Würzburg

Glaubenskurs Teil 23: Wie kann man Beten lernen?

Der multimediale Glaubenskurs von „Tagespost“, Youcat und Radio Horeb media.

Boote
Boote Foto: Adobe Stock

Wie kann man Tango lernen? Indem man Tangoschritte mit einem erfahrenen Tangotänzer einübt. Wie kann man Autofahren lernen? Indem man sich einem guten Fahrlehrer anvertraut und heimlich auf dem Parkplatz übt. Wie kann man Beten lernen? Manche berichten von einem autodidaktischen Weg. Es gibt ja das berühmte Sprichwort „Not lehrt beten“. Jemand, der während des Zweiten Weltkrieges Nächte in Luftschutzkellern erlebt hat, versicherte mir einmal: „Glaub mir, da war auch nicht ein einziger, der dort nicht gebetet hätte!“ Aber offenkundig hielt die Lektion nicht lange vor. Nach dem Krieg kam das Wirtschaftswunder – und viele, die mit dem Leben davongekommen waren, schienen schnell vergessen zu haben, dass sie den allmächtigen Gott auf Knien um Errettung aus höchster Not angefleht hatten. Kann ja auch „Zufall“ gewesen sein, sagte man sich, dass die Bomben im Nachbarhaus einschlugen.

Wenn du nach Gott suchst und nicht weißt, wo du anfangen sollst, lerne zu beten und mache dir die Mühe jeden Tag zu beten.
Mutter Teresa (1910–1997)

Wenn man autodidaktisch lernt, gewöhnt man sich manches Falsche an. Man könnte Gott zum Beispiel mit einem Notfallschalter verwechseln: Schlagen sie im Notfall die Scheibe ein! Man möchte mit Gott so viel zu tun haben wie mit der Notaufnahme im Krankenhaus. Toll, dass es so etwas gibt, aber besser, man braucht sie nicht. Besser man kommt ohne Gott durch‘s Leben. Wirklich? In der Vergrößerung sieht man, wie schräg das ist. Mutter Teresa erinnerte ihre Schwestern immer wieder daran, dass Gott nichts mehr als unsere Liebe erhofft: „Nicht nur, dass er euch liebt, sondern mehr noch, dass er sich brennend nach euch sehnt. Ihr fehlt ihm, wenn ihr euch ihm nicht nähert. Er liebt euch ständig, auch wenn ihr euch dessen nicht würdig fühlt. Wenn ihr von den anderen nicht angenommen werdet oder ihr euch manchmal selbst nicht annehmen könnt – so ist er derjenige, der euch immer annimmt.“

Im Gebet sein heißt, in Beziehung sein

Was Gott will – und wozu er das Gebet gemacht hat – das ist eine Beziehung. Ein Verhältnis der Freundschaft. Dass man sich meldet. Dass man füreinander da ist. Dass man intimen Austausch miteinander hat. Dass man sich aufeinander verlassen kann (soweit auf Menschen Verlass ist). Im Gebet sein heißt nichts anderes, als in Beziehung zu sein. In einer festen Beziehung mit Gott. Es ist beim Christsein wie bei Facebook, wo man sein Profil anlegen und auch seinen Beziehungsstatus angeben kann. Viele schreiben hier wie dort: „Es ist kompliziert“. Ja, es ist wirklich kompliziert bis unmöglich, wenn man Christ sein möchte, aber nur ein paar Rituale abliefert. Wie soll eine Beziehung lebendig bleiben, man keine Zeit für Beziehungspflege – sprich: für das Gebet – hat?

Im Youcat heißt es in der Antwort zu Frage 499: „Wer nicht regelmäßig betet, wird bald gar nicht mehr beten.“ In der Heiligen Schrift empfiehlt Paulus sogar: „Betet ohne Unterlass!“ (1 Thess, 5,17). In der Folge ist freilich nicht die Rede davon, dass wir uns nun vom Morgen bis in die Nacht in Bitte-Bitte-Lieber-Gott-Rufen ergehen sollen. Wir dürfen wahrhaft aus unserer Not zu Gott schreien, aber es gibt eine Sorte Beten, die noch fundamentaler ist: „Dankt für alles; denn das ist der Wille Gottes für euch in Christus Jesus.“ (1 Thess 5,18)

Permanente Grundhaltung der Dankbarkeit

Wichtiger also als Gott (in Lebensgefahr, bei Klassenarbeiten und wenn man mal wieder beruflich voll abgelöst hat) mit Bittgebeten zu bestürmen, ist es offenkundig in eine permanente Grundhaltung der Dankbarkeit zu kommen. Und keinen Augenblick aus dem großen Dank herauszufallen.

Auch das kann man autodidaktisch lernen, indem man mit offenen Augen durch die Welt geht, und sich angewöhnt, sein Staunen über die herrliche Natur an den Urheber zu adressieren. „Mein Gott“, heißt es in Psalm 8, „wie groß bist du! Herr, unser Herr, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde. Seh ich deine Himmel, die Werke deiner Finger, Mond und Sterne, die du befestigt: Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, du hast ihn gekrönt mit Pracht und Herrlichkeit. Alles hast du gelegt unter seine Füße: Schafe und Rinder, sie alle und auch die wilden Tiere, die Vögel des Himmels und die Fische im Meer, was auf den Pfaden der Meere dahinzieht. HERR, unser Herr, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde!“

  • YOUCAT 486: Warum sollen wir Gott bitten?
  • YOUCAT 499: Wann soll man beten?
  • YOUCAT 510: Ist es möglich, immer zu beten?
  • YOUCAT 494: Wie kann mein Alltag eine Schule des Gebets sein?
  • YOUCAT 488: Warum sollen wir Gott danken?
  • YOUCAT 473: Welche Bedeutung haben die Psalmen fur unser Beten?

 

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Rückblick

  1. Glaubenskurs auf katholisch