Auf den Spuren Faustynas durch Krakau

Todestag der polnischen Ordensfrau jährt sich zum 70. Mal – Beichtvater wird seliggesprochen

Krakau (DT) Der Beginn des Herbstes in Polen steht ganz im Zeichen der göttlichen Barmherzigkeit: Bereits am 17. September fand in Krakau der erste „Faustyna-Tag“ statt. Eine feierliche Erinnerung an die polnische Ordensfrau Schwester Faustyna Kowalska (1905–1938), die Offenbarungen über die göttliche Barmherzigkeit erhielt, woraus sich die weltweit populäre Verehrung des Bildes vom barmherzigen Jesus ableitet. Im heute nach Papst Johannes Paul II. benannten Krankenhaus in Krakau-Pradnik, wo die an Tuberkulose erkrankte Ordensfrau mit Unterbrechungen ihre letzte Lebenszeit verbrachte und wo ihr zahlreiche mystische Visionen geschenkt wurden, erinnerte der frühere Erzbischof von Krakau, Kardinal Jozef Macharski, in Anwesenheit von Vertretern der Stadt Krakau und der Region Klein-Polen sowie dem Direktor des Hospitals und der Oberin des Krakauer Konvents der Schwestern der Muttergottes der Barmherzigkeit an den Leitgedanken von Faustynas Spiritualität, „Jesus, ich vertraue auf Dich“, der sich gerade auch in den von Leid und Schmerz geprägten Räumen eines Krankenhauses bewahrheiten könne und zur Linderung jeglicher Sorgen und Ängste führen könne.

Danach gaben frühere Patienten des Krankenhauses Zeugnisse von wunderbaren Heilungen, die sie selbst an sich erlebt hätten. Doch die Dimension der körperlichen Heilung sei nicht das Wesentliche, wie gerade auch das Lebensschicksal Schwester Faustynas beweise. Die – ermutigt von ihrem Beichtvater – all ihre inneren Erfahrungen in einem ebenfalls berühmt gewordenen Tagebuch niederschreibende Faustyna hatte das Krankenhaus am 17. September 1938 verlassen und war bald darauf am 5. Oktober 1938 im Haus der Kongregation der Schwestern der Muttergottes der Barmherzigkeit in Krakau-Lagiewniki verstorben.

Im Rahmen des „Faustyna-Tages“ wurde im Beisein vieler Priester der Diözese Krakau auch eine Route eröffnet, welche Pilgern, die nach Krakau kommen, die Möglichkeit gibt, auf den Spuren von Schwester Faustyna durch die Stadt zu gehen. Die Route startet im modernen „Sanktuarium der Göttlichen Barmherzigkeit“ in Krakau-Lagiewniki, dann geht es weiter durch einige Kirchen Krakaus, wo Faustyna häufig betete (Marienkirche, Kirche des Heiligsten Herzens Jesu, St. Josef-Kirche), zur Szewska-Straße, wo die weltweit ersten Reproduktionen des Bildes vom Barmherzigen Jesu gedruckt wurden. Auch im kommenden Jahr soll der „Faustyna-Tag“ stattfinden und eine neue Tradition der Erinnerung an die berühmte Ordensfrau, deren Verehrer aus aller Welt nach Krakau kommen, einleiten. Zu den Messfeierlichkeiten, die am 5. Oktober zu Ehren Faustynas im Krakauer Sanktuarium stattfinden, wird in diesem Jahr als Hauptzelebrant in Lagiewniki Erzbischof Edward Nowak aus dem Vatikan erwartet.

Eine neue Tradition leitet sicherlich auch die Seligsprechung von Schwester Faustynas Beichtvater und geistlichem Begleiter Michal Sopocko am 28. September in Bialystok ein. Als Faustyna sich von 1933 bis 1936 in Wilna (Litauen) aufhielt, war Sopocko (1888–1975) für sie eine unersetzliche Hilfe. Auf seine Empfehlung hin schrieb sie das Tagebuch. Er organisierte das Malen des Jesusbildes, seine Ausstellung zur öffentlichen Verehrung, die Verbreitung des Rosenkranzes zur Barmherzigkeit Gottes, die Bemühungen um die Einführung des Festes der Barmherzigkeit und die Gründung eines neuen Ordens.

Dazu sorgte Sopocko, der in Warschau und Wilna studierte, danach eine wissenschaftliche Laufbahn einschlug und außerdem im Priesterseminar in Bialystok arbeitete, mit seinen wissenschaftlichen Werken für die theologischen Grundlagen des neuen Kultes der Barmherzigkeit Gottes. „Oh mein Jesus, Du siehst, welch große Dankbarkeit ich für Professor Sopocko, der Dein Werk so weit vorangebracht hat, empfinde. Diese demütige Seele hat alle Stürme ausgehalten, sich durch Widerwärtigkeiten nicht entmutigen lassen, sondern Gottes Aufforderung treu befolgt“, schrieb Schwester Faustyna in ihr Tagebuch.

Die Seligsprechung in Bialystok vollzieht als Delegat des Papstes, Erzbischof Angelo Amato. Sie findet im Sanktuarium der göttlichen Barmherzigkeit in Bialystok statt. Dieses Sanktuarium wurde nach dem Tode Sopockos gebaut, dort ist auch sein Grab. Wie Sanktuariums-Pfarrer Andrzej Kozakiewicz gegenüber polnischen Medien sagte, sei diese Kirche „eine Realisation der Intentionen von Pfarrer Sopocko, welcher eine Kirche der Göttlichen Barmherzigkeit in Wilna gründen wollte“. Dann zerstörte jedoch der Krieg diese Hoffnungen. „Später wollte er dieselbe Kirche in Bialystok bauen, doch die kommunistischen Herrscher gaben dazu nicht die Erlaubnis.“

Die Organisatoren der Seligsprechungsfeier, an der nicht nur der polnische Episkopat, sondern auch Bischöfe aus Weißrussland und Litauen teilnehmen, erwarten 100 000 Pilger. Prediger ist der Erzbischof von Krakau und langjährige Sekretär Papst Johannes Pauls II., Kardinal Stanislaw Dziwisz halten. Schließlich war es Johannes Paul II., der Faustyna verehrte, sie selig- und heiligsprach und das Fest der Göttlichen Barmherzigkeit, an dessen Vorabend er verstarb, einführte.

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