München

Münchner Kirchenrechtler Haering verstorben

Überraschend verstarb gestern der Benediktiner und Hochschullehrer Stephan Haering. Er galt weltweit als ausgewiesener Spezialist und war der "Tagespost" als Autor langjährig verbunden. Ein Nachruf von seinem Schüler Daniel Kretschmar.

Stephan Haering
Sein herzliches und freundliches Wesen, sein verschmitzer Humor und eine gewisse Selbstironie in den Vorlesungen bleiben nicht nur seinen Schülern unvergesslich. Foto: Archiv

Mit großer Bestürzung mussten am 18.11.2020 die benediktinsche Gemeinschaft, allen voran die Abtei Metten, Freunde und Wegbegleiter aus Forschung und Lehre, Studenten und Absolventen des Kirchenrechts sowie viele Personen aus Kirche und Welt den Tod von P. Stephan Haering zur Kenntnis nehmen. Sein plötzliches Ableben kam für alle von uns überraschend und scheint noch immer surreal.

Die Kirche verliert einen Mönch und Priester, der aus dem Geheimnis der Eucharistie und der benediktinischen Spiritualität gelebt hat, und die kanonistische Disziplin einen ausgewiesenen Fachmann, der es verstand, komplexe Inhalte miteinander zu verbinden und anschaulich darzustellen. Wer mit ihm zusammenarbeiten durfte wusste, dass P. Stephan unentwegt beschäftigt war. Viele Aufträge nahm er an, betreute unzählige Dissertationen und stand als Ratgeber gerne zur Seite. Sein herzliches und freundliches Wesen, sein verschmitzer Humor und eine gewisse Selbstironie in den Vorlesungen bleiben unvergesslich.

Aus dem Geheimnis der Eucharistie und der benediktinischen Spiritualität

Der nur 61 Jahre alt gewordene Haering wird am kommenden Montag auf dem Mönchsfriedhof der Abtei Metten beigesetzt, der er seit 1978 angehörte. 1984 zum Priester geweiht, studierte er Kirchenrecht in Salzburg, München und Washington und erlangte weltweite Anerkennung als Kanonist. Von 1997 bis 2001 war er zunächst Professor für Kirchenrecht in Würzburg und 2001 wurde er auf den Lehrstuhl für Kirchenrecht, insbesondere Verwaltungsrecht sowie Kirchliche Rechtsgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München berufen.

2005 wurde er von Papst Benedikt XVI. zum Mitarbeiter des Sondersekretariats für die XI. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode berufen. Als Mitherausgeber des "Handbuchs des katholischen Kirchenrechts" verantwortete er einen der bedeutendsten Kommentare zum Codex Iuris Canonici (CIC) mit.

So war er weit über die Grenzen des deutschsprachigen Raums bekannt durch seine Publikationen und Vorträge. Sein hinterlassenes Werk wird bleiben und die Erinnerung an ihn wachhalten.

Sein Werk wird bleiben

Im Vertrauen auf Gott und in der Verbundenheit mit der Gottesmutter Maria hat er auf Erden gelebt. Das Gebet aller, die ihn kannten, begleitet ihn auch über den Tod hinaus. Wenn er auch hier eine große Lücke hinterlässt, so dürfen wir getrost hoffen, dass er seinen Platz im himmlischen Reich einnehmen und den auf ewig schauen darf, auf den er gehofft hat: den lebendigen und wahren Gott.

Wir sind ihm zu tiefen Dank verpflichtet. Ewige Ruhe schenke im, o Herr, und das ewige Licht leuchte ihm. Lass ihn ruhen in Frieden. Amen.

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