Beten ist unsere Profession

Eucharistie, Katechese, und Eisgutscheine: Die „Missionale“ in Düsseldorf wirbt um die Herzen

Düsseldorf (DT) „Ein Hauch von Weltjugendtag im Kleinen“, beschreibt ein junges Ehepaar Carsten und Stefanie Pitschke die Stimmung des Pfingstgottesdienstes auf der Düsseldorfer Rheinpromenade. Die beiden haben durch ihre Gemeinde von der Missionale erfahren. „Dieser öffentliche Platz in der Stadt ist dadurch, dass man ihn zum Gottesdienstplatz macht, geadelt worden. Und ein besserer Beginn könnte man für das Motto ,Öffnet die Türen für Christus‘ nicht finden“, so Carsten Pitschke. „Eigentlich könnte man das doch jede Woche machen.“ Ein besonderer Bezug zur Stadt und zu den christlichen Wurzeln verdeutlicht die Überbringung des Schreins mit den Reliquien des ersten Missionars in Düsseldorf, des heiligen Suitbertus, der mit dem Löschboot von Kaiserswerth zur Altstadt gebracht wird.

In seiner Predigt nimmt der gut gelaunte Kardinal Meisner auf den heiligen Suitbertus Bezug: „Wer auf eine so hervorragende Vergangenheit zurückblicken kann, kann auch auf eine strahlende Zukunft hoffen.“ Einen Traum für die zehntägige Missionale hat der Kardinal auch: „Ich möchte am Ende der Missionale das Wort des heiligen Paulus nachsprechen dürfen: ,Überall ist euer Glaube an Gott bekannt geworden, sodass wir darüber nichts mehr zu sagen brauchen‘ (1 Thess 1, 8)“. Schon allein durch das Anlegen des Feuerwehrboots kommen Passanten mit den Katholiken ins Gespräch, fragen nach dem Leben des hl. Suitbertus oder nach den Veranstaltungen während der Tage bis zu Fronleichnam. Da gut katholisch Leib und Seele zusammengehören, sind nach der Pfingstmesse alle in den Stiftshof zu Gulaschsuppe eingeladen.

Das Ziel der Missionale wird auch am Nachmittag deutlich, als in allen katholischen Kirchen um 16 Uhr die Glocken läuten und sich die Kirchentüren für Gäste, Passanten und Bewohner des Viertels öffnen.

Die Initiative Missionale, die von der Katholischen Kirche Düsseldorf initiiert wurde, steht in der Tradition der Stadtmissionen in den europäischen Hauptstädten. Die erste Stadtmission wurde auf Anregung einiger europäischer Kardinäle und in Zusammenarbeit mit der Gemeinschaft Emmanuel 2003 in Wien durchgeführt. Doch in Düsseldorf sind es vor allem die Gemeinden und Ordensgemeinschaften, die selbst aktiv werden und eine Fülle von Veranstaltungen auf die Beine gestellt haben. Während der Missionale finden täglich vormittags Katechesen zu den Tagesthemen statt, mit anschließendem Gespräch, Messe und Mittagessen im Maxhaus.

Neben vielen klassischen Veranstaltungen wie Morgenlob, Kirchenführung, Ausstellungen, geöffneten Kirchen, offenen Kirchenchorproben, Katechesen und Konzerten, die eher das klassische Gemeindepublikum ansprechen, gibt es aber auch einige besonders interessante Aktionen: Unzählige Postkarten wurden in der Stadt, in Bars, auf den Straßen verteilt, auf denen Ordensschwestern und der Text: „Beten ist unsere Profession“ zu sehen sind. Die Karten können mit Anliegen an die Ordensschwestern eingesandt werden. 300 Eisgutscheine werden von Ordensleuten unter dem Motto „Kostet und seht, wie gütig der Herr ist“, auf der Straße kostenlos verschenkt. Die neue Ausgabe des katholischen Magazins „Theo“, das sich durch unterschiedliche Sichtweisen und Wege Jesus Christus nähert, ist dort ebenfalls gratis zu haben. Und auf einer roten Couch, die täglich an einem prominenten Ort wie der KÖ-Galerie stehen wird, werden Düsseldorfer Prominente sitzen und aus ihrem Glauben erzählen. Am letzten Tag, Fronleichnam, findet an verschiedenen Orten in Düsseldorf das Missionale-Stadtfest statt. Außerdem wird täglich ein Beichtmobil von „Kirche in Not“ in der Stadt unterwegs sein.

Der Eröffnungsabend am Montag gibt einen Einblick in die Gespräche auf der roten Couch. Die Bürgermeistern Marie-Agnes Strack-Zimmermann berichtet, dass für sie durch das katholische Elternhaus eine Tür für Christus geöffnet wurde. Messe am Sonntag und Kirche gehörte dazu wie die Tasse Café, ganz selbstverständlich. In dem großen weißen Zelt am Rhein sitzen viele, vorwiegend ältere Menschen, werden von Pfadfindern mit Getränken bedient und sind ins Gespräch vertieft über die Frage: Gibt es eine Erfahrung in meinem Glaubensleben, die ich nicht für mich behalten kann, sondern gerne mitteilen möchte. Zwischendurch wird das Missionale-Lied gesungen, es gibt ein buntes Buffet und ein Moderator sagt: „Sie sind die Christen. Öffnen Sie die Türen für Christus.“ Einem Gemeindemitglied hat der Abend gefallen, auch wenn er eher ein „Heimspiel“ war, da nur Insider den Weg in das recht geschlossene Zelt gefunden haben. „Der Glaube überwindet Hemmschwellen und so bin ich mit ganz fremden Leuten ins Gespräch über den Glauben gekommen.“

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