Nantes

Nach Brand der Kathedrale von Nantes: Verdächtiger wieder freigelassen

Einem 39-jährigen Mann, den die Polizei in Gewahrsam genommen hatte, konnte keine Verbindung zu dem Großbrand nachgewiesen werden. Die Ermittler gehen aber weiter von Brandstiftung aus.

Brand in Kathedrale von Nantes
Die Kathedrale von Nantes zählt zu den bedeutendsten Werken der französischen Spätgotik. Bei dem Großbrand am Samstag wurden die historische Orgel, Kunstgegenstände und Kirchenfenster zerstört. Foto: Sebastien Salom-Gomis (AFP)

Nach dem verheerenden Brand in der Kathedrale von Nantes ist ein am Samstag in Polizeigewahrsam genommener Verdächtiger wieder frei. Mehrere französische Medien melden übereinstimmend, dass der 39-jährige Mann aus Ruanda, der als Ehrenamtlicher für die Diözese Nantes arbeitete, am Sonntagabend entlassen worden sei. Der Staatsanwalt Pierre Sennès bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dass es keine weitere Strafverfolgung geben werde und der Mann nicht in Verbindung mit dem Feuer stehe. Der 39-Jährige soll für die Schließung der Kathedrale am Freitagabend zuständig gewesen sein. Die Ermittler gehen aber weiterhin der Hypothese der Brandstiftung nach.

Historische Orgel vollständig zerstört

Der Brand in der spätgotischen Kathedrale war am Samstagmorgen ausgebrochen. Da das Feuer an drei weit voneinander entfernt liegenden Stellen in der Kirche wütete, gingen die Ermittler bald von Brandstiftung aus. Auch die Elektrik der Kathedrale wird untersucht. Der Brand der Sankt-Peter-und-Paul-Kathedrale, der Erinnerungen an den Großbrand der berühmten Pariser Kathedrale Notre-Dame im April 2019 in Erinnerung ruft, hat verheerende Schäden hinterlassen: So wurde die historische große Orgel über dem Westportal vollständig zerstört; auch Kunstgegenstände wurden vernichtet; Kirchenfenster zerbarsten unter der Hitze. Experten gehen nun von jahrelangen Arbeiten an der Kathedrale aus.

Die Französische Bischofskonferenz zeigte sich schwer getroffen von der Katastrophe: Mit dem Brand sei ein wichtiger Teil des religiösen Erbes und ein Symbol des katholischen Glaubens zerstört worden. Die Bischöfe riefen zum Gebet für die Gläubigem im Bistum Nantes auf. Der Bistumssitz ist derzeit vakant und wird von Diözesanadministrator Francois Renaud verwaltet. Dieser sprach von einem traurigen Tag für die Kirche und die Stadt Nantes. „Jeder ist mit dieser Kathedrale verbunden.“ Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron bekundete seine Betroffenheit über den Kurzmitteilungsdienst Twitter. Nach Notre-Dame und der Pariser Kirche Saint-Sulpice stehe ein weiteres Gotteshaus in Flammen. Zudem bedankte er sich bei den Einsatzkräften, die alle Risiken auf sich genommen hätten, um „dieses gotische Juwel“ zu retten.

Zeugnis der Gottesverehrung über die Jahrhunderte hinweg

Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), der Limburger Bischof Georg Bätzing, reagierte mit Entsetzen auf die Brandkatastrophe: „Nantes und die herausragende kulturelle Tradition Frankreichs haben schweren Schaden genommen“, schreibt Bätzing in einem Brief an Diözesanadministrator Renaud. Die Bischofskirche sei „Zeugnis der Gottesverehrung über die Jahrhunderte hinweg. Sie zeigt, wer wir als Europäer sind, was uns prägt und ausmacht“. Daher schmerze es besonders, diese Kirche brennen zu sehen, so der DBK-Vorsitzende.

Die Kathedrale von Nantes zählt zu den bedeutendsten Werken der französischen Spätgotik. Der Bau des Gotteshauses begann im Jahr 1434 und zog sich über Jahrhunderte. So entstanden Mittelschiff, Querhaus und Seitenschiffe im 17. Jahrhundert; erst 1891 wurde die Kirche mit dem Chor und der Vierung fertiggestellt. Charakteristisch sind die beiden quadratischen Glockentürme, die wie bei fast allen französischen Kathedralen ohne Turmspitze blieben. Mit rund 38 Metern Höhe gehört das Gewölbe zu den höchsten Kirchengewölben in Frankreich. Nachdem die Kirche während der Französischen Revolution als Pferdestall missbraucht worden war, gewann sie unter Napoleon ihre Würde als Kathedrale zurück. Am 15. Juni 1944 zerstörten alliierte Bomben Teile des Gotteshauses. Die Restaurierung war immer noch unvollendet, als 1972 ein Feuer bei Reparaturarbeiten neue Schäden anrichtete. Erst Mitte der 1980er Jahre erstrahlte die Kathedrale wieder im alten Glanz. In Frankreich kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Schändungen und Zerstörungen an katholischen Kirchen. Seit dem Brand wird nun abermals intensiv diskutiert, wie die Kirchen und Kathedralen des Landes besser geschützt werden können.

DT/mlu/KNA

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