Altlandesbischof Müller: Ökumene ist ein Bußruf

Braunschweig (DT/idea) Ökumene ist nach Ansicht des braunschweigischen Altlandesbischofs Gerhard Müller auch mit einem Bußruf an die Protestanten verbunden. „Wo haben wir umzukehren, Buße zu tun und den schmalen Weg zum Leben zu beschreiten?“, fragt er in einem Artikel, der vom Braunschweiger Marienstift veröffentlicht wird. Wer beispielsweise das gemeinsame Abendmahl von der römisch-katholischen Kirche fordere, müsse sich auch fragen lassen, warum nicht in evangelischen Gottesdiensten an jedem Sonntag das „Mahl des Herrn“ gefeiert werde, wie es bei Orthodoxen und Katholiken üblich ist, so Müller. Er stand von 1982 bis 1994 an der Spitze der braunschweigischen Landeskirche; von 1990 bis 1993 war er auch Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD). Wie der 82-jährige Theologe betont, beschränke sich die Ökumene nicht auf das Verhältnis von römisch-katholischer und evangelischer Kirche; vielmehr umfasse sie die gesamte Christenheit, also Katholiken, Orthodoxe, Lutheraner, Reformierte, Anglikaner, Charismatiker, Pfingstler, Baptisten, Methodisten und andere christliche Gruppen. Wenn man dies nicht beachte, verfalle man in einen „Provinzialismus“, den sich keine Kirche im Zeitalter der Globalisierung leisten könne. Die Evangelischen seien auch nicht die „Antreiber“ der Ökumene, sondern die „Angetriebenen, weil uns gesagt wird: Wo ist denn Einheit unter euch?“ Das machten die teilweise jahrhundertelangen Auseinandersetzungen etwa um Kinder- oder Glaubenstaufe oder um das Abendmahlsverständnis zwischen Reformierten und Lutheranern deutlich. Protestanten würden auch gefragt: „Wo haltet ihr euch eigentlich wirklich an euren Maßstab, an die Bibel, wenn ihr Frauen zu Pfarrerinnen und Bischöfinnen einsetzt? Wie ist das bei euch mit der ehelichen Treue und der Sexualität? Hört ihr wirklich auf Gott oder auch auf das, was heute dran zu sein scheint?“ In diesen Fragen stehen die Orthodoxen, so Müller, „näher an Rom“ als an den Evangelischen. Müller plädiert dafür, die Gespräche mit Kirchen aller Konfessionen fortzusetzen und sich dabei bereichern und korrigieren zu lassen.

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