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Wie ein Drittes Vatikanum

Die Einberufung einer zweijährigen Weltbischofssynode ist ein gewaltiges Projekt. Jetzt wird sich in der Praxis zeigen, was Papst Franziskus unter einer synodalen Kirche versteht.

Bischofssitzung im Vatikan
Realisten werden zur Kenntnis nehmen, dass so manche Kopfgeburten und Fixierungen des deutschen Gremienkatholizismus und Theologenstands auf einem weltweit begangenen synodalen Weg keinen Bestand haben werden. Foto: Alessandra Tarantino (AP)

Es ist ein Mammutprojekt wie ein Drittes Vatikanisches Konzil. Natürlich entspricht die von Rom jetzt ausgerufene Weltsynode in Raten, die im Oktober dieses Jahr beginnen und im Oktober 2023 enden wird, nicht der Geschäftsordnung eines Ökumenischen Konzils. Auch wird sich wohl zum krönenden Abschluss nicht der ganze Weltepiskopat mit dem Papst in Rom versammeln. Immerhin ist die Zahl der Bischöfe in der Welt auf fast fünftausend angewachsen – da wäre eine Logistik nötig, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt.

Beim Zweiten Vatikanum zogen noch zweieinhalbtausend Bischöfe in die Konzilsaula, den Petersdom, ein. Da sieht man einmal, wie die Kirche in der Zwischenzeit gewachsen ist. Aber die Wirkungen und Signale, die von der bevorstehenden Bischofssynode mit dem Thema „Für eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Partizipation und Mission“ ausgehen können, wären mit denen eines ordentlichen Konzils zu vergleichen. Ende des Klerikalismus, Einbettung von mehr Laien in die Kirchenführung, wie das im Vatikan schon lange der Fall ist, Frauen in Leitungspositionen – und vor allem: Mission und Evangelisierung in einer säkularen Welt, in der der katholische Glaube zu verdunsten scheint.

Deutschland wieder ein Teil des Ganzen

Man wird sehen müssen, wie die Protagonisten des Synodalen Wegs in Deutschland auf diese überraschende Wende in der universalen Kirchenführung reagieren werden. Die besonders Kecken werden sagen, die Weltsynode sei von den Deutschen angestoßen worden, am deutschen Wesen beginne die Kirche jetzt zu genesen. Andere werden sagen, dass das Großereignis ganz auf der Linie von Papst Franziskus liegt, der sich seit Beginn seines Pontifikats synodalere Kirche wünscht. Realisten werden aber auch zur Kenntnis nehmen, dass so manche Kopfgeburten und Fixierungen des deutschen Gremienkatholizismus und Theologenstands auf einem weltweit begangenen synodalen Weg keinen Bestand haben werden. Denn synodale Prozesse in der Kirche haben eine Methode, die sich mit der basisdemokratischen Grundstimmung auf dem Synodalen Weg nicht verträgt.

Kirche als hierarchische Gemeinschaft

Mit der Ankündigung der Weltsynode haben jetzt alle Bischöfe der Welt vom Generalsekretär der römischen Bischofssynode, Kardinal Mario Grech, nochmals die Ansprache erhalten, die Franziskus am 17. Oktober 2015 in Rom bei der Fünfzig-Jahr-Feier der Errichtung der Bischofssynode durch Paul VI. gehalten hat. Einige Kostproben aus diesem Schlüsseltext des Papstes: „Durch die Synodenväter handeln die Bischöfe als authentische Hüter, Ausleger und Zeugen des Glaubens der ganzen Kirche, wobei sie verstehen müssen, diesen von den oft wechselhaften Strömungen der öffentlichen Meinung zu unterscheiden.“

Oder: „Die Tatsache, dass die Synode immer ,cum Petro et sub Petro’ handelt – also nicht nur ,cum Petro’, sondern auch ,sub Petro’ – ist keine Begrenzung der Freiheit, sondern eine Garantie für die Einheit.“ Und: Der Papst sei das sichtbare Prinzip und Fundament für die Einheit der Vielfalt von Bischöfen und Gläubigen. „Damit verbindet sich das Konzept der ,hierarchischen Gemeinschaft’, das vom Zweiten Vatikanischen Konzil angewandt wurde.“ Die bald startende Weltbischofssynode könnte für Deutschland bedeuten, dass die dortigen Bischöfe das Gesetz des Handelns beim Synodengeschehen zwischen Rhein und Oder wieder in die Hand bekommen.   

Lesen Sie ein ausführliches Thema der Woche zum geplanten synodalen Prozess unter Federführung Roms in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

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