Köln

Woelki verteidigt Umgang mit Kölner Missbrauchsstudie

Der Kölner Kardinal Raine Maria Woelki hat die Veröffentlichung der Studie zu Missbrauchsfällen im Erzbistum verschoben und zudem einen neuen Gutachter beauftragt. Dass einige deshalb enttäuscht, verunsichert und empört seien, versteht er, hält aber an seinem Vorgehen fest.

Woelki verteidigt neues Gutachten
Durch Experten habe man den Hinweis erhalten, dass das bislang nicht veröffentlichte Erstgutachten der Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) untauglich sei, so Woelki. Foto: Arne Dedert (dpa)

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat seine Entscheidung verteidigt, die Veröffentlichung der unabhängigen Untersuchung zu Missbrauchsfällen im Erzbistum Köln zu verschieben und die Studie von einem neuen Gutachter erstellen zu lassen. Er verstehe zwar, wenn einige „enttäuscht, verunsichert und empört“ seien, erklärte Woelki gegenüber dem Internetportal „domradio.de“.  Er sei jedoch überzeugt, so Woelki, dass diese Entscheidung richtig sei.

Woelki will Namen der Verantwortlichen nennen

Durch Experten habe man den Hinweis erhalten, dass das bislang nicht veröffentlichte Erstgutachten der Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) untauglich sei. „Jetzt gehen wir den Weg, der der Richtige ist, und davon bin ich überzeugt“, so Woelki. Das Erzbistum hatte Ende Oktober mitgeteilt, dass der Kölner Strafrechtsexperten Björn Gercke mit einer neuen Untersuchung zum Thema Missbrauch beauftragt worden sei. Zugleich wurde darüber informiert, dass das WSW-Gutachten wegen methodischer Mängel nicht veröffentlicht werde. 

Das neue Gutachten werde nach Ansicht Woelkis dazu beitragen, Klarheit zu schaffen und den Blick auf die gemeinsamen und unveränderten Ziele zu lenken. Dazu gehöre, mögliche Fehler und Versäumnisse von Verantwortlichen klar zu benennen. „Denn Verantwortung ist persönlich, und zur Aufarbeitung gehört, dass Entscheidungsträger Rechenschaft ablegen für ihr Tun und Unterlassen.“ Auch will Woelki die Namen der Verantwortlichen nennen und organisatorische, strukturelle oder systematische Fehler und Versäumnisse der Kirche feststellen. 

Neues Gutachten im März 2021

Der Strafrechtsexperte Gercke soll sein Gutachten nun spätestens am 18. März 2021 vorlegen. Dann werde man laut Woelki Antworten auf drängende Fragen erhalten: „Welche Umstände haben das Leid und die Taten begünstigt? Wer hat falsch gehandelt oder an falscher Stelle das Handeln unterlassen? Aus diesem „ungeschönten Blick auf uns selbst“ müssten dann Konsequenzen gezogen werden.  DT/mlu

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe hier.