Körperliche Unversehrtheit von Heiligen

Unverweste Heilige: Hoffnung auf die künftige Auferstehung

Das Phänomen intakt aufgefundener Körper von Heiligen ist keine Seltenheit und stärkt den Glauben an die Auferstehung. Körperliche Unversehrtheit darf aber nicht zum ausschließlichen Indikator für Heiligkeit werden.

Carlo Acutis
Am 3. Mai jährt sich der Geburtstag des seligen Carlo Acutis zum 30. Mal. Im Zuge seines Kanonisierungsverfahrens ist sein Grab geöffnet worden. Der Selige soll „komplett zusammenhängend, nicht unversehrt, aber mit den Organen“ geborgen worden sein. Foto: MASSIMILIANO MIGLIORATO/CPP / via www.imago-images.de (www.imago-images.de)

Am 3. Mai jährt sich der Geburtstag des seligen Carlo Acutis zum 30. Mal. Im Zuge seines Kanonisierungsverfahrens ist sein Grab geöffnet worden – nicht nur zur Umbettung nach Assisi, sondern auch zur Untersuchung auf eine mögliche Unverwestheit. Zunächst gab der Postulator im Kanonisierungsprozess Nicola Gori mit gewisser Zurückhaltung zu verstehen: „Nach dem, was ich gehört habe, ist der Körper intakt.“ Mittlerweile korrigierte der Rektor der Kirche Santa Maria Maggiore in Assisi Bruder Carlos Acácio Gonçalves Ferreira, der Körper sei „komplett zusammenhängend, nicht unversehrt, aber mit den Organen“ geborgen worden. Dennoch bewundernswert angesichts des Todes im Jahre 2006. Sein wundersamer Zustand reiht sich in die Liste vieler bekannter Heiligen ein wie Bernadette Soubirous, Jean Marie Vianney oder Pater Pio.

Unverweslichkeit kein ausschließlicher Indikator für Heiligkeit

Das Phänomen der Unverwestheit ist zu unterscheiden von einer wissenschaftlich erklärbaren Konservierung eines Leichnams wie bei einer Mumifizierung. In diesem Fall ist der Leichnam komplett ausgetrocknet und hart, was auf verschiedene Faktoren zurückzuführen ist. Eine Unverwestheit oder zumindest eine teilweise Unversehrtheit des Leichnams als übernatürliches Zeichen wird erst festgestellt, wenn äußere Einflüsse für eine Konservierung ausgeschlossen werden können. So ist zum Beispiel der Leichnam der heiligen Magdalena-Sophie Barat komplett unverwest geborgen worden, obwohl der Sarg komplett von Pilzen befallen und teilweise zerfallen war. Ähnliches wird vom heiligen Karl Borromäus, der heiligen Katharina von Siena sowie der heiligen Katharina Labouré berichtet. Einige Heilige sind nur eine Zeit lang unverwest geblieben, bevor zum Beispiel ein Mumifizierungsprozess einsetzte wie bei der heiligen Rita von Cascia.

Es gibt verschiedene körperliche Manifestationen, die mit den Jahren an vielen verschiedenen Heiligen wahrgenommen worden sind: Verbreitet ist das Phänomen geschmeidiger Haut und weichen Gewebes sowie biegsamer Gelenke. Oft sind die inneren Organe noch ganz unverwest, selbst bei zerfallenen Hautpartien, weshalb eine Wachsschicht auf die befallene Haut gelegt wird. Das ist auch beim jüngst Seliggesprochenen sowie bei vielen bekannten Heiligen wie Pater Pio der Fall. Zur Ausstellung eines Sarkophags werden die Leichname also durchaus behandelt, was ihrer wundersamen Unversehrtheit aber keinen Abbruch tut. Dennoch ist gründlich zu überprüfen, ob es sich bei einem Heiligen tatsächlich um das Phänomen der Unverweslichkeit handelt oder nicht. Eine solche darf darüber hinaus nicht zum ausschließlichen Indikator für Heiligkeit werden, da zahlreiche Heilige den normalen Verwesungsprozess durchlaufen haben und dennoch kanonisiert worden sind.

