Alle wollen den Papst in Kairo

Staatspräsident, Kopten-Papst, Muslime und Katholiken laden Franziskus ein – Der Vatikan bestätigt die Reise. Von Guido Horst

Rom (DT) Es kommt nicht oft vor, dass es eine vierzeilige Ankündigung des vatikanischen Presseamts sofort in die großen Medien schafft. Noch vor Fatima und Kolumbien und vor Indien und Bangladesch wird Papst Franziskus am 28. und 29. April der ägyptischen Hauptstadt Kairo seine Aufwartung machen. Das hat Vatikansprecher Greg Burke am vergangenen Samstag mitgeteilt. In seiner schriftlichen Erklärung heißt es, der Papst folge der Einladung von Staatspräsident Al-Sisi, der katholischen Bischöfe des Landes, des Patriarchs der Koptischen Kirche, Papst Tawadros II., und des Imam der Al-Azhar Moschee, Scheich Ahmed Mohammed Al-Tayyeb.

Es wird die achtzehnte internationale Reise von Franziskus sein und die vierte in ein mehrheitlich muslimisches Land – nach Jordanien und der Türkei 2014 und Aserbaidschan 2016. Sie ist von herausragender interreligiöser und ökumenischer Bedeutung für die Beziehungen mit der koptischen Kirche und zum sunnitischen Islam, zu dessen Al-Azhar Universität in Kairo als einem bedeutenden Repräsentanten der muslimischen Welt der Vatikan im Februar 2016 wieder die Beziehungen aufgenommen hatte, nachdem ein Aufruf von Benedikt XVI., die Christen in Ägypten besser zu schützen, für eine fünfjährige Eiszeit zwischen Rom und der Al-Azhar Universität gesorgt hatte. Der Papst hatte den jetzt offiziell bestätigten Besuch in Ägypten in dem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ etwas sybillinisch als „Studienreise“ angedeutet und das vatikanische Presseamt erklärte dazu, eine solche Reise sei noch in einer „Studienphase“. Relativ schnell – im Gegensatz zu Indien und Bangladesch – kam jetzt die Bestätigung. Das Programm der Visite soll bald veröffentlicht werden.

Papst Johannes Paul II. hatte im Jahr 2000 den Sinai und somit Ägypten besucht, aber nicht die Hauptstadt. Ziel von Franziskus wird jetzt nur Kairo sein, ein Ort, in dem Christen nicht sicher sind. Zuletzt hatte es am 11. Dezember vergangenen Jahres ein Gemetzel gegeben, als bei einem Anschlag auf die koptische Peter-und-Paul-Kirche neben der Markus-Kathedrale in Kairo nach unterschiedlichen Angaben 25 bis 29 Menschen ums Leben kamen.

Der Einladung des Papstes durch die Al-Ahzar Universität nach Kairo waren einige Schritte vorausgegangen. Am 22. und 23. Februar hatte der Präsident des vatikanischen Rats für den interreligiösen Dialog, Kardinal Jean Lous Tauran, an einem Symposium der Islam-Hochschule teilgenommen und bei dieser Gelegenheit auch eine gemeinsame Erklärung für das gemeinsame Eintreten gegen Fanatismus und Gewalt im Namen der Religion unterzeichnet. Bereits am 23. Mai hatte es im Vatikan eine Begegnung zwischen Papst Franziskus und Scheich Ahmed Mohammed Al-Tayyeb von der Al-Azhar Moschee gegeben, womit beide Seiten den Dialog nach jahrelanger Unterbrechung wieder aufnahmen.

Die katholische Kirche in Ägypten ist eine kleine Minderheit mit etwa dreihunderttausend Mitgliedern in einem muslimisch geprägten Land mit etwa neunzig Millionen Einwohnern. Aber auch einige mit Rom unierte Ostkirchen haben einige tausend Personen umfassende Gemeinschaften in Ägypten. Die Katholiken des Landes erhoffen sich von dem Papstbesuch eine Stärkung angesichts der Tatsache, mit einer starken muslimischen Mehrheit zusammenleben zu müssen. Die Visite sei auch „eine Art, die christlichen Märtyrer zu ehren, die des Glaubens wegen getötet wurden“, sagte jetzt der Sprecher der koptisch-katholischen Bischofskonferenz, Rafic Greiche, dem Pressedienst Asianews. Aber Franziskus werde in Ägypten „von allen“ erwartet. Der ägyptische Staatspräsident, die katholischen Bischöfe und der koptische Patriarch sowie der Großimam von Al-Azhar hätten „mit Nachdruck“ um einen Besuch gebeten. „Der Papst kommt, um die zahlenstärkste Christengemeinde des Orients zu stärken und uns in unserem Zusammenleben mit den Muslimen zu stärken“, meinte Sprecher der Bischofskonferenz. „Wir wussten von seiner Absicht, aber wir kannten nicht das Datum“, so Greiche.

Die Beziehungen Roms zur koptisch-orthodoxen Kirche Ägyptens sind gut, das Verhältnis zwischen Papst Franziskus und dem koptischen Papst Tawadros II. ist freundschaftlich. Franziskus, der den Kopten-Papst immer als Bruder bezeichnet, rief ihn im vergangenen Dezember nach dem blutigen Anschlag eigens an, um ihm seine Gefühle der Nähe und des Mitleidens auszudrücken, wie Tawadros II. später in einem Interview mitteilte. Bei der Gelegenheit nannte das koptische Kirchenoberhaupt den Papst einen „vom göttlichen Geist inspirierten Mann“. Er sei mit Franziskus am 10. Mai 2013 im Vatikan zusammengetroffen und an jenem Tag habe er gespürt, „dass er mein gesegneter Bruder ist, der uns mit seinem Gebet und mit seiner geistlichen Erfahrung unterstützt – und mit seiner schriftlichen Verkündigung, die für unser Leben ein großer Gewinn sein kann“. In diesem Interview mit der Nachrichtenagentur SIR der italienischen Bischöfe sprach der koptische Patriarch von seinem lebhaften Wusch, „dass Seine Heiligkeit unser Ägypten besucht“. Jetzt geht dieser Wunsch in Erfüllung.

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