Wien

Orthodoxie bekommt Wurzeln in Österreich

Mit Unterstützung von Papst Franziskus und Patriarch Bartholomaios startet das erste orthodoxe Klosterprojekt in Mitteleuropa.

Erstes orthodoxes Kloster in Österreich
In der orthodoxen Metropolie in Wien präsentierten (v.li.) Abt Paisios, Diözesansprecher Dominik Orieschnig, Metropolit Arsenios und Architekt Themistoklis Ioannou am Dienstag das Modell des ersten orthodoxen Klosters in Österreich. Foto: Franz Josef Rupprecht (kathbild.at)

Der Grundstein für das erste orthodoxe Kloster in Österreich wird am kommenden Samstag in St. Andrä am Zicksee, im Burgenland, gelegt. Kirchenpolitisch und ökumenisch ist das Klosterprojekt weit über Österreich hinaus von Bedeutung: Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios, gab dem Projekt seinen Segen; Papst Franziskus spendete dafür 100.000 Euro, die Kardinal Kurt Koch an Patriarch Bartholomaios und dessen Metropoliten von Austria, Arsenios Kardamakis, überreichte.

Errichtung des Klosters "ein Herzensanliegen"

Die Errichtung des Klosters nahe der ungarischen Grenze, am ehemaligen „Eisernen Vorhang“, sei ihm seit vielen Jahren „ein Herzensanliegen“, sagte Metropolit Arsenios bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Wien. Das Projekt sei von Anfang an „ein schwieriges, ja wagemutiges Unterfangen“ gewesen, so Arsenios, der dem Bischof von Eisenstadt, Ägidius Zsifkovics, für dessen „kirchenpolitische Pioniertat“ dankte. Dieser hatte das kirchliche Grundstück in St. Andrä am Zicksee, im burgenländischen Seewinkel, der Orthodoxie zur Verfügung gestellt.

Das Kloster soll laut Metropolit Arsenios „zu einem geistlichen Zentrum und Haus der gelebten Ökumene“ werden, vor allem aber ein „Ort der Begegnung mit Gott“. Mit dieser Klostergründung bekomme die Orthodoxie, die seit 300 Jahren in Österreich präsent ist, ihre Wurzeln, erklärte Arsenios auf eine Frage dieser Zeitung. „Für das geistliche Leben orthodoxer Christen ist das Kloster sehr wichtig.“ Bislang gebe es im gesamten mitteleuropäischen Raum kein solches geistliches Zuhause.

Bartholomaios musste absagen: wegen Pandemie und Politik

Zunächst hatte Patriarch Bartholomaios zugesagt, am Samstag persönlich zur Grundsteinsegnung ins Burgenland zu kommen. Doch die Corona-Pandemie und die wachsenden Spannungen zwischen der Türkei und der Europäischen Union ließen es dem Ökumenischen Patriarch von Konstantinopel ratsam erscheinen, in Istanbul zu bleiben. Als sein Vertreter in Mitteleuropa betonte Metropolit Arsenios, dass es sich um „ein Kloster des Ökumenischen Patriarchats, also der Mutterkirche“ der Orthodoxie handle, nicht um ein nationales Kloster. So stammt der Abt aus Deutschland, die Mönche aus Serbien, Griechenland und Polen.

Der Abt des neuen Klosters, Paisios Jung, schilderte anfängliche Missverständnisse und Animositäten in der Bevölkerung, die aber längst überwunden werden konnten. „Als die Leute sahen, dass wir Maria sehr verehren, hat sich die Stimmung verändert“, so Abt Paisios. Wie alle Klöster im Burgenland werde auch das neue orthodoxe Kloster der Gottesmutter gewidmet sein. Nach Angaben des Architekten soll die Kirche des Klosters „Maria Schutz“ innerhalb eines Jahres vollendet sein. Das Kloster selbst werde neben den Mönchszellen und dem Refektorium auch ein Gästehaus, eine Bibliothek und Werkstätten umfassen.
DT/sba

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