Wien

Österreich: Weniger Kirchenaustritte im Krisen-Jahr 2020

58.535 Katholiken kehrten im Vorjahr ihrer Kirche formal den Rücken. Die Gesamtzahl der Katholiken in Österreich liegt bei 4,9 Millionen. Vor Corona gingen rund zehn Prozent der Katholiken sonntags zur Messe.

Stephansdom Innenansicht
Leere Kirchen : ÖBK legt Statistik für 2019 vor. Steigerung der Einnahmen und weniger Gottesdienstbesuch. Foto: imago stock&people (www.imago-images.de)

4,9 von 8,9 Millionen Einwohner Österreichs gehören der katholischen Kirche an, das entspricht 55 Prozent. Nach Angaben der kirchenamtlichen Nachrichtenagentur „Kathpress“ von Mittwoch ist die Katholikenzahl in Österreich im Vorjahr wieder leicht zurückgegangen, aber weitgehend stabil. Demnach gab es im Krisen-Jahr 2020 einen Rückgang der Gesamtzahl von rund 1,5 Prozent.

Die Zahl der Kirchenaustritte ist 2020 gegenüber dem Vorjahr um 13,7 Prozent zurückgegangen. Insgesamt traten 58.535 Personen im Jahr 2020 aus der katholischen Kirche aus. 2019 waren es laut amtlicher Statistik 67.794. Alle österreichischen Diözesen melden einen Rückgang bei den Austrittszahlen. Im Laufe des Jahres 2020 wurden 3.807 Personen wieder oder neu in die Kirche aufgenommen. Das sind um 28,7 Prozent weniger als 2019.

Für den leichten Rückgang der Katholikenzahl macht man in den Ordinariaten nicht nur das Verhältnis von Kirchenaustritten zu Kircheneintritten verantwortlich, sondern vor allem die demografische Entwicklung, also etwa das Verhältnis von Taufen zu Sterbefällen und von Zuzügen zu Wegzügen.

Weniger Taufen und Trauungen 2019

Ebenfalls am Mittwoch veröffentlichten die österreichischen Diözesen die pastoralen Kennzahlen für 2019, in denen sich die Corona-Krise noch nicht spiegelt. Laut der amtlichen Kirchenstatistik 2019 ist die Zahl der in Österreich wirkenden Priester leicht gesunken: von 3.783 im Jahr 2018 auf 3.689.

Die Zahl der Taufen lag 2019 bei 44.977, gegenüber 47.312 im Jahr 2018. Die Zahl der kirchlichen Trauungen sank 2019 gegenüber dem Jahr davor deutlich, und zwar von 11.155 im Jahr 2018 auf 9.842. Die Zahl der kirchlichen Begräbnisse betrug 51.334, während es im Jahr 2018 noch 52.484 waren.

Rückläufig ist erneut die Zahl der sonntäglichen Gottesdienstbesucher: Wurden an den sogenannten Zählsonntagen 2019 zwischen 497.000 und 533.000 Messbesucher gezählt, so waren es 2018 noch zwischen 502.000 und 554.000 gewesen.

Mehr Einnahmen für die Diözesen

Gestiegen sind 2019 – also vor der Corona-Krise – neuerlich die Kirchenbeitrags-Einnahmen: 2019 waren es knapp 481 Millionen Euro, im Vergleich zu 474 Millionen Euro in 2018. Insgesamt verzeichneten die Diözesen Österreich 2019 Einnahmen in Höhe von mehr als 637 Millionen Euro. Dem stehen Aufwendungen von 641 Millionen Euro gegenüber. Der Großteil der Ausgaben entfällt mit über 397 Millionen Euro auf Personalkosten (62 Prozent) für 8.400 Beschäftigte. Dabei ist der Personalaufwand für Laienmitarbeiter höher als für den Klerus und beträgt über 234 Millionen Euro, also 37 Prozent der Aufwendungen. DT/sba

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