Bischöfe warnen vor pränataler Selektion

Österreichs Bischofskonferenz geschlossen hinter Bischof Kapellaris Kritik an „Pfarrer-Initiative“. Von Stephan Baier
Foto: Bischofskonferenz/Hörschläger | Von links: Nuntius Peter Stephan Zurbriggen, Salzburgs Erzbischof Alois Kothgasser, Kardinal Christoph Schönborn.
Foto: Bischofskonferenz/Hörschläger | Von links: Nuntius Peter Stephan Zurbriggen, Salzburgs Erzbischof Alois Kothgasser, Kardinal Christoph Schönborn.

Wien (DT) Es gebe begründete Hoffnung auf einen „neuen Frühling des Glaubens und der Kirche“, hatte der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, beim zweisprachigen Festgottesdienst im kärntnerischen Eberndorf (Dobrla Vas) am Dienstag noch gemeint. Bei der Frühjahrsvollversammlung der österreichischen Bischöfe standen gleichwohl viele Probleme auf der Tagesordnung: die Aktivitäten der „Pfarrer-Initiative“ rund um den früheren Wiener Generalvikar Helmut Schüller, die Pläne einer Mehrheit der staatlichen Bioethik-Kommission, die Präimplantationsdiagnostik (PID) in Österreich zuzulassen und die In-vitro-Fertilisation (IVF) auch auf lesbische Paare auszuweiten, und der schulische Sexualkundeunterricht, dem die Bischöfe einen Studientag widmeten, der in den veröffentlichten bischöflichen Beschlüssen allerdings keine Rolle spielte.

Der „Aufruf zum Ungehorsam“ der Pfarrer-Initiative bedürfe „weiterhin der Klärung“, betonte Kardinal Schönborn bei einer Pressekonferenz am Freitag in Wien. Die Bischöfe hätten bereits im Vorjahr „Grenzen benannt, aber auch die Bereitschaft zum Dialog bekundet“. Schönborn verwies auf das „deutliche und hilfreiche Hirtenwort“ des Grazer Bischofs Egon Kapellari und versicherte, dass „alle Mitglieder der Bischofskonferenz diesen Text mittragen“. Er warnte in der Reformdebatte vor „Fixierungen, die daran hindern, anderes wahrzunehmen“.

Gleichzeitig kündigte Kardinal Schönborn zahlreiche Initiativen zum „Jahr des Glaubens“ an, das am 11. Oktober mit offenen Kirchenpforten und einem Glockengeläut zum Angelus-Gebet eröffnet wird. Es werde ein österreichweites Jugendtreffen in Salzburg und ein Dokument der Bischofskonferenz zur Katechese mit konkreten Anregungen zur Neuevangelisierung geben. Schönborn sprach an alle Christen die Einladung aus, „ihren Glauben freudig und furchtlos zur Sprache zu bringen“. Er lobte zugleich den „Youcat“ als das derzeit erfolgreichste Jugendbuch mit 1,7 Millionen verkauften Exemplaren und 20 Sprachversionen.

Deutlich positioniert sich die Bischofskonferenz gegen eine Einführung der PID in Österreich, wie sie eine Mehrheit in der staatlichen Bioethik-Kommission Mitte April fordern will. In einer Stellungnahme der Bischofskonferenz heißt es, „dass die Diagnose Down-Syndrom bei rund 90 Prozent zu einem Schwangerschaftsabbruch führt“. Grundlage dafür seien diagnostische Methoden, „deren Ziel nicht die Heilung, sondern die Selektion vor der Geburt ist“. Kardinal Schönborn kritisierte scharf die Gesetzeslage, die die Abtreibung eines behinderten Kindes bis zur Geburt ermöglicht. Dies sei „ein schwerer, gravierender Mangel in unserer Gesetzgebung“ und „nicht verantwortbar“, so Schönborn. Die Bischöfe fürchten einen zunehmenden Druck auf Menschen mit Behinderung: „Immer bedrohlicher wird die Tendenz, dass ein Lebensrecht nur mehr jene haben, die perfekt sind und allen Wünschen entsprechen.“ Kardinal Schönborn lehnte am Freitag in Wien jede Form von Eugenik ab: „Hier können wir nur warnend die Stimme erheben.“

