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Tony Flannery - Der irische Rebell

Der Redemptorist wird gemaßregelt für Thesen, die deutsche Bischöfe ganz offen vertreten. Die Glaubenskongregation hat nie mit ihm gesprochen.

Tony Flannery
Der Redemptorist wird gemaßregelt für Thesen, die deutsche Bischöfe ganz offen vertreten. Die Glaubenskongregation hat nie mit ihm gesprochen. Foto: privat

Der Ire Tony Flannery ist Redemptorist und fragt sich, warum ausgerechnet er wegen Forderungen, die in Deutschland inzwischen zum priesterlichen und bischöflichen Mainstream gehören, sein Priesteramt nicht öffentlich ausüben kann.

Der 1947 geborene Gründer einer Priestervereinigung, die sich den Primat des Gewissens auf die Fahnen geschrieben hat, wurde 2012 vom Dienst suspendiert, weil er öffentlich für die Zulassung von Frauen zum Weiheamt und den Segen der Kirche für homosexuelle Paare eintritt. Im Februar diesen Jahres hatte der Generalobere der Redemptoristen die Glaubenskongregation darum gebeten, dem Mitbruder wieder die öffentliche Ausübung seines Priesteramts zu gestatten.

Kein Rat vom Kardinal

Flannery kam damit wieder auf dem Radar der Glaubenskongregation. Am 22. September fragte Vatikankorrespondent Joshua MacElwee deren Präfekten, Kardinal Luis Ladaria SJ, was er dem Pater rate. Ladaria beantwortete die Frage mit dem Hinweis, dass er, wenn er einen Rat für Flannery hätte, diesen persönlich übermitteln würde und betonte, die Glaubenskongregation habe alles getan, um mit Flannery in Dialog zu treten. Angesichts des Beharrens auf seinen Positionen sei eine Entscheidung aber unausweichlich gewesen. Was steckt dahinter?

Der Rebell

Flannery hatte eine formale Anfrage erhalten, ein Statement zu unterzeichnen, mit dem er seine Übereinstimmung mit der Lehre der Kirche im Hinblick auf Homosexualität, gleichgeschlechtliche Partnerschaften, die Zulassung von Frauen zum Priesteramt und die Gendertheorie erklärt, um seinen Dienst wieder aufnehmen zu können. Doch er weigerte sich und veröffentlichte den Brief am 16. September auf seiner Website.

Ungewöhnliches Vorgehen

Dass Kardinal Ladaria in dieser Form öffentlich gegen einen Theologen vorgeht ist für das gegenwärtige Pontifikat ungewöhnlich. Flannerys Maßregelung ist gemäß der Lehre der Kirche folgerichtig, zumal er die priesterliche Autorität als Amtsanmaßung der frühen Apostel bezeichnet und eine Rückbindung an deren Berufung beim letzten Abendmahl bestreitet.

Dennoch stellt der Ire auf seiner Homepage eine nicht unwichtige Frage: „Ich bin gespannt, welche Maßnahmen er [Ladaria] gegen Kardinal Hollerich von Luxemburg oder eine Reihe deutscher Bischöfe, die ihre Offenheit für die Ordination von Frauen und die Fragen rund um die Lehre zur Homosexualität artikuliert haben, ergreifen wird. Werden wir sehen, wie ein Jesuit, Kardinal Ladaria, einen anderen, Kardinal Hollerich, zensiert? Ich glaube nicht.“ Und er sagt noch etwas, das zum Denken anregt: „Die Glaubenskongregation … hat nie direkt mit mir gesprochen.“

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