Bischof in China wird immer noch vermisst

Seit zwanzig Tagen keine Nachricht von Peter Zhumin

Rom (DT/KNA) Von dem verschwundenen chinesischen Bischof Peter Shao Zhumin gibt es seit zwanzig Tagen keine Nachricht. Shao Zhumin, im September 2016 von Papst Franziskus zum Bischof der Millionenstadt Wenzhou ernannt, aber von der Regierung nicht anerkannt, war nach Angaben des vatikanischen Pressedienstes Asianews am Abend des 18. Mai zu einem Termin beim Amt für Religionsangelegenheiten in Wenzhou gebeten worden. Seither wisse man nichts über seinen Verbleib.

Katholischen asiatischen Medien zufolge war der 2007 zum Bischof geweihte Shao Zhumin bereits viermal in Haft, zuletzt Mitte April über die Ostertage. Laut Asianews leben in Wenzhou 120 Katholiken, die mit der regierungstreuen „Patriotischen Vereinigung“ verbunden sind, und weitere achtzigtausend Katholiken der sogenannten Untergrundkirche. Die Ernennung von Bischöfen ist seit langem zentraler Streitpunkt zwischen dem Vatikan und dem chinesischen Staat. Der Vatikan beansprucht das Recht, Bischöfe frei zu bestimmen. China lehnt dies als Einmischung in innere Angelegenheiten ab. Die Regierung besteht auf einer umfassenden Kontrolle über die katholische Kirche. Nach längerer Unterbrechung wurden chinesische Bischöfe seit 2007 in der Regel in Abstimmung zwischen Vatikan und Regierungsbehörden geweiht.

Seit 2011 kehrte Peking immer wieder zur alten Praxis zurück und ordinierte Bischöfe ohne römische Genehmigung. Der Vatikan und China unterhalten seit 1951 keine offiziellen Beziehungen mehr. Zuletzt haben sich die inoffiziellen Gespräche wieder intensiviert. Die Katholiken in China sind seit den 1950er Jahren in zwei Gruppen gespalten, die „Patriotische Vereinigung“ und die romtreue Untergrundkirche. Letztere ist staatlichen Repressalien ausgesetzt; mehrere Bischöfe und Priester sitzen in Haft. Nach offiziellen Angaben zählt die katholische Kirche in China 5,7 Millionen Mitglieder, nach inoffiziellen Angaben etwa zwölf Millionen.

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