Österreichs Bischöfe appellieren an die Politiker, „nicht zuzulassen, dass Menschen schon vor der Geburt mit dem Argument der Vermeidung von Krankheit und Behinderung selektiert werden“. Bischöfliches Lob gibt es hier für den ÖVP-Vorsitzenden und Vizekanzler Michael Spindelegger. Er hatte sich vor wenigen Tagen klar zu den in der Bioethik-Kommission diskutierten Themen positioniert: „Menschen mit Down-Syndrom, Menschen mit Behinderungen im allgemeinen, sind als wertvolle Mitglieder unserer Gesellschaft, ebenso wie jeder andere auch zu schätzen und zu respektieren.“ Diese Menschen und ihre Angehörigen würden „volle Unterstützung im Kampf gegen jede Form der Diskriminierung“ verdienen. Strikt abzulehnen seien Abwägungen, den Wert eines Menschen oder seine Schutzwürdigkeit an das Vorhandensein bestimmter Qualitäten oder Fähigkeiten zu knüpfen. Gleichlautend mit der Bischofskonferenz hatte der Vizekanzler gemeint: „Abzulehnen ist jeder Versuch, einen Menschen schon vor der Geburt mit dem Argument der Vermeidung von Krankheit und Behinderung sozusagen auswählen zu wollen. Aus Sicht der ÖVP ist ein solches Vorgehen ethisch nicht vertretbar und nicht zu rechtfertigen – eine weitere Form der Diskriminierung, der wir entschlossen entgegentreten müssen.“

Befremden äußern Österreichs Bischöfe über eine Fatwa des Großmuftis von Saudi-Arabien, der erklärt hatte, es sei nicht erlaubt, neue Kirchen auf der arabischen Halbinsel zu bauen, und dazu aufgerufen hatte, alle Kirchen um Saudi-Arabien herum zu zerstören. Diese Fatwa sei für die Bischöfe „völlig inakzeptabel und auch nicht nachvollziehbar, da es auf der arabischen Halbinsel verschiedene Initiativen des interreligiösen Dialogs gibt“, sagte Schönborn. Er erinnerte daran, dass der saudische König Abdullah selbst einige „Anstrengungen um den interreligiösen Dialog“ gemacht habe, auch in Österreich. Da es zwischen diesen Bestrebungen des Königs und denen seines obersten Muftis einen Widerspruch gebe, fordern die Bischöfe eine Klärung: „Wir verlangen eine offizielle Erklärung und eine eindeutige Bejahung des Existenzrechts von Kirchen und Christen in der Region.“ Die Fatwa des saudischen Großmuftis sei nicht nur für die arabischen Christen verunsichernd, sondern stelle „die Ernsthaftigkeit eines Dialogs grundsätzlich in Frage“. Österreichs Bischöfe „erwarten von den religiösen und politischen Führungskräften der muslimischen Welt eine klare Zurückweisung der Fatwa des saudischen Großmuftis“, heißt es in der Stellungnahme.

Nicht in seiner Funktion als Vorsitzender der Bischofskonferenz, sondern als Erzbischof von Wien nahm Schönborn Stellung zur kontrovers diskutierten Wahl eines in homosexueller Partnerschaft lebenden Pfarrgemeinderats. Im niederösterreichischen Stützenhofen im Weinviertel hatte bei der Pfarrgemeinderatswahl ein 26-jähriger Kandidat die meisten Stimmen errungen, der mit einem Mann in „eingetragener Partnerschaft“ lebt. Schönborn will zunächst mit dem Betroffenen sprechen, stellte aber klar, dass es für kirchliche Ämter Voraussetzungen gebe und diese nichts mit Diskriminierung zu tun haben. Zuvor hatte die Pressestelle der Erzdiözese Wien erklärt, man könne sich „nicht darüber hinwegsetzen, dass die aus dem Evangelium abgeleiteten Lebensregeln der Kirche gleichgeschlechtliche Partnerschaften nicht gutheißen und sich das Lehramt der Kirche eindeutig gegen eingetragene gleichgeschlechtliche Partnerschaften ausgesprochen hat“. Für den „spezifisch kirchlichen Dienst“ des Pfarrgemeinderats gälten auch spezifische Voraussetzungen, nämlich „das Einverständnis mit der Glaubenslehre und der Ordnung der Kirche“.

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