Madrid

Spanien: Regierung will Benediktiner vertreiben

Nach der Umbettung General Francos soll das "Tal der Gefallenen" nun ganz umgewidmet werden. Damit geht in Spanien der Versuch weiter, die Geschichte umzuschreiben. Das Ziel ist eine "Neue Republik". Der Vorsitzende der spanischen Bischöfe legt sein Veto ein.

Tal der Gefallenen
Die Umbettung General Francos sollte nur der Anfang sein, jedenfalls wenn es nach den Vorstellung der Regierung geht. Die linke Regierung in Madrid will nun das ganze Mahnmal im "Tal der Gefallenen", das an alle Opfer des Bürgerkriegs erinnert, umwidmen - und die Benediktiner-Mö... Foto: via www.imago-images.de (www.imago-images.de)

Die am 23. Oktober 2019 vollzogene Umbettung des Diktators Francisco Franco aus dem „Tal der Gefallenen“ stellt sich nun lediglich als Vorspiel heraus. Die Pläne der sozialistisch-kommunistischen Regierungskoalition in Spanien reichen weiter. Vergangene Woche wurde im Kabinett eine Gesetzesvorlage genehmigt, die – nach der entsprechenden Verabschiedung im Parlament wohl zu Beginn des kommenden Jahres – als „Gesetz zum demokratischen Gedächtnis“ das „Gesetz zum historischen Gedächtnis“ (zur Aufarbeitung der Vergangenheit) des Kabinetts Rodriguez Zapatero von 2007 ersetzen soll.

Bei der Gesetzesvorlage geht es neben der Aufhebung aller politischen Urteile aus der Franco-Ära auch um eine Umwidmung des „Tals der Gefallenen“ in einen zivilen Friedhof, damit dort die „30.000 Opfer der beiden Bürgerkriegsseiten Frieden und Respekt haben“ können, so die Regierungsmitteilung. Dafür soll der ganze Komplex entweiht werden. Mit anderen Worten: Die Benediktiner sollen vertrieben werden.

Der Vorsitzende der spanischen Bischofskonferenz, Kardinal Juan José Omella, sprach sich in einem Interview mit dem Radiosender COPE eindeutig dagegen aus: „Ich würde den Politikern sagen: Warum legen Sie bestimmte Dinge nicht aufs Eis? Wir sollten nach dem suchen, was die Menschen wirklich interessiert. Meinen Sie, dass die Menschen so sehr daran interessiert sind, ob die Benediktiner die Abtei verlassen müssen oder nicht? Sie sind dazu da, um zu beten, um Gutes zu tun. Warum sollten jetzt Themen angegangen werden, die uns trennen und uns auf schwierige Zeiten zurückführen? Ich weiß, dass es in unserer spanischen Geschichte viele Wunden gibt, aber sie können uns vom Wesentlichen ablenken."

Umbettung Francos sollte nur der Anfang sein

In seinem Beitrag über den Rückzug der katholischen Bischöfe aus der spanischen Öffentlichkeit wies der bekannte spanische Kolumnist Juan Manuel de Prada darauf hin, dass sich die spanischen Bischöfe der Umbettung Francos gerade deshalb nicht widersetzt hätten, weil sie sich vom Erbe Francos zu distanzieren suchen. „Denn progressive Kreise werfen ihr gerade immer wieder vor, ein Erbe der Diktatur zu sein.“

Ein Beispiel dafür lieferte kürzlich der Erzbischof von Madrid Kardinal Osoro, der die Umwidmung begrüßte: „Das Tal der Gefallenen kann eine große Hoffnung sein. Wir können nun an diesem Ort Brüderlichkeit, Versöhnung und Frieden wiederherstellen. Dies gibt uns die Chance, zum Grundlegenden zurückzukehren. Wichtig sind dabei die Substantive: Kinder Gottes und Brüder und Schwestern aller Menschen. Es ist eine große Chance für uns alle.“

Ziel ist ein neues Narrativ

Die „damnatio memoriae“ des Franco-Regimes samt Vertreibung der Benediktiner gehört allerdings in einen größeren Zusammenhang. Denn bei dem neuen Gesetzentwurf geht es um ein ideologisch geladenes „Narrativ“, das an die  Zweite Republik (1931-1939) anschließen soll. Damit wären nicht nur die Franco-Zeit, sondern auch die 45 Jahre parlamentarische Monarchie als eine Art „Zwischenzeit“ anzusehen.

Unverhohlen sprach Pablo Iglesias, Vorsitzender der kommunistischen Podemos-, die mit der sozialistischen Partei die Regierungskoalition bildet, kürzlich von der ersehnten „Neuen Republik“, weil die Monarchie und die von ihr getragene Staatsform „in der Krise“ seien. Seine Ankündigung besitzt insofern besonderes Gewicht, weil Iglesias zugleich Vizepräsident der spanischen Zentralregierung ist.

Dass dies nur über eine Neuschreibung der Geschichte samt Verklärung der Zweiten Republik als lupenreiner Demokratie möglich ist, liegt auf der Hand. Denn sie war genauso chaotisch und von blutigen Kämpfen durchzogen wie etwa die Weimarer Republik in deren letzten Jahren, ganz zu schweigen von der Kirchenverfolgung, der Tausende Priester und Zehntausende einfache Katholiken zum Opfer fielen. Ob Kardinal Osoro dies bei seinem Statement mitbedacht hat?

 

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