Berlin

Synodaler Weg: Liegt ein Konsens in der Luft?

Das Berliner Regionalforum zum Synodalen Weg war in erster Linie Hearing. In ruhiger Atmosphäre wurden Argumente ausgetauscht – und die Fronten abgesteckt.

Berlin: Synodaler Weg
Wird ein Konsens erreicht oder spricht man aneinander vorbei.

Mit Blick über die Dächer Berlins und des wiederaufgebauten Stadtschlosses der Preußen wurde in der Bundeshauptstadt über den zukünftigen Weg der katholischen Kirche in Deutschland gerungen. In ruhiger Atmosphäre, die aber nicht vorschnell zu einem Konsens erklärt wurde, tauschten sich die Synodalen unter der Führung des Hamburger Erzbischofs Stefan Heße sowie der Journalistin Claudia Nothelle aus.

Heße: Corona hat Reformbedarf verstärkt

Heße stellt zu Beginn klar, dass die Coronakrise den Reformbedarf noch deutlich verstärkt habe und unter welchem Druck die Beratungen des Synodalen Wegs stünden: Was die Kirche nach außen verlange, sei auch innen zu halten. Es gehe darum, Selbstreferentialität zu überwinden. Dabei wurde auch nicht mit Kritik an der Führung des Synodalen Wegs gespart. Der Erfurter Philosophieprofessor und katholische Theologe Eberhard Tiefensee ergriff unter anderen das Wort und kritisierte die mangelnde Transparenz der Prozesse des Synodalen Wegs – angefangen bei der Besetzung der „Synodalforen“ bis hin zu mangelnder Information über andere Mitglieder der Vollversammlung des Synodalen Wegs. Man kenne sich schlicht nicht. 

Während der Vormittag im Zeichen der Coronakrise und eines Rückblicks auf die ersten Monate des Synodalen Wegs stand, widmete sich der Nachmittag der Diskussion der Foren zur Rolle der Frau in der Kirche und zur kirchlichen Sexualmoral.

Wer sich um Einbindung theologischer Reflexion bemühte

Bei aller betont ruhigen und sachlichen Auseinandersetzung wurde hier deutlich, dass durchaus gegenläufige Ziele des Synodalen Wegs avisiert werden. Während einerseits ausschließlich von der „Lebensrealität“ und den Humanwissenschaften argumentiert wurde, bemühten sich insbesondere Erzbischof Heiner Koch, Bischof Wolfgang Ipolt, aber auch Tiefensee um Einbindung theologischen Reflexion.

Insgesamt standen bei der Diskussion der Arbeitsdokumente der beiden Foren Forderungen nach Überwindung der schöpfungstheologischen, binären Geschlechterordnung unvermittelt neben dem Hinweis, dass das christliche Leben notwendigerweise Umkehr und Buße einschließe, also dass es sich auch des Nicht-Gelingens bewusst sei. 

Differenzen in der Herangehensweise

Auch unter den einflussreichen Protagonisten des Synodalen Wegs, wie der Erfurter Dogmatikerin Julia Knop oder dem Berliner Sozialethiker Andreas Lob-Hüdepohl traten deutliche Differenzen in der Herangehensweise auf. Während Knop deutlich machte, dass sie davon ausgehe, dass Minderheitenvoten bei der Diskussion der endgültigen Textgestalt durchaus unberücksichtigt bleiben müssten, um eine eindeutige Reform zu erreichen, widersprach ihr Lob Hüdepohl deutlich. Es gehe zwar nicht um einen „kleinsten gemeinsamen Nenner“, aber doch darum, eine konsensfähige Vielfalt zur Geltung zu bringen. Es gehe schließlich um Synodalität.

Zum Abschluss des Regionalforum in Berlin fragte Heße, ob die in der Tat ruhigere Atmosphäre im Sinne eines Konsenses zu interpretieren sei. Doch die völlig unterschiedliche Herangehensweise und Beurteilung der theologischen, pastoralen und auch humanethischen Ausgangslage lässt anderes vermuten. Der Synodale Weg weiß auch über ein halbes Jahr nach seiner Eröffnung noch nicht, für wen er sprechen soll. So fragte der Berliner Generalvikar Manfred Kollig SSCC in die Runde der Synodalen, für wen man denn die Sexualethik umformulieren wolle. Für alle Menschen? Für jene mit einer Gottesbeziehung? Oder Katholiken. Sein Erzbischof legte nicht umsonst ganz im Sinne Romano Guardinis Wert auf die Frage, wo denn das Proprium des Alternativen, des Christlichen bleibe.

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