„Aufrechter und mutiger Kämpfer“

Bischof Kurt Krenn wurde am Samstag in der Bischofsgruft des St. Pöltner Doms beigesetzt. Von Stephan Baier

St. Pölten (DT) Die Trauerfeierlichkeiten wurden auch in den benachbarten Kreuzgang übertragen, weil der Dom zu St. Pölten am Samstagmittag die Trauergäste nicht fassen konnte. Eine lange Schlange bildete sich vor dem Sarg, der im Mittelschiff des Domes aufgebahrt war. Menschen sichtlich unterschiedlichster Herkunft – viel Klerus, aber auch viele Freunde aus der Heimat, dem ländlich strukturierten Mühlviertel – nahmen Abschied von Kurt Krenn, der von 1987 bis 2004 zunächst als Weihbischof in Wien, dann ab 1991 als Diözesanbischof von St. Pölten eine Ära der österreichischen Kirchengeschichte mitgeprägt hat. Auf dem Sarg ein aufgeschlagenes Evangelium und eine weiße Mitra, vor dem Sarg eine Stola, ein goldener Kelch und ein Farbfoto des am 25. Januar verstorbenen Bischofs, mit leicht schelmischem Blick – aus den Jahren vor seinem Leiden eben.

Auf dieses letzte, von Leiden geprägte Lebensjahrzehnt nahm sein Nachfolger auf der Kathedra von St. Pölten, Klaus Küng, in seiner Predigt Bezug. Er sprach von einer schweren, allmählich fortschreitenden Krankheit, die den einst Redegewandten sprachlos gemacht habe. Küng, der in den letzten Lebensstunden gemeinsam mit den Angehörigen am Sterbebett Krenns gewesen war, wusste zu berichten, der Altbischof von St. Pölten habe noch lange den Segen spenden können, auch als er kaum noch sprach. „Er hatte hervorragende Talente, das anerkennen fast alle, auch die meisten seiner Gegner“, meinte Bischof Küng, der seinen Vorgänger noch einmal mit jenem Attribut versah, das seit Krenns Emeritierung kaum noch einem österreichischen Bischof zugeschrieben wird: Er sei „ein streitbarer Bischof“ gewesen, der „es weder sich selbst noch den anderen leicht gemacht“ habe.

Eine jüngst unter dem Titel „Capax Dei. Die Gott-Fähigkeit des Menschen“ erschienene Sammlung philosophischer Aufsätze Krenns zeuge von dessen hohem intellektuellen Anspruch und seiner hervorragenden Formulierungsgabe, so Küng. Die Gottesfrage, die Würde des Menschen und das Wesen des Gewissens habe Krenn seit seiner Studienzeit beschäftigt. Ein hervorragender Kenner der Philosophie des Aquinaten, aber auch Kants, Hegels und Wittgensteins sei Kurt Krenn gewesen. Bischof Küng berichtete in seiner Predigt von einer Begegnung mit dem einstigen Sekretär Papst Johannes Pauls II., Kardinal Stanislaw Dziwisz, der ihm über Krenn gesagt habe: „Auf jeden Fall war er ein wirklich guter Philosoph und Theologe.“ Ein besonderes Charisma habe er aber auch in der Begegnung mit „ganz einfachen Leuten“ gehabt, so Bischof Küng. Krenn sei die Gabe eigen gewesen, „die Dinge pointiert auf den Punkt zu bringen“. Nachsatz: „Ob das der Kirche und ihm selber immer gut getan hat, ist eine andere Frage.“ In Diskussionen habe er unnachgiebig sein können, doch habe er „ein weiches Herz“ gehabt und viel Verständnis für die Schwächen der Menschen – „manchmal fast zu viel“.

In St. Pölten sei es „zu schweren wechselseitigen Kränkungen“ gekommen, sagte Bischof Küng, der hier 2004 zunächst als Visitator wirkte, bevor er zum Diözesanbischof ernannt wurde. Küng erwähnte in diesem Kontext auch die Krankheit des Vorgängers und vermutete, dass sich diese dadurch auch beschleunigt haben könnte. „Viele der Anliegen, die Bischof Kurt vertreten hat, sind und bleiben von großer Bedeutung“, sagte Küng, der seinen Amtsvorgänger als „aufrechten und mutigen Kämpfer“ würdigte, der „in vielen Dingen, in denen man nicht nachgeben darf, tatsächlich nicht nachgegeben hat“.

Unter den Konzelebranten des feierlichen Requiems waren am Samstag nicht nur Bischöfe aus Österreich, sondern auch aus der bayerischen und böhmischen Nachbarschaft: aus Regensburg, Passau und Budweis. Das Trauertelegramm von Papst Franziskus verlas der Apostolische Nuntius in Österreich, Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen. Bischof Krenn habe „in seinem wissenschaftlichen und bischöflichen Wirken danach gestrebt, den Menschen die Wirklichkeit und Wahrheit Gottes zu erschließen“, heißt es in dem vom Staatssekretär Seiner Heiligkeit, Erzbischof Pietro Parolin, firmierten Schreiben. Mit dem emeritierten Augsburger Dogmatiker Anton Ziegenaus würdigte ein langjähriger Weggefährte Krenns dessen wissenschaftliche Leistungen. Mit Blick auf Kurt Krenns frühes Engagement für die Religionspsychologie und die Umweltethik meinte Ziegenaus, der Philosoph Kurt Krenn habe offensichtlich ein gutes Gespür gehabt „für Themen, die erst kommen“.

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