Bischöfe fordern Aufklärung über Gründer der Legionäre

Mexiko-Stadt (DT/KNA) Nach neuen Vorwürfen gegen den Ordensgründer der „Legionäre Christi“ hat die Mexikanische Bischofskonferenz eine rückhaltlose Aufklärung verlangt. Die Gemeinschaft sei nun verpflichtet, die Wahrheit ans Licht zu bringen, heißt es in einer am Donnerstag (Ortszeit) veröffentlichten Stellungnahme der Bischöfe. Der 2008 verstorbene Marcial Maciel Degollado soll Medienberichten zufolge mehrere uneheliche Kinder gezeugt und diese missbraucht haben. Die mexikanischen Bischöfe drückten ihre Solidarität mit den Missbrauchsopfern aus. Medien hatten zuvor über eine angebliche Lebensgefährtin Degollados berichtet. Diese habe bestätigt, Mutter zweier gemeinsamer Kinder mit Maciel Degollado zu sein. Der mexikanische Sender „MVS Radio“ berief sich am Donnerstag auf vorliegende Dokumente und spielte Tonbandaufnahmen von Aussagen der Mutter sowie der beiden Söhne vor. Die Ordensgemeinschaft erklärte unterdessen, sie stehe mit der Frau und ihren beiden Kindern in Kontakt. Blanca Lara Gutierrez lernte laut „MVS Radio“ den damals 56 Jahre alten Maciel im Alter von 19 Jahren kennen. „Er hat sich als Witwer vorgestellt, der auf der Suche nach einer Frau sei, die er heiraten könne“, schilderte die Mexikanerin das erste Zusammentreffen. Sie habe ihn unter den Namen Jose Rivas kennengelernt, der sein Geld als Privatdetektiv und CIA-Agent verdiene. „Ich war total blind. Erst später habe ich die ganze Wahrheit erfahren“, sagte Gutierrez. Die Beziehung habe 25 Jahre lang gehalten und zwei Kinder hervorgebracht. In der gleichen Radiosendung beschuldigten die mutmaßlichen Söhne Maciels ihren Vater des sexuellen Missbrauchs. Der Sohn Raul sagte, er sei im Alter von sieben Jahren während einer Reise nach Kolumbien das erste Mal von seinem Vater missbraucht worden. Er hatte von der Ordensgemeinschaft eine Schadenersatzzahlung in Höhe von 20 Millionen US-Dollar gefordert und weitere sechs Millionen, „um den Willen seines Vaters zu erfüllen“, wie es in einem am Donnerstag veröffentlichen Brief heißt. In einer ebenfalls am Donnerstag veröffentlichten Erklärung äußerten die „Legionäre Christi“ Verständnis für das Leid der Familie. Mit Entsetzen und großem Schmerz nähmen sie die „verborgenen Aspekte“ im Leben des Ordensgründers Maciel zur Kenntnis. Der Generalsekretär der „Legionäre Christi“, Pater Evaristo Sada, hatte bereits vor zwei Wochen die Opfer von Missbrauchsfällen innerhalb der Ordensgemeinschaft öffentlich um Vergebung gebeten. Papst Benedikt XVI. soll in Kürze einen Untersuchungsbericht der Apostolischen Visitation über die Ordensgemeinschaft erhalten.

Themen & Autoren

Kirche

Papst in Budapest
Budapest
Umkehr: Die wahre Reform der Kirche Premium Inhalt
In Budapest wurde die Tiefendimension der Kirche sichtbar: Mit Blick auf Christus ist sie jung, dynamisch, fröhlich, ökumenisch, missionarisch und attraktiv. Ein Kommentar.
16.09.2021, 13 Uhr
Stephan Baier