Die Wochenheiligen

Zwei Priester und ein Leiden: Die seligen Märtyrer von Rosica

Kurz vor der Jahrtausendwende sprach Papst Johannes Paul II. viele Märtyrer des zweiten Weltkrieges selig. Unter ihnen die Priester Georg Kaszyra und Antonius Leszczewicz. Die beiden, die gemeinsam in einem Missionszentrum tätig waren, wurden bei lebendigem Leib verbrannt.

Antonius Leszczewicz
Antonius Leszczewicz stammte aus einer polnischen Familie aus der Gegend um Vilnius, hatte in St. Petersburg Theologie studiert und nach seiner Priesterweihe fast 25 Jahre als Missionar in China gedient. Foto: KIN

Im nördlichen Weißrussland liegt das Dorf Rosica, das heute eine Gedenk- und Pilgerstätte ist: Unweit der Dreifaltigkeitskirche, die Tag und Nacht geöffnet ist, steht ein großes Holzkreuz, das die Stelle bezeichnet, an der 1.528 Dorfbewohner begraben liegen, die im Februar 1943 grausam ermordet wurden. Im Rahmen der „Operation Winterzauber“, durch die die deutsche Wehrmacht zur Partisanenbekämpfung eine 40 Kilometer breite „bevölkerungsfreie“ Pufferzone zur Sowjetunion schaffen wollte, wurden die Menschen in Häusern und Stallungen zusammengetrieben und bei lebendigem Leib verbrannt. Unter ihnen waren die katholischen Priester Georg Kaszyra und Antonius Leszczewicz (Foto), die 1999 zusammen mit 106 weiteren Märtyrern des Zweiten Weltkriegs von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen wurden.

Kaszyra: Marienmesse auswendig gelernt, um sie in Gefangenschaft feiern zu können

Georg Kaszyra wurde am 4. April 1904 in einer Bauernfamilie in Aleksandrovo unweit von Rosica geboren und orthodox getauft, konvertierte aber mit 18 Jahren zum katholischen Glauben seiner Mutter. Zwei Jahre später trat er in den Orden der Marianer von der Unbefleckten Empfängnis ein, der in jenen Jahren vom Erzbischof von Vilnius, dem seligen Jurgis Matulaitis, wiederbelebt und erneuert worden war und eine Schule und ein Noviziat in Georgs Heimatregion in der Ortschaft Druya eröffnet hatte. Nach den Ordensgelübden studierte er Philosophie an der Päpstlichen Universität „Angelicum“ in Rom und anschließend Theologie am Seminar in Vilnius. Am 20. Juni 1935 empfing er die Priesterweihe, war anschließend als Ordensausbilder und Lehrer in Druya und Vilnius tätig und kam 1938 nach Rasna in Ostpolen, wo er als Oberer des örtlichen Marianerklosters diente.

Als nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs infolge des Hitler-Stalin-Pakts der östliche Teil Polens von den Sowjets besetzt wurde, begann eine harte Zeit: Der Landbesitz der Marianer in Rasna wurde konfisziert, um eine Kolchose zu errichten, die Ordensmänner vertrieben. Georg Kaszyra hielt sich zunächst an verschiedenen Orten versteckt, da er befürchten musste, nach Sibirien verschleppt zu werden. In dieser Zeit lernte er die Marienmesse auswendig, um sie eventuell in Gefangenschaft feiern zu können.

1942 kam er nach Rosica, in das Gebiet, aus dem die Sowjets durch die deutsche Wehrmacht verdrängt worden waren, und schloss sich hier seinem vierzehn Jahre älteren Ordensbruder Antonius Leszczewicz an, der die unter der Sowjetherrschaft zerstörte katholische Pfarrei wieder aufgebaut hatte.

Leszczewicz: 25 Jahre Dienst als Missionar in China

Antonius Leszczewicz stammte aus einer polnischen Familie aus der Gegend um Vilnius, hatte in St. Petersburg Theologie studiert und nach seiner Priesterweihe fast 25 Jahre als Missionar in China gedient. Dort lernte er die Marianer kennen und bat um Aufnahme in den Orden. Über Rom, wo er am 27. Februar 1938 von Pius XI. den päpstlichen Segen empfing, reiste er nach Druya, um das Noviziat zu beginnen. Ein Jahr später legte er die Ordensgelübde ab. Als 1941 die sowjetische Grenze nach Osten verschoben wurde, baten die Katholiken in den ehemals sowjetischen Gebieten die Marianer um pastorale Hilfe.
So wurde die Dreifaltigkeitskirche in Rosica zum Missionszentrum unter der Leitung von Pater Leszczewicz, dem sich ein Jahr später Pater Kaszyra anschloss.

Um Weihnachten 1942 wurden die Ordensmänner gewarnt, dass die Wehrmacht Säuberungsaktionen plane. Sie entschlossen sich, die Bevölkerung nicht alleinzulassen und blieben in Rosica.

Am 16. Februar brach ein Inferno aus: Häuser wurden in Brand gesetzt, die Bevölkerung zusammengetrieben, Fliehende erschossen. Arbeitsfähige Menschen wurden selektiert und in ein Lager abtransportiert, die übrigen in Hütten und Stallungen gesperrt, mit Benzin überschüttet und angezündet – die Menschen verbrannten qualvoll bei lebendigem Leib, darunter auch die beiden Priester: Pater Leszczewicz am 17. und Pater Kaszyra am 18. Februar.

Seit dem Ende des Krieges wurden an dem Massengrab in Rosica immer wieder Blumen gepflanzt und Kerzen entzündet, was jahrzehntelang von staatlicher Seite untersagt blieb. Erst 1987 entstand die heutige Gedenkstätte.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe hier.