Frankfurt a.M.

St. Georgen: Regens teilt kritische Sicht der Seminaristen nicht

Pater Rieger SJ: Die im Abschlussbericht des Projekts „Betroffene hören – Missbrauch verhindern“ beschriebene Atmosphäre trifft auf unser Seminar im Wesentlichen nicht zu.

Dom in Limburg an der Lahn
Limburger Dom Foto: Frank Rumpenhorst (dpa)

Pater Herbert Rieger SJ, Regens des Priesterseminars St. Georgen in Frankfurt, teilt die kritische Sicht der Ausbildung in wesentlichen Punkten nicht, die drei Seminaristen im Zusammenhang mit der kürzlich vom Bistum Limburg vorgestellten Studie zur Verhinderung von Missbrauchsfällen erhoben hatten. Dem Abschlussbericht des Projekts „Betroffene hören – Missbrauch verhindern“ zufolge fühlen sich die zitierten Seminaristen "kontrolliert und einer intransparenten Machtfülle der Regenten ausgesetzt." Die Anforderungen der Ausbildung (curriculum) seien unklar bzw. ihnen nicht bekannt. Wörtlich heißt es im Bericht: "Das gesamte Ausbildungssystem im Seminar ist intransparent. Sie haben keinen Ausbildungsvertrag und keinen Mietvertrag. Sie führen je zwei Gespräche pro Semester mit den Regenten (St. Georgen und Heimatbistum). Die Regenten schreiben Gutachten über sie, die sie nicht einsehen können, die aber die Grundlage für die Entscheidung sind, ob sie geweiht werden oder nicht."

Missstände im Seminar

Im Interview mit dieser Zeitung zeigte sich Pater Rieger über diese Aussage überrascht. In Sankt Georgen sei es schon seit Jahren so, dass die Seminaristen "die zwei Eignungsgutachten, die während der Seminarzeit erstellt werden, einsehen und lesen können". Der Regens unterstrich, dass Ausbildung nur gelingen könne, wenn es ein offenes Feedback gebe – dazu dienten die Semestergespräche zwischen Regens und Seminaristen. Zudem hätten Seminaristen entsprechend der Rahmenordnung der Bischofskonferenz das Recht, dass ihnen Bedenken bezüglich der Eignung so früh wie möglich mitgeteilt werden. "Es sollte also für die Seminaristen keine nicht nachvollziehbaren Entscheidungen am Schluss der Ausbildung geben", stellte der Jesuit fest.

Mit Blick auf die Machtfrage verwies der Regens darauf, dass das Priesterseminar zusammen mit der Hochschule Sankt Georgen im Vorjahr mit der Erarbeitung eines institutionellen Schutzkonzepts begonnen habe. Darin werde benannt werden, wo es bei einem Machtgefälle besondere Transparenz und Kontrolle brauche.

DT/reg

 

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