Bischöfe mahnen Politiker

Mexiko: Im Vorfeld des Papstbesuches verstärkte Kirchenkritik an Korruption und Straflosigkeit

Mexiko-Stadt (DT/KAP) Die erneute Festnahme des mexikanischen Drogenkartell-Chefs Joaquin „El Chapo“ Guzman ist in den Augen des Bischofs von Saltillo, Raul Vera Lopez, gezielt vor dem Papstbesuch im Februar terminiert worden. Mexikos Regierung wolle damit eine Erholung des Landes vorgaukeln, ebenso wie mit der jüngsten Senkung des Benzinpreises. „Es fehlt nur noch, dass man sich selbst die Medaille umhängt und den Bürgern sagt ,und wir haben euch auch den Papst gebracht‘“, so die Kritik des als Menschenrechtsaktivist bekannten Kirchenmannes nach Angaben der Tageszeitung „El Milenio“.

In Mexiko habe es schon Tradition, beim Besuch von Persönlichkeiten höchster Prominenz aus Politik oder Religion mit einer „Kulisse“ vorzutäuschen, alles sei in bester Ordnung, gab Vera Lopez an. Der Bischof war schon vorigen Sommer mit Aussagen zu „El Chapo“ aufgefallen, als dieser aus dem Hochsicherheitsgefängnis von Tamaulipas ausgebrochen war. Damals schlug Vera Lopez ein Denkmal für den meistgesuchten Drogenhändler und Chef des Sinaloa-Kartells vor; er habe mit einem Schlag die Falschheit und Korruption der mexikanischen Justiz aufgezeigt, wofür Menschenrechtler sonst mühsam kämpften, so die Begründung.

Um den Papst vor dessen Visite ins Bild über die Probleme Mexikos zu setzen, hatte der Bischof von Saltillo eigenen Angaben zufolge einen Bericht an den Vatikan geschickt; es gehe darin um die Migration, um Zwangsvertreibungen, um die Frauenmorde sowie auch um Diskriminierung von Homosexuellen, gab Vera Lopez gegenüber der Zeitung „Milenio“ (Sonntag) an, sowie auch um Missstände bei der Jugendwohlfahrt, bei der Umsetzung der Arbeitnehmerrechte, um die Verfolgung von sozialen Führern und Journalisten, um die gezielte Verschleierung von Informationen bis hin zur Umweltzerstörung und zu Transgen-Mais. Wichtiger als die Tänzer und Musikgruppen, die man dem Papst präsentieren werde, sei es, dass er um die wahren Probleme in Mexiko wisse und wie die Menschen dort leben, gab Vera Lopez an.

„Räuber mit weißen Kragen“

Ebenso hatten auch andere Bischöfe Mexikos vor der medialen Euphorie angesichts der Festnahme gewarnt. In Aguascalientes wetterte Bischof Jose Maria de la Torre Martin, viele skrupellose Politiker seien eine noch größere Bedrohung als „El Chapo“: Als „Räuber mit weißen Kragen“ würden sie sich oft selbst durch Drogenhandel bereichern, bei Wahlen Stimmen kaufen und die Jugend des Landes „vergiften“. Solange nicht die Finanzflüsse der Drogenmafia trockengelegt würden, könnten deren „dicke Fische“ aufgrund der grassierenden Korruption selbst aus dem Gefängnis die Fäden weiter in der Hand behalten, so de la Torre Martin.

In den Worten des Erzbischofs aus Antequera, Jose Luis Chavez Botello, könne die „Chapo“-Festnahme nur ein Anfang sein, da die Regierung die organisierte Kriminalität und die Straflosigkeit viel stärker bekämpfen müsse: Egoismus, Neid, Korruption und Gewalt in der Gesellschaft seien der Nährboden, auf dem Kriminalität gedeihe. Ähnlich empfahl auch der Erzbischof von San Luis Potosi, Jesus Carlos Cabrero Romero, einen Kurswechsel in der Politik: Die Regierung müsse in Sozialprogramme und die Schaffung von Arbeitsplätzen investieren, den Mindestlohn anheben und mehr Geld für Sicherheit ausgeben.

In den Medien erweckt der Vorfall jedoch auch Hoffnungen: Vielleicht werde die Regierung rund um den Papstbesuch im Februar nun auch erklären, was mit den 43 Studenten aus Iguala, die im September 2014 entführt und vermutlich ermordet wurden, genau geschehen ist. Die Anzeichen mehren sich, dass Franziskus bei seiner Visite das Thema selbst ansprechen will: Eine zumindest informelle Begegnung der Familienangehörigen der Vermissten im Rahmen mit dem Papst beim Abschlussgottesdienstes am 17. Februar in Ciudad Juarez sei denkbar, erklärte der päpstliche Nuntius in Mexiko, Erzbischof Christophe Pierre, am Wochenende.

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