„Auf Kosten der Kinder“

Österreichs Bischöfe wenden sich gegen Homo-Adoption, PID und Euthanasie. Von Stephan Baier
Foto: dpa | Österreichs Bischöfe haben das Kindeswohl im Blick.
Foto: dpa | Österreichs Bischöfe haben das Kindeswohl im Blick.

Mariazell (DT) Gegen die „Fremdkind-Adoption für gleichgeschlechtliche Paare“ stellt sich die Österreichische Bischofskonferenz, und zwar unter Berufung auf das Wohl der Kinder. Bei ihrer Sommervollversammlung im steirischen Wallfahrtsort Mariazell appellierten Österreichs Bischöfe am Mittwoch an die Bundesregierung in Wien, „mit Blick auf das Wohl des Kindes keine Kompromisse einzugehen“. Zuletzt hatten sich nicht nur führende Repräsentanten der Kanzlerpartei SPÖ, sondern sogar einzelne ÖVP-Minister für eine vollständige Gleichstellung der – homosexuellen Paaren vorbehaltenen – eingetragenen Partnerschaft mit der Ehe ausgesprochen. Demgegenüber betonte die Bischofskonferenz in einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung: „Bei Vater und Mutter aufzuwachsen gibt den Kindern wesentliche Orientierung und ist maßgeblich für die eigene Identität. Wer eine Situation herstellt, wo dem Kind von vornherein diese Möglichkeit genommen wird, stellt sich gegen das Wohl des Kindes.“

Die Fremdkind-Adoption nehme dem Kind die Möglichkeit, „im wichtigen Beziehungsfeld zwischen Vater und Mutter aufzuwachsen“. Auch die „künstliche Befruchtung mit dem Ziel, einem gleichgeschlechtlichen Paar den Kinderwunsch zu erfüllen“, gehe „auf Kosten der Kinder“. Die Bischöfe Österreichs stellten sich damit auch gegen das Votum der am Bundeskanzleramt angesiedelten Bioethikkommission, die sich im Vorjahr für die Möglichkeit der künstlichen Befruchtung für Lesben ausgesprochen hatte. Ebenso bekräftigte die Bischofskonferenz das Nein der Kirche zur Präimplantationsdiagnostik (PID), „weil diese Methode nie der Therapie des Embryos dient, sondern immer nur Selektion zur Folge hat“. Insgesamt warnen die Bischöfe in diesem Zusammenhang vor gesellschaftspolitischen Forderungen, „die die Grundkonstanten des Zusammenlebens betreffen und auf Kosten der schwächsten Mitglieder der Gesellschaft gehen können“.

Unterstützung findet bei Österreichs Bischöfen dagegen die parlamentarische Bürgerinitiative „An der Hand“, die sich dafür einsetzt, ein Verbot der Tötung auf Verlangen in der Verfassung zu verankern und die Förderung des Hospizwesens sowie der Palliativmedizin gesetzlich abzusichern (Die Tagespost berichtete am 5. Juni). Wörtlich heißt es in einer am Mittwoch publizierten Erklärung: „Die Bischöfe unterstützen diese Bürgerinitiative und laden zur Unterzeichnung ein.“ Unterschreiben können österreichische Staatsbürger auf der Internetseite des Parlaments noch bis Ende Juni. Die Kirche in Österreich unterstützt laut der zitierten Erklärung „alle politischen und gesellschaftlichen Bemühungen, die den in Österreich bestehenden breiten Konsens hinsichtlich eines Verbots der aktiven Sterbehilfe (Euthanasie) und des Ausbaus der Hospiz- und Palliativversorgung stärken“. Die Bischöfe erinnern die Bundesregierung an ihr im Koalitionsübereinkommen vom Dezember 2013 festgeschriebenes Vorhaben, ein Verbot der aktiven Sterbehilfe in der Verfassung zu verankern. Sie verweisen dabei auf die Entwicklung in anderen europäischen Staaten, und ausdrücklich auch auf die Legalisierung der Euthanasie von Kindern in Belgien.

Deutliche Kritik äußerte die Vollversammlung der Bischofskonferenz an den für 2015 geplanten Kürzungen der Republik Österreich für die Entwicklungszusammenarbeit. Die im bereits beschlossenen Haushalt geplanten Einsparungen von 17 Millionen Euro bei der direkten Projekthilfe und die Nichterhöhung des Auslandskatastrophenfonds seien „ein Rückschlag im weltweiten Kampf gegen Armut und Unterentwicklung“. Diese Kürzungen haben nach Ansicht der Bischöfe „unmittelbare Auswirkungen auf die Überlebenschancen Hunderttausender Frauen, Männer und Kinder auf der Welt“. Die österreichische Bundesregierung solle eine parteienübergreifende Lösung suchen, damit die beschlossenen Kürzungen im Budgetvollzug nicht wirksam werden. Bereits am Dienstag hatte sich die Bischofskonferenz einem Aufruf des chaldäischen Patriarchen von Bagdad, Louis Raphael Sako, angeschlossen und den Mittwoch zu einem „Tag des Gebets und des Fastens“ für die Menschen im Irak erklärt.

Dazu heißt es in einer Stellungnahme der Bischöfe: „Mit Betroffenheit und dem Gefühl der Ohnmacht verfolgen Menschen in Österreich und weltweit das Vordringen der islamistischen Terrormiliz ISIS, die innerhalb kurzer Zeit ein Drittel des Irak unter ihre Kontrolle gebracht hat. Neben dem unermesslichen Leid für die vom Krieg geschundene Zivilbevölkerung drohen nun die Reste einer einst vitalen Christenheit im Zweistromland zu verschwinden. Diese tragische Realität ist immer mehr eine Folge dessen, wovor schon der heilige Papst Johannes Paul II. eindringlich im Vorfeld der beiden Irakkriege 1991 und 2003 gewarnt hatte.“ Das Ziel der Staatengemeinschaft müsse die Wahrung der Menschenrechte einschließlich des Rechts auf Religionsfreiheit im Irak sein. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, der Wiener Kardinal Christoph Schönborn, sprach sich jedoch zugleich gegenüber der kircheneigenen Agentur „Kathpress“ gegen eine ausländische Militärintervention im Irak aus.

Mit dem Ersten Weltkrieg, der vor hundert Jahren begann, befasste sich Kardinal Schönborn beim Abschlussgottesdienst der Konferenz in der Basilika von Mariazell. Ohne diese „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ wären weder der Nationalsozialismus noch der Kommunismus in dieser Form möglich gewesen, meinte Schönborn. Die Gründe für den Weltkrieg seien im 19. Jahrhundert zu suchen, als Europa immer mehr von Nationalismus und Rassenideologie erfasst wurde. Schönborn bezeichnete diese Tendenzen als „Götzendienst“ und „Abfall vom wahren Gott“. Der 2004 seliggesprochene österreichische Kaiser Karl habe in seinen Friedensbemühungen die eigene Ohnmacht angesichts der Macht des Hasses erleben müssen, so der Wiener Kardinal.

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16.09.2021, 13 Uhr
Stephan Baier