündigung dieser Liebe in die Welt hinein.

Die Enzyklika „Mystici corporis“ der Dieners Christi Papst Pius XII. (1943) drückt dies mit folgenden Worten aus: „Alle und jeden laden wir mit liebendem Herzen ein, der göttlichen Gnade freudig zu entsprechen und sich aus der eigenen Lage zu befreien, in der sie des eigenen ewigen Heils nicht sicher sein können... Denn mögen sie auch aus unbewusstem Sehnen und Wünschen heraus schon in Beziehung stehen zum mystischen Leib des Erlösers, so entbehren sie doch so vieler wirksamer Gnaden und Hilfen, deren man sich nur in der katholischen Kirche erfreuen kann. Möchten sie also eintreten in die katholische Einheit und mit uns geeint, an das eine Haupt sich wenden. ... In unablässigem Flehen zum Geist der Liebe und der Wahrheit erwarten wir sie mit ausgebreiteten Armen, nicht als Fremde, sondern als Kinder, die heimkehren ins Vaterhaus.“

Missionarische Kraft ist mit Händen zu greifen

Ein einfacher Katholik in Ägypten erklärte mir einmal sinngemäß, man müsse den Nichtchristen helfen, die Wahrheit zu sehen und zu finden; mit unendlicher Liebe und unendlicher Geduld. Es ist eben dieser missionarische Geist, der die Christen des Nahen Ostens, gleich welcher Konfession, am Leben hält. Christen im Nahen Osten sind keine „Duckmäuser“, sondern Streiter für die „Sache Gottes“. Das einst oft in „jugendgemäßen Messfeiern“ gesungene Lied „Die Sache Jesu braucht Begeisterte“ gewinnt in Ägypten, Syrien, Jordanien, im Libanon und anderen Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas zunehmend an Bedeutung. Die missionarische Kraft ist dort mit Händen zu greifen. Hunderte von nahöstlichen Konvertiten aus nichtchristlichen Religionen sind dafür lebendige Zeugen. „Wir haben endlich den HERRN gefunden“ ist dabei der dankbare Ruf der Neugetauften. Religionsfreiheit ist auch die Freiheit zur Suche nach der Wahrheit. Und auch die katholische Kirche in Deutschland täte gut daran, diesen „missionarischen Geist“ neu zu entfachen, um nicht in die Bedeutungslosigkeit zu versinken.

Wenn mir Menschen sagen: Mission ist doch in den muslimischen Staaten verboten, so haben sie grundsätzlich recht. Doch das „Zeugnis eines Christen“ können kein Mensch und kein Staat verbieten. Man orientiere sich nur am 2 Tim 4; einem Text zum furchtlosen Bekenntnis, den sich auch mancher in Europa zu Eigen machen müsste.

Die 13-teilige Sendereihe „Geht in alle Welt! Christen im Nahen Osten und der missionarische Geist der Kirche“ wird weiterhin in EWTN.de zu sehen und später auch im Internet abrufbar sein. Wir sind zwar „katholische Kirche in Deutschland“, aber nicht die „deutsche (katholische) Kirche“. Ich wünsche, dass es uns gelingt, immer katholischer zu werden. Und den Blick zu heben zu unseren Schwestern und Brüdern im Orient.

Die Kolumne erscheint zur EWTN-Reihe „Geht in alle Welt! Christen im Nahen Osten und der missionarische Geist der Kirche“.