Unverweste Heilige: Hoffnung auf die künftige Auferstehung

Dagegen existieren Berichte von Leichnamen, bei denen die Totenstarre komplett ausgeblieben oder die Körpertemperatur bestehen blieb. Auch ist von einigen Heiligen der Austritt von frischem Blut beobachtet worden wie bei der heiligen Katharina von Bologna. Eine weitere Beobachtung ist das Ausströmen wohlriechender Öle oder allgemein von Wohlgerüchen. Dies ist zum Beispiel bei der heiligen Teresa von Ávila der Fall. Dieser „odor sanctitatis“ ist als Gegenzeichen des Verwesungsgeruchs zu verstehen, so der Mariologe und Patrologe Manfred Hauke im Gespräch mit dieser Zeitung.

Doch was hat es damit auf sich, dass manche Heilige entweder ganz unversehrt oder kaum verwest geborgen werden? Hauke wörtlich: „Die Unverwestheit ist ein bewegendes Zeichen Gottes, das Gott uns Menschen gibt, um auf die Hoffnung der künftigen Auferstehung zu weisen und die Heiligkeit von Glaubenszeugen zu unterstreichen.“ Man kann also durchaus einen Zusammenhang zur leiblichen Auferstehung herstellen.

Verwandelung des Leibes

Schon das Zeugnis der Heiligen Schrift sowie Aussagen der Kirchenväter belegen die leibliche Auferstehung als Zeichen der Endzeit, die mit Christus angebrochen ist. So macht Hauke auf die ersten biblischen Hinweise im Alten Testament aufmerksam – 2 Makkabäer 7,9; 12,43f sowie Daniel 12,2f. Sodann skizziert er eine leibliche Auferstehungshoffnung zur Zeit Jesu, ausgenommen bei den Sadduzäern, das Gespräch mit Marta von Betanien in Johannes 11,24, die Verklärung Jesu, das leere Grab am Ostertag und die Begegnung des Auferstandenen mit dem Apostel Thomas, der dessen Wunden berühren darf. Hauke betont aber auch: „Christus ist leiblich auferstanden, aber sein Leib ist dabei verwandelt worden (1 Korinther 15, 12-55).“

Über Maria sagt er: „Aufgrund der engen Verbindung Mariens mit Jesus zeigt sich später auch die Überzeugung der leiblichen Aufnahme Mariens in die himmlische Herrlichkeit; hinzu kommt die Überlieferung von ihrem leeren Grab am Ölberg in Jerusalem, die auf die älteste Zeit zurückgeht.“ Der Mariologe erklärt, dass dieses Ereignis in apokryphen Quellen thematisiert werde und mit dem archäologischen Befund auch übereinstimme, die Kirche sich jedoch weniger auf diese äußeren Belege berufe: „Der Glaube der Kirche stützt sich nicht auf die Apokryphen, sondern auf den inneren Zusammenhang zwischen der Gestalt Mariens und ihrem Sohn, der aus ihr die menschliche Natur angenommen hat.“

Verheißung für die Wiederkunft Christi

Nach dem Glaubensbekenntnis der Kirche ist Jesus geboren „aus Maria der Jungfrau“; die menschliche Leiblichkeit Jesu stammt allein von seiner Mutter. Maria hat als Mutter und „Gefährtin des Erlösers“ teilgenommen am Leben Jesu, das sich in der Auferstehung vollendet“. Beide antizipieren, was den Menschen in der Nachfolge Christi noch bevorsteht, auch den Heiligen: „Die leibliche Auferstehung, die wir für uns erhoffen, ist verheißen für die Wiederkunft Christi am Ende der Welt. Sie ist keine bloße Bewahrung des irdischen Leibes und keine Rückkehr in das Erdenleben. Sie ist vielmehr mit einer Verklärung des Leibes verbunden, die unseren irdischen Leib dem glorreichen Leib Christi ähnlich macht. Die relative Unverweslichkeit bei manchen Heiligen, wie sie gelegentlich auch noch Jahrzehnte nach dem Tode bei der Exhumierung zum Vorschein kommt, ist nicht zu verwechseln mit der vollständigen Unverweslichkeit des verklärten Leibes nach der Auferstehung am Ende der Zeiten.“

Schließlich hängt die leibliche Auferstehung auch mit der Eucharistie zusammen. Es ist die Botschaft Gottes an uns, wie es der heilige Irenäus schon im zweiten Jahrhundert den Häretikern Paroli bot: „So gehören auch unsere Leiber, wenn sie die Eucharistie empfangen, nicht mehr der Verweslichkeit an, sondern haben die Hoffnung auf Auferstehung.“

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