Christus von Herz zu Herz begegnen

Ansprache des Heiligen Vaters beim Angelus – Papst würdigt den seligen Josef Mayr-Nusser – 19. März 2017

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Das Evangelium des heutigen dritten Fastensonntags legt uns das Gespräch Jesu mit der Samariterin vor (vgl. Joh 4, 5–42). Zu der Begegnung kam es, während Jesus den Weg durch Samarien nahm, einer Region zwischen Judäa und Galiläa, in der Menschen wohnten, die von den Juden verachtet wurden, weil sie sie für Ungläubige und Häretiker hielten. Doch gerade diese Bevölkerung wird eine der ersten sein, die die christliche Verkündigung der Apostel annimmt. Während die Jünger in den Ort gehen, um etwas zum Essen zu kaufen, bleibt Jesus bei einem Brunnen und bittet eine Frau, die gekommen war, um Wasser zu schöpfen, ihm etwas zu trinken zu geben. Und aus dieser Bitte entwickelt sich ein Gespräch. „Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten?“ Jesus antwortet: Wenn du wüsstest, wer ich bin und welche Gabe ich für dich habe, würdest du mich bitten, und ich würde dir „lebendiges Wasser“ geben, Wasser, das jeden Durst stillt, und im Herzen dessen, der es trinkt, zu einer unerschöpflichen Quelle wird (vgl. V. 10–14).

Zum Brunnen zu gehen, um Wasser zu schöpfen, ist mühsam und lästig; es wäre schön, eine sprudelnde Quelle zur Verfügung zu haben! Doch Jesus spricht von einem anderen Wasser. Als die Frau merkt, dass der Mann, mit dem sie spricht, ein Prophet ist, vertraut sie ihm ihr Leben an und stellt ihm Fragen zum Glauben. Ihr Verlangen nach Liebe und einem erfüllten Leben ist durch die fünf Männer, die sie hatte, nicht befriedigt worden, sie ist vielmehr enttäuscht und betrogen worden. Daher ist die Frau von dem großen Respekt beeindruckt, den Jesus ihr entgegenbringt, und als Er vom wahren Glauben als von der Beziehung zu Gott, dem Vater, „im Geist und in der Wahrheit“ spricht, da erfasst sie, dass jener Mann der Messias sein könnte, und Jesus – etwas sehr Seltenes – bestätigt dies: „Ich bin es, ich, der mit dir spricht“ (V. 26). Einer Frau, die ein so ungeordnetes Leben hat, sagt er, dass er der Messias ist.

Liebe Brüder und Schwestern, das Wasser, das ewiges Leben schenkt, ist am Tag unserer Taufe in unsere Herzen ausgegossen worden; an diesem Tag hat Gott uns verwandelt und mit seiner Gnade erfüllt. Doch es kann sein, dass wir dieses große Geschenk vergessen oder auf ein reines Datum in unserem Leben reduziert haben; und möglicherweise sind wir auf der Suche nach „Brunnen“, deren Wasser unseren Durst nicht stillen können. Wenn wir das wahre Wasser vergessen, machen wir uns auf die Suche nach Brunnen, deren Wasser nicht sauber ist. Dieses Evangelium richtet sich also besonders an uns! Nicht nur an die Samariterin, an uns. Jesus spricht zu uns wie zu der Samariterin. Gewiss, wir kennen ihn schon, aber vielleicht sind wir ihm noch nicht persönlich begegnet. Wir wissen, wer Jesus ist, aber vielleicht sind wir ihm noch nicht persönlich begegnet, haben noch nicht mit ihm gesprochen und ihn noch nicht als unseren Erlöser erkannt. Die Fastenzeit ist eine gute Gelegenheit, uns ihm zu nähern, ihm im Gebet in einem Dialog von Herz zu Herz zu begegnen, mit ihm zu sprechen, ihm zuzuhören; sie ist eine gute Gelegenheit, um sein Antlitz auch im Antlitz eines Bruders oder einer Schwester in Not zu sehen. Auf diese Weise können wir in uns die Taufgnade erneuern, unseren Durst an der Quelle des Wortes Gottes und seines Heiligen Geistes stillen; und so auch die Freude entdecken, im täglichen Leben Stifter der Versöhnung und Werkzeuge des Friedens zu werden.

Die Jungfrau Maria helfe uns, stets aus der Gnade zu schöpfen, aus jenem Wasser, das aus dem Felsen, aus Christus, dem Erlöser, hervorsprudelt, damit wir voller Überzeugung unseren Glauben bekennen und voller Freude die Wunder der Liebe des barmherzigen Gottes verkünden können, der die Quelle alles Guten ist.

Nach dem Gebet des Angelus und vor den Grüßen an verschiedene Gruppen auf dem Petersplatz sagte der Papst:

Liebe Brüder und Schwestern!

Ich möchte die Bevölkerung von Peru meiner Nähe versichern, die schwer von verheerenden Überschwemmungen getroffen wurde. Ich bete für die Opfer und für alle, die sich dafür einsetzen, Hilfe zu leisten.

Gestern wurde in Bozen der Familienvater und Exponent der „Azione cattolica“ Josef Mayr-Nusser seliggesprochen, der als Märtyrer gestorben ist, weil er sich aus Treue zum Evangelium geweigert hat, sich dem Nationalsozialismus anzuschließen. Aufgrund seines hohen moralischen und geistlichen Niveaus stellt er ein Vorbild für die gläubigen Laien dar, vor allem für die Väter, an die wir heute mit großer Zuneigung denken, auch wenn der liturgische Festtag des heiligen Josef morgen begangen wird, weil heute Sonntag ist. Grüßen wir alle Väter mit einem großen Applaus.

Übersetzung aus dem Italienischen von Claudia Reimüller

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