Bischof für Änderung des Dayton-Vertrages

Sarajevo/München (DT/KAP) Der Weihbischof der Erzdiözese Sarajevo, Pero Sudar, hat eine Veränderung der politischen Verhältnisse in seiner Heimat Bosnien-Herzegowina angemahnt. Der Dayton-Vertrag müsse revidiert werden. Solange Vertreter der internationalen Staatengemeinschaft an der „ethnisch-ungerechten“ Teilung des Landes festhielten, werde es keine Versöhnung in Bosnien geben, erklärte Sudar laut einer am Donnerstag vom deutschen katholischen Osteuropa-Hilfswerk „Renovabis“ veröffentlichten Stellungnahme. Noch sei man von einem guten Miteinander weit entfernt, meinte Sudar. Die Verhaftung des früheren bosnisch-serbischen Spitzenpolitikers Radovan Karadzic lindere zumindest teilweise den Schmerz Zehntausender, die in Lagern gefoltert worden seien, unterstrich Sudar. Dasselbe gelte für die vielen Menschen, die Familienangehörige verloren hätten, sowie für die Vertriebenen. „Unabhängig von ihrer Nationalität und politischen Einstellung“ sei für alle Menschen in Bosnien-Hercegovina die Botschaft des Karadzic-Prozesses wichtig, dass niemand Verbrechen begehen könne, ohne dafür bestraft zu werden. Falls Karadzic verurteilt werden sollte, müssten danach allerdings auch Konsequenzen für die Zukunft des Landes gezogen werden, forderte der Weihbischof. Sudar meint damit den Vertrag von Dayton, in dem er wegen der De-facto-Teilung des Landes eine „unüberwindbare Hürde“ auf dem Weg zu einem wahrhaften Frieden sieht. Er appellierte an die Staatengemeinschaft, das Vertragswerk „aus moralischer Pflicht und politischer Weisheit“ zu korrigieren. Sonst drohe eine Vertiefung der gesellschaftlichen Spaltung des Landes.

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