Auf den Spuren des Ritters der Immaculata

Anna und Stefan Meetschens facettenreiches Porträt des heiligen Maximilian Kolbe. Von Regina Einig
Maximilian Kolbe
Foto: dpa | Kreativ und weitblickend packte der heilige Maximilian Kolbe seine Aufgaben an.
Maximilian Kolbe
Foto: dpa | Kreativ und weitblickend packte der heilige Maximilian Kolbe seine Aufgaben an.

Wie viele Heiligenviten erscheint auch das Leben des Märtyrers und Franziskanerminoriten Maximilian Kolbe (1894–1941) im Gedächtnis der Gläubigen stark verkürzt: Sein heroisches Lebensopfer vor 75 Jahren für einen Familienvater im deutschen Vernichtungslager Auschwitz ist weltweit bekannt, doch Jahrzehnte seines internationalen Apostolats liegen nahezu im Verborgenen. Anna und Stefan Meetschen vervollständigen ihre Trilogie großer polnischer Heiliger mit einem aktuellen Reiseführer auf den Spuren Pater Kolbes. Dabei beleuchtet das deutsch-polnische Übersetzerehepaar kenntnisreich die einzelnen Lebensstationen Kolbes und ordnet sie in den historischen Rahmen ein. Lebendig und unsentimental erzählt, stellt dieses schön bebilderte Buch die anschaulichste Lebensbeschreibung dar, die es bis heute über den Ordensmann in deutscher Sprache gibt. Station um Station wird Kolbes Biografie als Weg der Gnade gezeichnet: Schon die Kindheit in einer tiefgläubigen Weberfamilie in der russisch besetzten polnischen Provinz fordert dem auf den Namen Raimund getauften Jungen Opfer ab. Viele Umzüge der Eltern zwingen ihn, ein unstetes Leben zu führen. Was Gott mit ihm vorhat, offenbart die Muttergottes ihm in einer Vision in der St.-Matthäus-Kirche in Pabianice: Als Raimund sie fragt, was aus ihm werde, zeigt Maria ihm eine weiße und eine rote Krone; Symbole der Reinheit und des Martyriums – und fragt ihn, ob er dies wolle. Raimund sagt Ja.

Entscheidend wird für den Dreizehnjährigen eine Volksmission in Galizien: Begeistert von den Predigten des Provinzials der Franziskaner-Minoriten, treten Raimund und sein älterer Bruder Franz in das Ordensgymnasium in Lemberg ein, um selbst Franziskaner zu werden. Die schulische Ausbildung der Jungen wirft ein interessantes Licht auf den Familiensinn der Kolbes: Die Mutter siedelt im Einverständnis mit dem Vater in ein Benediktinerinnenkloster in Lemberg über, um den Söhnen näher zu sein. Raimund, der den Ordensnamen Maximilian erhält, qualifiziert sich rasch für verantwortungsvolle Aufgaben: Studium in Rom, Gründung der Vereinigung „Militia Immaculatae“ als die ritterliche Antwort auf die Freimaurerlogen, Lehrauftrag für Kirchengeschichte im Priesterseminar der Franziskaner-Minoriten in Krakau und schließlich der Beginn eines intensiven Presseapostolats, dessen Aushängeschild die Zeitschrift „Ritter der Immakulata“ wird. Dabei erweist sich der Ordensmann als prophetischer Seelenverwandter seines Landsmannes Karol Wojtyla und nimmt weitblickend die Neuevangelisierung in den Blick. Zu den Zielen der Zeitschrift gehört auch „die Bekehrung der Aber-Katholiken“. Gemeint sind Getaufte, „die bei vielen Idealen und Grundsätzen der Kirche ein ,aber‘ einwenden, weil sie dem bürgerlichen Alltagsdenken verhaftet sind“.

Zwischen den Zeilen leuchtet die Standfestigkeit des künftigen Märtyrers durch. Der ältere Bruder Franz lässt sich von der Kriegsbegeisterung des Ersten Weltkriegs mitreißen und tritt aus dem Orden aus, um ins Feld zu gehen, während Pater Maximilian seinen Gelübden treu bleibt. Gesundheitliche Rückschläge machen ihm ebenso zu schaffen wie Gerüchte: Als die Falschnachricht von seinem Tod im Orden kursiert und italienische Mitbrüder ein Requiem für ihn feiern, sieht er sich zum Dementi gezwungen. Doch der Totgeglaubte bewirkt noch viel für seinen Orden und die Kirche: Die Kapitel über Kolbes Wirken in Weißrussland, Japan und insbesondere die Gründung der Klosterstadt Niepokalanów zeichnen eindrucksvoll das vielseitige apostolische Wirken des Heiligen nach. Dieser weiß genau, „wer hier den Fahrplan des Erfolgs bestimmt: die Gottesmutter“.

Stimmig ist der Vergleich Pater Kolbes mit dem deutschen Publizisten Fritz Gerlich. Beide widersetzten sich dem Nationalsozialismus mit publizistischen Mitteln und gerieten deswegen ins Visier der Gestapo. Dass die Franziskaner in der Klosterstadt Niepokalanów Juden Schutz boten, spricht nicht nur für den Geist christlicher Nächstenliebe. Die Opferhaltung der Franziskaner-Minoriten zeigte sich auch nach der Verhaftung Maximilian Kolbes: Zwanzig Mitbrüder boten sich der Gestapo im Gegenzug als Häftlinge für seine Freilassung ein. Das Buch leuchtet auch das geistliche Szenario aus, in dem Kolbes Opfertod im Konzentrationslager möglich wurde. Die Lektüre dieses kompakten und zugleich geistlich dichten Reiseführers führt nicht auf die Spuren eines Einzelgängers, sondern mitten in ein Kapitel Kirchengeschichte. Eine Novene zum heiligen Maximilian Kolbe rundet das Bändchen ab.

Anna und Stefan Meetschen: Mission Immaculata – Eine Pilgerreise mit Maximilian Kolbe. Fe-Medienverlag, Kißlegg, broschiert, 60 Seiten, EUR 5,–

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