Köln

Was ist ein Priester?

"Digital Synodal" deckt theologische und ideologische Grenzen der Diskussionen des Synodalen Wegs auf.

"Digital Synodal": Wohin driftet der Synodale Weg, wenn der Glaube aus dem Blick verloren geht.
Einmal mehr stellt sich nach dieser Folge von "Digital Synodal" die Frage, wohin der Synodale Weg driftet, wenn der Glaube als bestimmende Mitte aus dem Blick verliert. Foto: (106949122)

Frauenpriestertum und Zölibatsabschaffung. Das bestimmte das Gerede bei der dritten Folge von "Digital Synodal" des BDKJ am Montag vergangener Woche. Die Anmoderation kündigte vorsorglich schon mal keine "besonders tiefgreifende Diskussion" an. Der erste Teil der Online-Veranstaltung stand denn im Zeichen einer Vorstellung des Synodalen Wegs und der Vorstellung der Teilnehmer   und ihrer ganz im Sinne der Reformagenda formulierten Erwartungen. 
Mit Stephan Buttgereit vom SKM Bundesverband, Lioba Speer vom ZdK, Frater Simon Hacker OP, Michaela Labudda vom Bundesverband der Gemeindereferentinnen und Franziska Kleiner, Jugendreferentin im Erzbistum Berlin, diskutierten Vertreter des Synodalen Wegs in der dritten Folge des BDKJ-Panels "Digital Synodal" (Vgl. Seite 9 der DT vom 25.6.) zum Synodalforum "Priesterliche Existenz von heute" mit jungen Katholiken. Via "Zoom" schaltete sich eine beträchtliche Zahl junger Katholiken hinzu, die mit der verordneten Agenda fremdelte.

Das naturrechtlich fundierte Menschenbild infrage gestellt

Dabei war der Akzent weniger darauf gerichtet, konkret von einer theologisch reflektierten Auffassung des Weihesakramentes die Herausforderungen für Priester in den Blick zu nehmen, als von den "Humanwissenschaften" rein horizontal Fragen der sexuellen Identität und Reife in den Fokus zu rücken. Teilnehmer der Kleingruppen kritisierten denn auch, dass seitens der Vertreter des Synodalen Wegs nicht aufgrund des biblischen und naturrechtlich fundierten Menschenbildes argumentiert wurde, sondern im Sinne der LGBT-Ideologie der Vielfalt. Betonung fand vor allem, dass es um priesterliche Charismen gehe, die nicht geschlechtsspezifisch seien. Die Einführung des Frauenpriestertums als Ergebnis des Synodalen Wegs wurde in den einführenden Ausführungen Stephan Buttgereits als zu erwartendes Ergebnis vorausgesetzt. Die Themen Priesterausbildung und priesterlicher Dienst müssten daher nicht nur im Hinblick auf Männer seitens des Forums thematisiert werden, sondern auch im Hinblick auf Frauen.

In den Kleingruppen meldeten sich, so berichten Teilnehmer, auch viele Kritiker der Reformagenda zu Wort. "Herr Buttgereit unterstellte allen, die sich negativ oder zumindest kritisch zur LGBT-Ideologie äußern, eine latente Homosexualität, die darüber kompensiert werden solle", kritisiert Student Jonas gegenüber der "Tagespost". Vertreterinnen aus den laienpastoralen Diensten hätten explizit die "aktuelle Verfassung der Kirche als eine sakrale Hierarchie abgelehnt, weswegen auch ein Frauenpriestertum, bei grundsätzlicher Bejahung dieses Konzepts, als fragwürdig herausgestellt wurde, da Strukturen der Macht nach wie vor in der Kirche herrschen würden".

Eine Synodale lernt, was ein katholischer Priester ist

In einer anderen Kleingruppe musste einer Vertreterin des Synodalen Wegs in der Gruppenarbeit erschlossen werden, was ein katholischer Priester ist, berichten die Teilnehmer. "Auf der Suche nach einer gemeinsamen Diskussionsgrundlage sind da einige Schwierigkeiten schon bei den absoluten Grundlagen des katholischen Glaubens aufgetreten...", berichtet Student Vinzent. Insgesamt sei eine ganzheitliche Begründung des Zölibats vielen Teilnehmern nicht geläufig: "Die Tradition der Kirche sollte wieder viel stärker in den Mittelpunkt gestellt werden". Subjektive Argumente für oder wider den Zölibat reichten nicht aus. Genauso wenig jedoch reichten Autoritätsargumente. 

Teilnehmer an "Digital Synodal" resümierten positiv, dass in den Kleingruppen, die für die Medienvertreter nicht zugänglich waren, fruchtbar diskutiert wurde. Jedoch sei im Plenum durch bewusst selektive Auswahl der Diskussionsergebnisse und fehlender Möglichkeit zu widersprechen, den zugeschalteten Medien sowie den Teilnehmern suggeriert worden, dass die Abschaffung des Zölibats und die Einführung des Frauenpriestertums Konsens sei.

Wesentliche Defizite hinsichtlich des Glaubenswissens

Kritische Stimmen waren sich darin einig, dass die Diskussionen wesentliche Defizite hinsichtlich des Glaubenswissens aufdeckten, gerade auch bei Beteiligten der offiziellen Foren des Synodalen Wegs. Ein junges Ehepaar, das an "Digital Synodal" teilnahm, stellte fest, dass "von vielen Teilnehmern die Bibel nach Gutdünken und gerade passend ausgelegt wurde, sie teilen quasi das ,fides quae  nicht, weshalb es sehr schwer sei, überhaupt zu diskutieren, da es an der Basis dazu fehlt".

Insofern überrascht auch nicht die Wahrnehmung der Teilnehmer, dass die Vertreter des BDKJ offenbar ernsthaft davon überrascht waren, dass abweichende Meinungen überhaupt bei "Digital Synodal" vertreten wurden. Einmal mehr stellt sich nach dieser Folge des BDKJ-Panels die Frage, wohin der Synodale Weg driftet, wenn er den Glauben als bestimmende Mitte aus dem Blick verliert, und die argumentative, theologisch solide Auseinandersetzung in Allgemeinplätzen versandet. Als größtes Defizit des Abends dürfte man aber festhalten, dass trotz des großen Anteils von Priestern in der Vollversammlung des Synodalen Wegs kein Priester das Wort ergreifen dürfte. Man diskutiert an den Betroffenen vorbei, mit Argumenten, die der Sache fremd sind. Kein Wunder, dass das geistliche Leben des Priesters, die Mitte seiner Identität, in der Präsentation von "Digital Synodal" keine Rolle spielte. 

 

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