Hamburg

Wie dramatisch die finanzielle Schieflage im Erzbistum Hamburg ist

Wegen der Corona-Krise und der Schließung kirchlicher Einrichtung verschärft sich die dramatische Lage im Hamburger Erzbistum weiter.

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Die durch Corona bedingten Verluste sind für das Hamburger Erzbistum nur schwer wieder auszugleichen und drohen die Erfolge bei der schon länger laufenden Haushaltsanierung nach hinten zu verschieben. Im Bild: die Hamburger Domschule St. Marien. Foto: Axel Heimken (dpa)

Wenn ein Schiff auf dem Ozean in „Schieflage“ gerät, funkt der Kapitän in der Regel ein „SOS“, weil meist der Untergang nicht zu verhindern ist. Wie die am Dienstag veröffentlichten Prognosen für das Jahr 2020 im Erzbistum Hamburg zeigen, muss wegen der Corona-Krise und der Schließung kirchlicher Einrichtung mit einer sich verschärfenden, dramatisch zu nennenden Schieflage gerechnet werden.

Elf Prozent niedrigere Einnahmen im ersten Halbjahr 2020

Der neu ernannte Verwaltungsdirektor des Erzbistums, Alexander Becker, dem die bisherigen administrativen Aufgaben des Generalvikars Ansgar Thiem übertragen wurden, gab einen düsteren Ausblick auf die ohnehin angeschlagene Finanzsituation des Erzbistums. Im ersten Halbjahr 2020 seien die Einnahmen um 6,6 Millionen oder elf Prozent geringer ausgefallen als geplant, wie der Wirtschaftsrat des Erzbistums jetzt von Becker informiert wurde. Für das gesamte Jahr 2020 prognostizierte er einen Rückgang um 15 Millionen Euro, womit die Einnahmen um etwa 25 Prozent unter den Erwartungen für das Jahr 2020 liegen würden. „Auch in den kommenden Jahren werden wir das Niveau der Zeit vor Corona wohl nicht mehr erreichen“, so Becker. 

Diese Verluste seien, so der Verwaltungsdirektor „nur schwer wieder auszugleichen“ und würden „die Erfolge bei der schon länger laufenden Haushaltsanierung nach hinten“ verschieben. Geplante Neueinstellungen würden daher kritisch überprüft, Ausgaben im Sachkostenbereich beschränkt und Investitionen zeitlich aufgeschoben. Im Immobilienbereich würden weiterhin nur Sicherungsmaßnahmen durchgeführt und Investitionen nur dort genehmigt, wo sie unabdingbar seien.

Renovierung der Bistumsgebäude scheint aussichtslos

Gerade die letztgenannten Einschränkungen treffen das Erzbistum besonders stark, da es sich bereits seit Ende 2017 in einer „finanziellen Schieflage“ befindet, wie die Analyse der Wirtschaftsberatungsgesellschaft Ernst & Young gezeigt hat. Die damals festgestellte „bilanzielle Überschuldung“ von 353 Millionen Euro bis zum Jahr 2021 wurde zwar in der Zwischenzeit durch verschiedene Maßnahmen und Berechnungen etwas reduziert, aber nach wie vor scheint die Renovierung der teils maroden etwa 1.000 Gebäude des Bistums aussichtslos. Damals wurden Sanierungskosten von 158 Millionen Euro bis zum Jahr 2021 errechnet. 

Wenn es nun heißt, dass „weiterhin nur Sicherungsmaßnahmen durchgeführt“ werden können, liegen die Probleme einer dramatischen Schieflage des gesamten Erzbistums offen zutage. Rechnet man die steigenden und nicht kürzbaren Personalkosten, die ungeklärte Finanzierung der Rücklagen und Pensionsrückstellungen hinzu, was die Gesamtsituation des Erzbistums äußerst bedrohlich erscheinen lässt.  DT/heb

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