Porträt der Woche

Pastor Alexander Garth: DDR-Missionar

Kurz nach seiner Ordination zum evangelischen Pfarrer wurde Alexander Garth aus der DDR ausgebürgert. Heute predigt er von derselben Kanzel, auf der auch Luther gepredigt hat.

Pastor A. Garth
Pastor Alexander Garth ist ein Freund klarer Worte. Das brachte ihm nicht nur Freunde ein. Foto: Seine Pfarrei

Pfarrer Alexander Garth (63) predigt heute auf der gleichen Kanzel der Wittenberger Marienkirche, wo einst der „Reformator“ Martin Luther mehr als 1500 Ansprachen hielt.

Nach Ordination aus der DDR ausgebürgert

Dass Garth an diesen prominenten Ort wirkt, wo die sogenannte Reformation und damit auch die Spaltung der lateinischen Christenheit im Jahr 1517 begann, war nicht vorhersehbar. Als Missionar, Gemeindegründer und reformfreudiger Pfarrer, der Klartext spricht, hatte er sich nicht nur Freunde gemacht. Nur zwei Jahre nach seiner Ordination zum evangelisch-lutherischen Pfarrer in Sachsen, war Garth 1987 zwangsweise aus dem „Paradies der Arbeiter und Bauern“ ausgebürgert worden, was ihn nicht daran hinderte, schon 1990 als Pfarrer nach Sonneberg in Thüringen zurückzukehren, um in einer Plattenbausiedlung eine neue Kirchengemeinde und einen Kindergarten zu gründen.

Dort lernte ich Alexander Garth erstmalig kennen und schätzen, da wir beide an Gemeindegründungsprojekten in evangelischen Landeskirchen arbeiteten und forschten. Ich staunte damals darüber, dass sich im atheistischen Osten um die 200 Gottesdienstbesucher in Garths neuer Gemeinde am Sonntag versammelten.

Mission auf dem „Friedhof der Missionare“ 

Ein neues missionarisches Projekt begann Pfarrer Garth mit seiner Frau Damaris und einem kleinen Team aus Sonneberg im Ostberliner Stadtteil Hellersdorf, wieder eine Plattenbausiedlung, die als „Friedhof der Missionare“ verschrien war. Dort gelang es dem Team, eine neue Gemeinde, die „Junge Kirche Berlin“ zu gründen, wo sich heute an zwei Standorten (Lichtenberg, Treptow) mehr als dreihundert, oftmals neue bekehrte Christen versammeln. Wo liegt das Geheimnis des Erfolges des heutigen Wittenberger Pfarrers, der in der einstigen Hochburg der Reformation, in der nur noch zwölf Prozent der Stadtbevölkerung zur lutherischen Landeskirche gehören, Menschen für den christlichen Glauben zu begeistern versucht?

Wie die missionarischen Bücher Garths beweisen, zeigt er klares Profil. Sein viel verkauftes Erstlingswerk: „Warum ich kein Atheist bin“ lehnt Gottlosigkeit ab und wirbt dafür, Christ zu werden. In seinem neuen, im Herbst erscheinenden Buch („Umkehren oder Untergehen“) bringt er die Dinge, die in der Kirche Christi falsch laufen, unerschrocken auf den Punkt. Von einer „reduktionistischen Christologie“, die Jesus auf ein Mini-Format als Sozialarbeiter und „guten Menschen“ reduziert, hält er nichts; dafür schätzt er umso mehr die Theologie des emeritierten Papstes Benedikt XVI.

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