Freiburg i.Br.

Nachruf auf einen unbeugsamen Bekenner

Zum Tod des Fundamentaltheologen Joseph Schumacher.

Kollegiengebäude der Albert Ludwigs Universität Freiburg im Breisgau
Das Kollegiengebäude der Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg im Breisgau. Die Universität war die langjährige Wirkungsstätte des Verstorbenen. Foto: Peter Schickert / imago

Nach schwerer Krankheit starb am 27. September der Fundamentaltheologe Prof. Dr. Joseph Schumacher in der Uniklinik Freiburg. 1934 in Nottuln geboren, empfing er nach seinen Studien in Münster und Innsbruck 1959 die Priesterweihe. Zunächst als Kaplan und Gymnasiallehrer tätig, promovierte er 1973 mit einer Arbeit über den „Denzinger“; 1978 folgte die Habilitation über "Den apostolischen Abschluss der Offenbarung Gottes“ mit anschließender Lehrtätigkeit an der Universität Freiburg. 

Gefragter Redner

Joseph Schumacher war ein gefragter Redner auf zahlreichen akademischen Kongressen, er dozierte u.a. in der Gustav-Siewerth-Akademie, im Priesterseminar der Priesterbruderschaft St. Petrus und veröffentlichte über 60 wissenschaftliche Abhandlungen. Seit 1989 war er ordentliches Mitglied der Päpstlichen Akademie für Theologie, seit 1996 korrespondierendes Mitglied der Internationalen Päpstlichen Akademie für Mariologie. Neben seinen Vorlesungen und Forschungsprojekten war der Verstorbene stets ein eifriger Seelsorger, spendete treu die Sakramente und nahm sich Zeit für das persönliche Gespräch. Über Jahre hinweg hielt er Sonntag für Sonntag perfekt ausgearbeitete Predigten, die im Fromm Verlag und bei Bernadus erschienen sind.

Zahlreiche Schriften

Mit seinen Schriften „Beten mit der Kirche“ (fe 2004) sowie „Dismas: der gute Räuber“ (Theresia 2002) sprach er ein breites Publikum an. Streitbare Themen behandelte er in „Esoterik - die Religion des Übersinnlichen“ (Fromm, 2012), „Die Frau in den Religionen“ (Patrimonium 2015) sowie „Die Tragödie der abendländischen ‚Kirchenspaltung‘“ (Patrimonium 2017). Auf kath.net veröffentlichte der Professor eine siebenteilige Reihe über das Zweite Vatikanische Konzil und ein Interview über Organspende und Hirntod.

Zuletzt publizierte Joseph Schumacher die fundamentaltheologischen Standardwerke „Die Kirche Christi, ihre Genese und ihr Anspruch“ (2013), „Theologische Erkenntnislehre:“ (2014) sowie „Die Identität des Katholischen“ (2016). Das letztgenannte Buch gilt als eines der herausragenden theologischen Abhandlungen der jüngsten Zeit. Es behandelt die Prinzipien des Katholischen, zeigt Weite und Stringenz des Glaubens auf, beschreibt die Verfasstheit der Kirche und das Selbstverständnis des christlichen Abendlandes. Nirgendwo sonst wurde derart umfassend das et/et als katholisches Denkprinzip behandelt.

Rufer in der Wüste

61 Jahre lang hatte Professor Schumacher als katholischer Priester gewirkt, als authentischer Glaubenszeuge, als Rufer in der Wüste. Er führte ein zurückgezogenes Leben in monastischer Strenge. Schmähungen und Krankheit nahm er heroisch auf sich. Während er still litt, spendete er anderen Trost und Rat, war stets großzügig, half Menschen in Bedrängnis. Professor Schumacher war ein nüchterner Denker, ein vorbildlicher Priester, ein unbeugsamer Bekenner. Seine Beerdigung findet am Dienstag, den 6. Oktober um 10h00 in Freiburg-Littenweiler statt.

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