Kairo

Credo: Bischöfe und Priester - Väter im Glauben

Die Christen in Ägypten trauern um ihren "Abuna", Bischof Adel Zaki. Sein Tod ist ein dramatischer Einschnitt. Die Christen im Orient wollen wissen, warum sie Christen und nicht Muslime sind.

Ein koptischer Priester steht der heiligen Liturgie vor.
Ein koptischer Priester steht der heiligen Liturgie vor. Foto: Wolfgang Radtke

Am 21. Juli verstarb nach schwerer Krankheit der Apostolische Vikar der Lateinischen Christen in Ägypten, Bischof Adel Zaki. In Ägypten leben etwa 240 000 mit Rom unierte Christen, die meisten gehören der koptisch-katholischen Kirche an. Eine recht kleine Gruppe gehört der Gruppe an, die bei uns Deutschen „Römisch-Katholisch“, im Orient „Lateiner“ genannt werden. Für uns „Lateiner“ gibt es zwar einen Bischof, jedoch kein Bistum. Zwischen zehn- bis fünfzehntausend römisch-katholische Christen also haben ihren eigenen Bischof. Etwa 30 Pfarreien werden zumeist von Ordensgeistlichen betreut.

Der Tod von Bischof Adel Zaki bedeutet einen dramatischen Einschnitt. „Wir haben unseren Vater verloren“, hörte man während dem Requiem immer wieder laut rufen. „Vater, wo bist Du?“ – diese Frage wird zwar voll Zuversicht von den Gläubigen beantwortet, aber: auf irdische Weise ist er nicht mehr da. Die mit Rom unierten Kopten bilden die größte Gruppe der Katholiken, also der Christen, die den Papst in Rom anerkennen und damit in der „einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche“ beheimatet sind. In sieben Bistümern werden durch etwa 250 Priester circa 166 000 Katholiken betreut. Auch in den kleinen Bistümern ist „Vater Bischof“ immer präsent. Er kann stets angesprochen werden, man holt sich Rat und Weisung. Der Bischof ist in gewisser Weise das „Gemeindezentrum“ und folgt damit dem Wort Jesu „Wer Euch hört, der hört mich“ (Lk 10,16). Im Orient will man, gerade als Minderheit, den Glauben genau kennen. Man muss sich immer und immer wieder erklären, warum man Christ (und nicht Muslim) ist.

Das Glaubenswissen zu vermitteln ist erste Aufgabe des Bischofs und der von ihm beauftragten Priester und Diakone. Der Priester vor Ort genießt große Hochachtung. Er wird „Abuna“, Vater, genannt. In der orientalischen Gesellschaft sucht man, besonders im ländlichen Bereich, auch heute noch die Weisung der Ältesten. Zum Bischof oder Priester gehen ist nicht etwas Außergewöhnliches, und so geschieht es häufig, dass die Geistlichen täglich mehrere Stunden den Gläubigen Rat geben. Es gibt eben etwa keine „autonome Moral“, keine Entscheidung nach eigenen Vorstellungen, sondern es gibt – Gott sei Dank! – klare Aussagen der Kirche zu fast allen Fragen des sozialen und sittlichen Lebens.

Und dabei gehen Priester und Bischöfe keinen leichten Weg. Immer wieder erklären sie besonders den Jugendlichen, was es mit dem Glauben der Kirche und dem aus dem Glauben gestalteten Leben auf sich hat. Sie lehren die kirchliche Glaubenstradition und beantworten konkrete Fragen eben im Lichte dieser Lehre. Auch wenn die letzte Instanz des Menschen bei seinen Entscheidungen das Gewissen ist; der Bischof als „oberster Lehrer“ verkündet treu, was in der Kirche schon immer und überall verkündet worden ist. Diese Treue schweißt die kleine Zahl der Christen im Nahen Osten zusammen. Zusammen mit den so genannten orthodoxen Kopten und anderen Konfessionen stehen sie auf dem Fundament der Apostel, deren Nachfolger die Bischöfe sind.

Ich bin sehr froh, in dieser Weise die Kirche zu erleben. Der Wind weht den orientalischen Christen sehr stark ins Gesicht, sie leiden oftmals unter Bedrängnis, auf alle Fälle unter Verachtung. Da ist es gut, Orientierung vom Bischof und seinen Mitarbeitern zu bekommen, Orientierung durch den authentischen Glauben der Kirche. Es wäre schön, wenn das auf der ganzen Erde so sein könnte...

Die Kolumne erscheint zur EWTN-Reihe:
„Geht in alle Welt! Christen im Nahen Osten und der missionarische Geist der Kirche“.
Weitere Infos unter www.ewtn.de.