Bozen muss Schadenersatz zahlen

Rom (DT/KNA) Die Diözese Bozen-Brixen sowie eine Pfarrei in Bozen sind vom dortigen Landesgericht zu 700 000 Euro Schadenersatz an ein Missbrauchsopfer und dessen Eltern verurteilt wurden. Es ist das erste Mal, dass ein italienisches Bistum zu einer solchen Zahlung verurteilt wurde, wie die Tageszeitung „Corriere della Sera“ (Mittwoch) unter Berufung auf die nationale Bischofskonferenz berichtet. Die Richter sahen als erwiesen an, dass das Bistum und die Pfarrei eine Mitverantwortung trügen, und sprachen dem Missbrauchsopfer 500 000 Euro und beiden Elternteilen je 100 000 Euro zu. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig; der Fall kommt nun vor das Berufungsgericht. Die mittlerweile erwachsene Frau war als Minderjährige zwischen 1989 und 1994 von einem Bozener Diözesanpriester sexuell missbrauchte worden. Der heute 48-jährige Geistliche hatte nach seiner Festnahme 2003 stets seine Unschuld beteuert. Im Strafprozess war er wegen Verjährung im Jahr 2009 freigesprochen worden. Zuvor war er in zweiter Instanz zu sieben Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Auch ein kirchenrechtlicher Prozess endete 2010 mit einem Freispruch. Die Diözese zeigte sich „überrascht und enttäuscht“ über das Urteil. Es sei „unverständlich“, dass jemand, der strafrechtlich weder angeklagt noch verurteilt sei, im Zivilprozess zur Zahlung einer Strafe verurteilt werden könne. Während der Vernehmung von Bischof Wilhelm Egger als Zeuge im Strafprozess sei deutlich geworden, dass dieser keine Kenntnis von den Vorwürfen gegen den Geistlichen gehabt habe. Das Bistum Bozen-Brixen gilt in Italien als Vorreiter im Kampf gegen sexuellen Missbrauch. Als einzige Diözese des Landes hat es einen eigenen Beauftragten für Missbrauchsfälle, an den sich Betroffene wenden können.

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