Bonn

Was macht eigentlich der Synodale Weg?

Die Corona-Krise bringt die Reformdebatte von DBK und ZdK zum Stillstand - und den Fahrplan möglicherweise durcheinander.

Proteste der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd)
Am Rande ersten Synodalversammlung des Synodalen Weges protestierten Mitglieder der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) für ihre Anliegen. Foto: Synodaler Weg

Corona bringt möglicherweise den Fahrplan des Synodalen Wegs durcheinander. Wie die KNA am Montag meldete und dieser Zeitung von der Bischofskonferenz bestätigt wurde, wurden an das Präsidium Bitten herangetragen, die für September in Frankfurt am Main geplante Vollversammlung deutlich nach hinten zu verschieben. Ende April hatten die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken als gemeinsame Veranstalter des Dialogforums noch erklärt, am Termin festhalten zu wollen, dies aber von der weiteren Entwicklung abhängig gemacht. Die Corona-Krise erschwert bereits jetzt die Arbeit der vier Foren, die Vorlagen für die Beschlussfassung in der Vollversammlung erarbeiten sollen. DBK-Sprecher Matthias Kopp teilte der "Tagespost" auf Anfrage am Dienstag mit, dass im Moment gut überlegt werden müsse, was gehe und was nicht gehe. "Das Präsidium wird die Entscheidungen in den nächsten Wochen treffen."

Maria 1.0 für Verschiebung der Vollversammlung

Dorothea Schmidt von Maria 1.0 spricht sich derweil bereits jetzt für eine Verschiebung der Vollversammlung aus. Die junge Frau ist Mitglied des Synodalen Wegs und hat an der ersten Vollversammlung teilgenommen. Gegenüber der "Tagespost" erklärte sie am Dienstag: "Eine Verschiebung wäre aus zweierlei Gründen sinnvoll: Zum einen, weil in den Foren nicht alles wie geplant erarbeitet und der Synodalversammlung vorgestellt werden kann und zum anderen, weil wir uns jetzt vor allem mit wirklich wichtigen Fragen beschäftigen sollten: Wie können wir Menschen zu Jesus führen, sie für Gott begeistern?". Behandelt werden müssten auch die Folgen des Verbots öffentlicher Gottesdienste. "Was bewirken die physischen Gottesdienstverbote in uns Menschen? Welche Bedeutung hat die Eucharistie für viele Gläubige und die Kirche insgesamt überhaupt noch? Ist zum Beispiel eine Gewöhnung an die bequeme Variante des Gottesdienstes per Livestream zu erwarten? Verliert die Eucharistie noch mehr an Bedeutung, da sie auch von vielen Bischöfen nicht entschieden verteidigt wird?", fragt Frau Schmidt.

Die inhaltliche Arbeit der Veranstaltung nimmt sie als zum Stillstand gekommen wahr. "Es scheint, dass der Synodale Weg schläft. Aus persönlichen Gesprächen weiß ich, dass in zwei Foren viel Organisatorisches besprochen wurde, inhaltlich ist indes wenig passiert." Für Nicht-Foristen habe sich derweil wenig geändert: "Wie die Foren aktuell arbeiten und was besprochen und beschlossen wird, wird nicht öffentlich gemacht. Das erfahren auch die übrigen Synodalmitglieder erst wenige Wochen vor der nächsten Versammlung. Ich weiß auch nur aus persönlichem Austausch, dass bislang vor allem organisatorische Fragen aufgegriffen worden sind und dass Bekehrung und Neuevangelisierung nach wie vor als wenig relevant angesehen werden." Ein anderes Mitglied des Synodalen Wegs bestätigt diese Einschätzung, möchte allerdings ungenannt bleiben. "Ich habe den Eindruck, dass der Synodale Weg ziemlich auf Sand gelaufen ist. Das öffentliche Interesse tendiert auf Null; und davon hat ja der ,Aufbruch  einigermaßen gelebt."

Bundesweiter Predigerinnentag am kommenden Sonntag

Impulse bekommt die Veranstaltung jetzt von der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands kfd. In einer Pressemitteilung kündigte der Verband am Dienstag an, kommenden Sonntag erstmals einen bundesweiten Predigerinnentag in der katholischen Kirche in Deutschland veranstalten zu wollen. Erstmals werden demnach am Tag der Apostelin Junia zwölf Frauen, die als Geistliche Leiterinnen oder Begleiterinnen in der kfd aktiv sind, an zwölf Orten im Rahmen von Eucharistiefeiern und Wortgottesdiensten predigen. Die Geistliche Begleiterin der kfd, Ulrike Göken-Huismann, erklärte: "Ich verstehe unsere Aktion auch als Beitrag der kfd zum Synodalen Weg der Kirche in Deutschland: Die Rücknahme des Predigtverbotes für Lai*innen in der Eucharistiefeier wäre ein kleiner, aber wichtiger Schritt im Hinblick auf die notwendige Erneuerung der Kirche."

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