Würzburg

Der Synodale Weg, der Verlust der Metaphysik und der neue Kirchenvater Nietzsche

Wo die tieferen Ursachen für das religiöse Trümmerfeld liegen, das sich heute besichtigen lässt.

Büste von Friedrich Nietzsche
Welcher Zusammenhang zwischen dem Denken Nietzsches und der heutigen Lage der Kirche besteht, darüber schreibt der Philosoph und Kultur-Redakteur Alexander Riebel im Feuilleton der Tagespost. Foto: Martin_Schutt (dpa)

In einem Feuilleton-Beitrag der kommenden „Tagespost“ zieht der Philosoph und Kultur-Redakteur Alexander Riebel eine Bilanz der aktuellen Wirrungen der Kirche.  „Die Ermüdungserscheinungen des Katholizismus sind deutlich“, so Riebel. „Nicht nur in Deutschland, auch anderswo wollen Hirten, Priester, Ordensfrauen und Laien neue Wege gehen. Das sind Wert-Setzungen, von denen sich die Kirche zu Recht bisher immer unterschieden hat. Will sie überhaupt noch metaphysisch sein, oder ist es der Wille zur Macht, der jetzt spricht? Der synodale Weg ist solch eine Veranstaltung, bei der Werte gesetzt werden, ohne dass es für die Kirche wertvoll wäre. Es sind Werte aus dem Raum des Weltlichen.“

"Wohin ist Gott?" - "Wir haben ihn getötet - ihr und ich!"

Schon Friedrich Nietzsche, so Riebel, habe vor einem solchen Verhalten gewarnt: „Dass wir nicht unsere ,Wünschbarkeiten‘ zu Richtern über das Sein machen!“ Diese totale neue Wertsetzung mit der Aufhebung alles bisher Gültigen und lieb Gewonnenen sei für Nietzsche der Nihilismus, der Verlust der Metaphysik. Zu diesem führe der Wille zur Macht, ein zentraler Begriff bei Nietzsche, der im Kern Wert-Setzung ist. Ja der Wertbegriff ist aus seiner Sicht der letzte Begriff der Metaphysik vor ihrem Zusammenbruch. Den tollen Menschen, er ist der Übermensch, lässt er sagen: „,Wohin ist Gott?‘ rief er, ,ich will es Euch sagen! Wir haben ihn getötet – ihr und ich! Wir Alle sind seine Mörder!‘“ 

„Das religiöse Trümmerfeld eines falsch verstandenen Katholizismus“, so Riebel, könne man nun besichtigen. „Nichts Menschliches deutet darauf hin, dass dieses Trümmerfeld in den nächsten Jahren kleiner werden wird. Im Gegenteil: Ist es nach dem subjektiv-anthropologischen turn der Theologie der 50er, 60er und 70er Jahre nicht stetig gewachsen?“

DT/mee

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