Belgisches Gericht: Kirchenrazzia teils illegal

Brüssel (DT/KNA) Ein belgisches Berufungsgericht hat die behördliche Razzia bei kirchlichen Einrichtungen vom Sommer 2010 für teilweise illegal erklärt. So war die Beschlagnahmung von Opferaussagen bei der innerkirchlichen Untersuchungskommission zu sexuellem Missbrauch laut Urteil der Richter vom Mittwoch rechtswidrig. Das Vorgehen der Staatsanwaltschaft gegen die in Mechelen versammelten Bischöfe und die Mitnahme von Rechnern und Dokumenten bei der Bischofskonferenz billigte das Gericht hingegen. Ausnahme sei die Beschlagnahmung von Diplomatenpost. Damals untersuchte eine Spezialeinheit der Polizei auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft den Amtssitz des belgischen Primas und die Räume der kirchlichen Untersuchungskommission in Löwen. Die in Mechelen versammelten Bischöfe wurden stundenlang festgehalten, Gräber in der Kathedrale auf der Suche nach „belastendem Material“ aufgebohrt. Während der sogenannten „Operation Kelch“ wurden Dokumente und Datenträger beschlagnahmt, darunter der private Rechner von Kardinal Godfried Danneels. Der amtierende Erzbischof von Mechelen-Brüssel, Andre-Joseph Leonard, verwies die Entscheidung über eine materielle Entschädigung von Missbrauchsopfern unterdessen an die weltliche Justiz. Es sei Aufgabe von Zivilgerichten, einer Institution Zahlungen aufzuerlegen, „deren Verantwortliche nicht persönlich an begangenen Verbrechen beteiligt“ gewesen seien, sagte der Primas von Belgien am Mittwoch vor einer parlamentarischen Untersuchungskommission in Brüssel. Belangt werden sollten vor allem die Täter selbst sowie deren Vorgesetzte, sofern sie Maßnahmen unterlassen hätten, um eine Wiederholungstat zu verhindern. Wie sein Amtsvorgänger Danneels am Vortag wies auch Leonard die Verantwortung für die Behandlung von Missbrauchsfällen dem jeweiligen Ortsbischof des Täters zu. Zu diesem Thema werde es in Kürze eine verbindliche Handreichung für die Kirche in Belgien geben. Leonard unterstrich, wichtiger als eine materielle Entschädigung sei für die Opfer eine moralische Anerkennung von Schuld sowie die Bereitschaft, sie anzuhören.

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