Berühmte Marienverehrer

Ludwig Gschwinds originelle Würdigung des Rosenkranzgebets

Immer wieder ist der Rosenkranz der Kritik ausgesetzt. Er sei langweilig oder eintönig. Gelegentlich wird sogar der Vorwurf erhoben, die ständige Wiederholung sei nur „Geplapper“, vor dem doch Jesus gewarnt habe. Doch Jesus hat uns ebenfalls gemahnt, im Beten nicht nachzulassen. Auch ist das Rosenkranzgebet absolut biblisch und beinhaltet die wichtigsten Glaubenswahrheiten. Gerade heute weist es auf die Problematik hin, dass der Mensch kaum noch verweilen und betrachten kann, sondern fortwährend Abwechslung sucht. Die Kritiker dieses Gebetes sind zudem meist jene, die den Rosenkranz selten oder gar nicht beten. Erst wer beginnt, ihn zu beten, wird seine Kraft erkennen. So hat der erfahrene Seelsorger und geistliche Autor Ludwig Gschwind eine originelle Methode ersonnen, um den Wert des Rosenkranzes herauszustellen.

In seinem neuesten Buch stellt er dem Leser berühmte und bedeutende Rosenkranzbeter vor, welche die heilende Kraft dieses Gebetes erfahren haben.

Der Papst legte Wert auf das Rosenkranzgebet in der Familie

Gschwinds Stärke liegt darin, lebendig erzählen zu können und so den Leser mit hineinzunehmen in die unterschiedlichsten Lebensgeschichten. So erzählt er nicht nur von der seelischen Krise, die den seligen Adolf von Essen im 15. Jahrhundert dazu brachte, bei Maria Zuflucht zu suchen und ein Gebet zu entwickeln, das später die heutige Form des Rosenkranzes erhielt. Die 35 in sich abgeschlossenen Kapitel von jeweils drei bis vier Seiten stellen Persönlichkeiten vor, die regelmäßig den Rosenkranz gebetet und daraus Kraft geschöpft haben. Dies sind nicht nur Heilige oder kirchliche Amtsvertreter, sondern auch Personen des öffentlichen Lebens, denen man eine solche Frömmigkeit nicht ohne weiteres zugetraut hätte. Doch der Rosenkranz ist eben wirklich ein Volksgebet, das Jahrhunderte lang in allen Gesellschaftsschichten gebetet wurde. Papst Leo XIII. war es ein großes Anliegen, dass in den Familien der Rosenkranz gebetet wurde.

In neuerer Zeit haben die Päpste Johannes Paul I. und Johannes Paul II. dieses Anliegen ebenso zum Ausdruck gebracht. In den fünfziger Jahren empfahl der große Theologe Romano Guardini dieses Gebet mit den Worten: „Der Rosenkranz ist etwas sehr Einfaches; so müsste man von ihm auch in der Weise der Einfachheit sprechen.“ Und er ist überzeugt: „Je länger man lebt, desto deutlicher sieht man, dass die einfachen Dinge die wahrhaft großen sind.“ So waren es insbesondere die einfachen Menschen, die diese Gebetsform pflegten, wie beispielsweise Bernadette Soubirous, die Seherin von Lourdes. In seinem Roman „Das Lied der Bernadette“ bezeichnet der jüdische Schriftsteller Franz Werfel den Rosenkranz als das Gebet der arbeitenden Hände, die selbst beim Beten nicht still stehen.

Der Zigeuner Zefirino Jiménez Malla, der 1997 selig gesprochen wurde, hat im spanischen Bürgerkrieg gegen die Verhaftung eines Priesters protestiert und wurde daraufhin gefangen genommen. Weil er den Rosenkranz nicht aus der Hand geben wollte, hat man ihn schließlich getötet. Petrus Pavlicek hatte sich in seiner Jugend von der Kirche abgewandt, seinen Kirchenaustritt erklärt und seine früh geschlossene Ehe bereits nach einem Jahr wieder scheiden lassen. In schwerer Krankheit fand er zurück und wurde später Priester im Franziskanerorden. Er gründete den Rosenkranzsühnekreuzzug, dem heute mehr als eine Million Beter angehören. Überzeugt von der Macht des Gebetes beten sie für die Bekehrung und den Frieden in der Welt. Auch der Gründer der Schönstattbewegung, Pater Joseph Kentenich wusste sich zeitlebens der Gottesmutter in besonderer Weise anvertraut. 1914 vollzog er mit einigen Jugendlichen ein „Liebesbündnis“, in dem sie sich Maria weihten. Dies war die Geburtsstunde der heute weltweiten Schönstattbewegung. Die Mitglieder bemühen sich um ein vertieftes religiöses Leben, wobei ihnen die Worte des Gründers in Erinnerung sind: „Der Rosenkranz ist ein Mittel, aus unserem Leben ein Marienleben zu machen.“

Der Italiener Bartolo Longo war in unserem Land weitgehend unbekannt bis ihn Papst Johannes Paul II. 2002 in seinem Schreiben „Rosarium Virgins Mariae“ erwähnte, mit dem er das Rosenkranzjahr ausrief. Der Rechtsanwalt hat eine große Glaubenskrise durchgemacht und am tiefsten Punkt angelangt unter Tränen sich an Maria, die Zuflucht der Sünder gewandt. Als er wieder zu einem stabilen religiösen Leben zurückgefunden hatte, bemühte er sich sehr um die Verbreitung des Rosenkranzgebetes. Er starb mit dem Kreuz und dem Rosenkranz in den Händen.

Ludwig Gschwind entwirft Porträts von Politikern die allesamt den Rosenkranz beteten: Kaiser Karl V., der Feldherr Tilly, Kaiserin Maria Theresia, Präsidentenmutter Rose Kennedy, Österreichs Bundeskanzler Julius Raab sowie Ludwig Windthorst, der Gegenspieler Bismarcks. In schweren Zeiten fanden sie im Rosenkranzgebet eine innere Gelassenheit. Aber auch der Physiker André-Marie Ampere, auf den die Begriffe „Strom“ und „Spannung“ zurück gehen, wusste, dass die Naturwissenschaft nicht alles ist und war zeitlebens ein großer Rosenkranzbeter.

Quelle der Inspiration für bedeutende Künstler

Künstler haben oft ein besonderes Gespür für das Übernatürliche und so wundert es nicht, gerade unter ihnen viele fromme Beter anzutreffen. Der Maler Albrecht Dürer, die Schriftsteller Clemens Brentano und Reinhold Schneider, ebenso die Komponisten Christoph Willibald Gluck, Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart waren Menschen, denen das Rosenkranzgebet zur Lebenshilfe, aber auch zur Quelle der Inspiration wurde.

Neben so vielen Rosenkranzbetern fällt besonders auf, wer den Rosenkranz nicht betet, und das sind offenbar die Verantwortlichen des Sankt Ulrich Verlags. Der Text auf dem Schutzumschlag beginnt mit dem Satz „65 Perlen hat ein Rosenkranz.“ Im Text von Ludwig Gschwind wird jedoch die Anzahl der Perlen mit 59 korrekt widergegeben.

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16.09.2021, 13 Uhr
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