Vatikanstadt

Walter Brandmüller: Der Luther-Bann war notwendig

Der Kardinal widerspricht der Forderung deutschen Theologen, die Exkommunikation des Reformators durch Leo I. zurückzunehmen.

Walter Brandmüller zum Luther-Bann
Die Thesen Martin Luthers würden auch heute noch wegen Widerspruchs zur verbindlichen Lehre der Kirche die Exkommunikation nach sich ziehen, meint der deutsche Kurienkardinal Walter Brandmüller. Foto: Francesco Pistilli (KNA)

Die Exkommunikation, die Leo X. im Jahr 1521 über Martin Luther verhängt hat, war inhaltlich in vollem Umfang gerechtfertigt, ja notwendig. Dieser Auffassung ist der Kirchenhistoriker Walter Kardinal Brandmüller. In einem Exklusiv-Beitrag für die „Tagespost“ schreibt er, jede der Thesen, die der Reformator in seinen so genannten Kampfschriften des Jahres 1520 – „An den christlichen Adel“, „Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche“ und „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ – formuliert hatte, würde auch heute noch wegen Widerspruchs zur verbindlichen Lehre der Kirche die Exkommunikation nach sich ziehen.

Theologen appellieren an den Papst

Katholische und evangelische Theologen in Deutschland hatten zuvor an Papst Franziskus appelliert, die historische Bannbulle von Papst Leo X. gegen Luther außer Kraft zu setzen. Zugleich solle der Lutherische Weltbund Luthers Verdikt gegen den Papst als „Antichrist“ zurücknehmen, heißt es in einer zu Pfingsten veröffentlichten Erklärung des Altenberger Ökumenischen Gesprächskreises: Die ökumenischen Bemühungen zwischen Katholiken und Lutheranern seit dem Zweiten Vatikanum hätten dazu beigetragen, die damaligen Ereignisse in einem neuen Licht zu sehen. Dem 1999 in Altenberg bei Köln begründeten Kreis gehören nach eigenen Angaben etwa dreißig Theologen an, unter ihnen die Tübinger Professorin für Dogmatik und Ökumenische Theologie, Johanna Rahner.

Luther löste eine Zersplitterung aus

Brandmüller dagegen hält nichts davon, Geschichte auf diese Weise zu revidieren: „Versuche dieser Art, Geschichte ungeschehen zu machen, stoßen ins Leere.“ Eines sei klar: „Auf den Protest Luthers und der anderen folgten erbitterte Religionskriege, zuletzt zum Teil auch der Dreißigjährige Krieg“, schreibt der Kirchenhistoriker. „Noch viel schlimmer war es jedoch“, so der Kardinal weiter, „dass auf Luthers Aufstand ein bis heute andauernder Prozess der Zersplitterung erfolgte, der zu einer in die Hunderte gehenden Anzahl sich auf Luther berufender, doch voneinander distanzierender ,Kirchen’ geführt hat. Luther hatte den Deckel der Pandora-Büchse des religiösen Subjektivismus gelüftet – wer weiß, ob er je wieder geschlossen werden kann“.

DT/gho

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