Vatikanstadt

Viganò-Aufruf: Kardinal Müller weist Kritik an Unterschrift zurück

Pandemie werde nicht geleugnet, so Müller gegenüber "Tagespost". Interessierte kirchliche Kreise wollten Empörungskapital aus Text schlagen.

Müller reagiert auf Kritik an Viganò-Appell
„Es wird so hingestellt, als ob die Pandemie selbst erfunden wäre, um Panik zu machen, was ja absurd ist“, so Kardinal Müller. Foto: A4658/_Andreas Arnold (dpa)

Kurienkardinal Gerhard Müller hat Kritik an seiner Unterschrift unter einem von Ex-Nuntius Carlo Maria Viganò verfassten Aufruf zurückgewiesen. Gegenüber der „Tagespost“ sagte der emeritierte Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre am Sonntag auf Anfrage: „Natürlich haben interessierte kirchliche Kreise diesen Viganò-Text benutzt, um daraus Empörungskapital gegen ihre vermeintlichen Gegner zu schlagen. Jeder nennt jetzt jeden Andersdenkenden Verschwörungstheoretiker. So waren es beispielsweise finstere konservative Kräfte, die den Papst bei der Amazonassynode ausgebremst haben.“

Der von Kardinälen, Bischöfen und katholischen Laien unterzeichnete Text, in dem die Einschränkung fundamentaler Freiheiten im Zuge der Corona-Bekämpfung kritisiert und vor Panikmache gewarnt wird, werde zudem bewusst missverstanden. „Es wird so hingestellt, als ob die Pandemie selbst erfunden wäre, um Panik zu machen, was ja absurd ist.“ Sein Augenmerk, so Müller, habe zudem auf der zum Teil unzulänglichen kirchlichen Reaktion gelegen, nicht den medizinischen Aspekten der Krise. 

Müller: Zu Unrecht im Zentrum der Kritik

Der Kardinal sieht sich außerdem zu Unrecht im Zentrum der Kritik. „Dadurch, dass ich als Kardinal irgendwie als der Hauptprominente dieses Textes angesehen wurde, hat sich die Wahrnehmung auf mich konzentriert.“ Dabei habe er nichts weiter getan, als sich auf telefonische Anfrage hin mit dem Text als Aufruf zum sorgfältigen Umgang mit den publizistischen und politischen Nebenwirkungen, die diese furchtbare Pandemie in einigen nicht-demokratischen Ländern haben könne, im Allgemeinen einverstanden zu erklären. Den Text habe er dabei nicht als wissenschaftliche Analyse bewerten wollen.

Müller lud dabei zu Kritik ein: „Es ist falsch, immer alles zu polarisieren. Wer es besser weiß, kann doch mit sachlichen Argumenten wirkliche oder vermeintliche Irrtümer ruhig und gelassen richtig stellen. Wichtig für uns ist der Zusammenhang von Glauben und Vernunft zur Bewältigung der Folgen in leiblicher, sozialer und geistlicher Hinsicht“, so Müller, der bis 2017 der Glaubenskongregation vorstand.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, hatte sich am Samstag von dem Aufruf distanziert und erklärt, dass sich die Bewertung der Corona-Pandemie durch die Bischofskonferenz grundlegend von dem Aufruf unterscheide. 

DT/om

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